Wie sicher ist Ihr Arbeitsplatz?

Immer wieder verunfallen Pöstler bei der Arbeit, in der Freizeit oder erkranken. Dies ist oft mit Leid verbunden und kostet die Post viel.

Ausgabe 3/2018
Text: Lea Freiburghaus; Fotos: iStock

Ein unachtsamer Moment auf der Treppe, ein Tritt ins Leere, der Sturz – und nichts ist mehr wie zuvor. Wie plötzlich sich ein Unfall ereignen oder eine Krankheit auftreten kann und was das bedeutet, erzählen betroffene Postmitarbeitende und drei Betriebssanitäter auf den Folgeseiten. Ihre Geschichten gehen nahe. Und sie zeigen, wie wichtig das Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ist.

Unfälle und Absenzen kosten

Ly-Tran Ngoc Dung und Caroline Hürzeler stehen stellvertretend für rund 7000 Pöstler, die im vergangenen Jahr bei der Arbeit oder in der Freizeit verunfallten. Im Durschnitt werden jährlich mehr als 2000 Berufsunfälle und 5000 Nichtberufsunfälle gemeldet. Dies generierte für 2017 Unfallkosten in der Höhe von 58 Millionen Franken. Dazu kommen jährlich 10 000 Krankheitsfälle. Im vergangenen Jahr führte das zu 416 000 unfall- oder krankheitsbedingten Aussetztagen. Anders gesagt: Die Post zahlte 2017 für nichtgeleistete Arbeit Löhne in der Höhe von knapp 140 Millionen Franken (sogenannte Ausfalllohnkosten).

Warum die Zahlen steigen

Nicht die Zahlen an sich, sondern ihr Ansteigen über die letzten Jahre gibt zu denken. Matthias Kunz, Leiter Arbeitssicherheit, nennt verschiedene Gründe: «Der Druck in der heutigen Arbeitswelt nimmt in allen Branchen ganz allgemein zu und die Aufgaben im Arbeitsumfeld werden immer komplexer.» Die längeren Absenzen erklärt er unter anderem wie folgt: «Erstens werden Unfälle und Krankheiten immer schwerer. Zweitens wird die Postbelegschaft immer älter.» Ältere Mitarbeitende seien zwar seltener krank, bräuchten jedoch länger, bis sie wieder fit seien, so Matthias Kunz.

Zusammenspiel zwischen Konzern, Bereich und Standort

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind gesetzlich geregelt. Ziel ist es, Mitarbeitende in der Schweiz vor Unfällen bei der Arbeit und berufsbedingten Krankheiten zu schützen. Eine Betriebsgruppenlösung Post regelt die Umsetzung der rechtlichen Vorgaben innerhalb des Konzerns. Wie das konkret vor sich geht und wie wichtig das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Beteiligten aus Konzern, Bereich und Standort ist, zeigt die Reportage beim Aufstellservice von PostLogistics in Villmergen AG. Welchen Gefahren die Mitarbeitenden in den verschiedenen Bereichen ausgesetzt sind, zeigt die Grafik.

Susanne Ruoff unterschreibt Sicherheits-Charta der Suva

«Damit Unfälle und Krankheiten im Arbeitsalltag verhindert werden können, braucht es klare Regeln. Gefährdungen müssen erkannt und reduziert und die Sicherheitskultur muss verbessert werden», meint Matthias Kunz. Ein erster Schritt in diese Richtung hat Susanne Ruoff mit der Unterzeichnung der Suva-Sicherheits-Charta diesen Januar getan. «Die Sicherheit der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz ist mir persönlich wichtig. Denn sie sind das höchste Gut und das wertvollste Kapital des Unternehmens», so Susanne Ruoff. Mit der Unterzeichnung der Charta setzt die Schweizerische Post ein klares Signal an die Führungspersonen und Mitarbeitenden, die lebenswichtigen Sicherheitsregeln einzuhalten. Die Mitarbeitenden der Post haben somit das Recht, bei Gefahr «Stopp» zu sagen und erst weiterzuarbeiten, wenn die Gefahr behoben ist.

Ausserdem forciert die Post nebst dem gesetzlich geregelten Gesundheitsschutz – dazu zählen sämtliche präventiven Massnahmen, die vor Berufskrankheiten schützen, wie beispielsweise die persönliche Schutzausrüstung – das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Im Fokus stehen hier die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. «Von einer Sicherheitskultur, die nicht nur gepredigt, sondern gelebt wird, profitiert nicht nur die Post, sondern jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter, und zwar gleich doppelt», so Matthias Kunz. Weniger Unfälle und Krankheiten führen zu tieferen Suva-Prämien. «Somit sinken die Abzüge und alle haben Ende Monat mehr Lohn auf dem Konto!»

Berufsunfälle pro 100 Vollzeitstellen

2007: 5,48

2017: 6,47

Nichtberufsunfälle pro 100 Vollzeitstellen

2007: 14,75

2017: 16,13

Aussetztage pro Jahr

2007: 380 052

2017: 416 269

Ausfalllohnkosten in Mio. CHF

2007: 115

2017: 139,4

Quelle: www.post.ch/geschaeftsbericht