Wie die Wissenschaft die Post beflügelt

Die Post entwickelt mit Hochdruck neue Produkte und Dienstleistungen. Oft tut sie das in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten. Wir stellen Ihnen drei wichtige Partnerschaften vor.

Ausgabe 5/2017
Text: Lea Freiburghaus; Illustrator: Dennis Oswald, Branders

Wir schreiben das Jahr 1938. Eben hat der Ungare László Bíró den Kugelschreiber patentieren lassen, nach 18 Jahren Entwicklungsarbeit im stillen Kämmerlein. Dass Erfinder im Alleingang ihre Ideen ausbrüteten, war damals keine Seltenheit. Heute wäre das unvorstellbar. Denn die Art und Weise, wie Innovation stattfindet, hat sich fundamental verändert – auch bei der Post.

Teamplayer statt Einzelkämpfer

Der letzte Paradigmenwechsel im Innovationsmanagement beschreibt Henry Chesbrough 2003 in seinem Buch «Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology». Unter Open Innovation versteht man nichts anderes als die Öffnung des Innovationsprozesses. So findet die Entwicklung neuer Produkte nicht mehr in hermetisch abgeschotteten Forschungs- und Entwicklungsabteilungen statt, sondern in Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern. Dazu gehören andere Abteilungen, Hochschulen, aber auch Kunden, Startups, Lieferanten, Technologiepartner und viele mehr.

Die Öffnung des Innovationsprozesses ist motiviert vom steigenden Wettbewerbsdruck und von der Globalisierung, von kürzeren Produktlebenszyklen und vom damit verbundenen höheren Innovationsdruck. Auch die Entwicklung neuer Produkte als Folge der Digitalisierung ist mit ein Grund.

Schneller, günstiger, innovativer

Aus diesen Gründen spielt Open Innovation auch im Innovationsmanagement der Post eine wichtige Rolle. «Wenn man gemeinsam innoviert, ist man immer schneller, kostengünstiger und besser», erklärt Thierry Golliard, Leiter Open Innovation & Venturing bei E.

Die Post verfolgt diesen Ansatz schon seit gut 20 Jahren. Bereits seit 1995 finanziert sie Lehrstühle an Schweizer Hochschulen und Universitäten. Mit der Schaffung des ersten extern finanzierten Lehrstuhls an der ETH Lausanne – Management von Netzwerkindustrien – nahm die Post 2002 eine Vorreiterrolle ein (siehe Artikel rechts).

Thierry Golliard sieht in der Zusammenarbeit mit Hochschulen drei grosse Vorteile: «Erstens profitieren wir vom enormen Wissen, das unsere akademischen Partner in Themenfeldern schaffen, die zentral sind für unsere Weiterentwicklung. Zweitens nützt die Zusammenarbeit mit Hochschulen der HR-Rekrutierung: Die Post kann sich in neuen Disziplinen, in denen gute Leute schwer zu finden sind, als attraktive Arbeitgeberin positionieren. Und drittens helfen die Partnerschaften auch, unser Image als innovatives Unternehmen zu zementieren.» Ausserdem können Forschungsprojekte lanciert, Experten für Beratungen und Vorträge gebucht sowie Räumlichkeiten auf dem jeweiligen Campus genutzt werden. Die Wissenschaft profitiert primär vom direkten Zugang zur Praxis und zur Infrastruktur der Post. «Unser grösstes Plus sind reale Daten, dank derer wissenschaftliche Theorien überprüft und neue Anwendungen entwickelt werden können», weiss Thierry Golliard.

Wichtiges Bindeglied

Weil die Post aufgrund der sich verändernden Kundenbedürfnisse Dienstleistungen zunehmend auch online und digital anbietet, arbeitet sie seit 2012 mit Edy Portmann, Inhaber der Förderprofessur der Schweizerischen Post, zurzeit am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern, zusammen. Er ist auf die Interaktion von Mensch und Maschine spezialisiert und hat in den vergangenen Jahren zusammen mit der Post eine Vielzahl an konkreten Projekten lanciert (siehe Interview rechts).

Weil mit der Digitalisierung auch der Datenschutz und die Sicherheit sowie Zuverlässigkeit von IT-Systemen wichtiger werden, hat sich die Post Ende 2016 für eine längerfristige Forschungspartnerschaft mit dem Zurich Information Security and Privacy Center (ZISC) der ETH Zürich entschieden (siehe Artikel rechts).

Gepflegt werden die drei Partnerschaften durch das Team Open Innovation bei E. «Wir haben eine wichtige Scharnierfunktion und verstehen uns als Übersetzer zwischen der Welt der Akademie und der Wirtschaft», so Thierry Golliard.

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