«Zahlen faszinieren mich»

Interview mit Alex Glanzmann, Finanzchef der Post und Mitglied der Konzernleitung.

14.03.2017
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: Simon Opladen
Alex Glanzmann

Alex Glanzmann

Herr Glanzmann, Sie haben den ganzen Tag mit Zahlen zu tun. Wird das nicht langweilig?

Auf keinen Fall, Zahlen haben mich schon immer fasziniert. Denn hinter jeder Zahl steckt auch immer eine Geschichte, die zur eigentlichen Interpretation dazugehört. Zudem helfen Zahlen rasch bei der Orientierung, sei dies bei einer Einschätzung oder Messung wie bei Sportresultaten. Ich habe mir in den Skiferien eine App herunter geladen, mit der man die Höhen- und Pistenkilometer verfolgen kann. Da habe ich dann schon ab und zu darauf geschaut.

Sie haben Ihre erste Bilanzmedienkonferenz als neuer Finanzchef der Post hinter sich. Sind Sie zufrieden?

Es ist eine grosse Verantwortung, die ich aber äusserst gerne übernehme. Aus meiner Sicht konnten wir die für uns wichtigen Botschaften sehr gut übermitteln. Das Interesse der Medien ist aufgrund verschiedener von uns lancierter Projekte sicher wieder etwas grösser als auch schon.

Die Post hat im Jahr 2016 ein tieferes Ergebnis erzielt als im Vorjahr. Welches sind die Gründe?

Zuerst einmal: Wir dürfen uns weiterhin über ein solides Ergebnis freuen, das insbesondere auf eine sehr gute operative Leistung der Bereiche zurückzuführen ist. Dafür möchte ich mich bei allen Mitarbeitenden herzlich bedanken! Auf der anderen Seite gibt es strukturelle Herausforderungen, die den Druck auf unser Ergebnis erhöhen: So sind die Sendungsmengen im Briefgeschäft stark rückläufig, die Margen im wachsenden Logistikgeschäft werden kleiner und PostFinance leidet unter dem Tiefzinsumfeld. Diese drei Treiber haben in den vergangenen Jahren wesentlich zu unserem etwas tieferen Gewinn beigetragen.

Es wird also für die Post immer schwieriger, gewinnbringend zu wirtschaften?

Während wir beim Zins mittelfristig sicher wieder von einer gewissen Normalisierung ausgehen können - wenn auch auf einem wohl anderen Niveau als in der Vergangenheit - wird der Druck auf die Briefmengen und die Logistikmargen längerfristig bestehen bleiben. Das ändert die Situation in unserem nach wie vor zentralen Kerngeschäft. Dies müssen wir kompensieren können.

Wie packt die Post diese Herausforderung an?

Wichtig ist: Die Post steht finanziell wie auch im Markt auf einer nach wie vor sehr soliden Basis. Unsere Aufgabe ist, sicherzustellen, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Aufgrund des sich immer rascher wandelnden Umfelds und der sich stetig verändernden Kundenbedürfnisse gelingt uns dies nicht, wenn wir nur an Rezepten der Vergangenheit festhalten. Wir müssen Lösungen für die Zukunft finden und konsequent umsetzen.

Das bedingt auch, dass die Mitarbeitenden diesen Wandel mittragen …

Dieser Prozess ist nicht einfach, weil wir unsere Stärke durch eben diese tollen Leistungen über Jahrzehnte hinweg erarbeitet haben und jetzt in einigen Bereichen andere Wege einschlagen müssen. Es liegt nun an uns, diese Situation unseren Mitarbeitenden auch entsprechend aufzeigen zu können. Damit alle den Sinn dieser Transformation erkennen und gemeinsam in die gleiche Richtung arbeiten können.

Kann denn die Post ohne stabilen Gewinn die Grundversorgung langfristig noch aus eigener Kraft finanzieren?

Ganz klar nein. Die gute Qualität der Grundversorgung aufrechterhalten zu können, kostet uns auch etwas. Bis jetzt konnten wir diese Kosten immer eigenwirtschaftlich und ohne Zuschüsse erbringen. Das wird zunehmend schwieriger, wenn die Anforderungen im Grundversorgungsbereich immer grösser werden und gleichzeitig der angesprochene Strukturwandel auf unsere Ergebnisse drückt.

Sie haben einen intensiven Job. Wie schalten Sie ab?

Wichtig ist, dass ich meinen Job mit Leidenschaft und Freude ausübe. Daneben treibe ich gerne Sport wie Joggen, Skifahren und Golf. Wobei ich schon vermehrt schauen muss, dass ich genügend Zeit dafür finde. Neben Lesen und Kochen verbringe ich auch gerne viel Zeit mit meinem neunjährigen Sohn.