«Sechs Mal pro Woche vor Ort an jeder Haustür»

Werden die Briefzustellerinnen und -zusteller künftig Rasen mähen? Nein, sagt Ulrich Hurni, Leiter PostMail, und erklärt, warum PostMail auf der letzten Meile neue Angebote entwickelt.

17.10.2017
Interview: Rebekka Brönnimann; Fotos: Adrian Moser
  • Ulrich Hurni, Leiter PostMail

    Ulrich Hurni, Leiter PostMail

  • Ulrich Hurni, Leiter PostMail

    Ulrich Hurni, Leiter PostMail

Weshalb baut PostMail die Dienstleistungen auf der letzten Meile aus?

Auf einzelne Kunden abgestimmte Logistiklösungen setzen wir bei Bedarf schon lange um. Beim ergänzenden Geschäftsfeld «Letzte Meile» geht es jetzt darum, Lösungen zu finden, die multiplizierbar sind. Seit mehr als zehn Jahren nehmen die Briefmengen kontinuierlich ab. Ziel ist es also, regelmässig zusätzliche Erträge zu generieren und so schlussendlich auch Arbeitsplätze zu sichern. PostMail ist in der Lage, sechs Mal wöchentlich alle 4,1 Millionen Haushalte in der Schweiz zu erreichen. Und die Zustellerinnen und Zusteller sind Vertrauenspersonen. Diese zwei Kriterien inspirieren uns und sind der Ursprung vieler interessanter Projekte auf der letzten Meile.

Wie verändert sich das Berufsbild der Briefzustellerinnen und -zusteller durch die neuen Angebote?

Das Berufsbild wird sich nicht grundlegend verändern. Das Kerngeschäft spielt auch in zehn Jahren noch die Hauptrolle. Wie in der Vergangenheit wird sich der Zustellberuf aber in verschiedenen Bereichen weiterentwickeln. In unserer Strategie haben wir festgehalten, dass die ergänzenden Dienstleistungen zu unserem Kerngeschäft und damit zur heutigen Arbeit der Zustellerinnen und Zusteller passen müssen: Wir holen und bringen Sachen, wir erheben Informationen, wir liefern nach Hause und wir erbringen flexible postalische Dienstleistungen.

Aber gerade die Erhebung von Informationen, also beispielsweise an der Haustüre klingeln und im Auftrag von Firmen Fragen stellen, fällt nicht jedem leicht …

Das Gros der Zustellerinnen und Zusteller hat gerne Kundenkontakt. Was sicher nicht jedermanns Sache wäre, ist das aktive Verkaufen. Das ist aber auch nicht unser Ziel.

Wenn die Produktivität in der Zustellung gleichbleiben soll, aber der Zeitaufwand durch die neuen Dienstleistungen steigt, erhöht sich dann nicht der Druck auf die Mitarbeitenden?

Das Kerngeschäft hat immer Priorität, die Qualität darf durch die neuen Dienstleistungen nicht leiden. Wir achten darauf, dass zusätzliche Aufgaben an eher mengenschwachen Tagen erledigt werden können. Wenn dies nicht möglich ist, können auch separate Zustellgänge geplant werden. Das kostet jedoch entsprechend, und der Geschäftskunde muss bereit sein, dies zu bezahlen.

Bei der Post stellt ja nicht nur PostMail Sendungen in Hausbriefkästen zu. Wie sehen Sie die bereichsübergreifende Zusammenarbeit auf der letzten Meile?

Das stimmt. Heute stellen PostMail, PostLogistics und einige Konzerngesellschaften Sendungen in Hausbriefkästen zu. Aber nur das Zustellsystem von PostMail ist in der Lage, täglich alle Haushalte zu bedienen. Es ist jedoch gut möglich, dass wir unseren Geschäftskunden eine neue Dienstleistung auch bereichsübergreifend anbieten. Wie beispielsweise bei Texaid, wo PostMail die Säcke abholt und in den Kanal von PostLogistics einspeist.

Die französische Post will auf der letzten Meile eine «universelle Anbieterin» werden: TV-Geräte installieren, im Haushalt helfen, … Wird dies PostMail künftig auch tun?

Nein. Die französische Post offeriert beispielsweise Dienstleistungen für die Betreuung älterer Menschen. Die finnische Post bietet sogar Gartenarbeiten und das Rasenmähen an. Solche Dienstleistungen sind nicht in Planung.