Recyclingprodukte sammeln

17.10.2017
entsprechender Ausschnitt aus der Grafik

Wer ihn sieht, ahnt sofort: Hier wird geholfen. Der Superheld im grünen Shirt und mit freundlichem Lächeln ist das Aushängeschild des Recyclingunternehmens Mr. Green. Das Zürcher Start-up, das seit 2010 existiert, will seinen Kunden das Recycling vereinfachen. Sie können Alu, Batterien, Elektroschrott, Getränkekartons, PET und vieles mehr in einem weiss-grünen Sack sammeln. Dieser wird dann zu Hause oder im Büro abgeholt. Zurzeit hat Mr. Green rund 1500 Kunden im Raum Zürich.

National tätiger Logistiker gesucht

Im Herbst 2015 klopfte Mr. Green bei der Post an, auf der Suche nach einem national tätigen Logistiker. «Über Umwege kam die Anfrage zu mir», erinnert sich Thomas Hiller, Leiter Briefzustellregion Zürich. «Für mich war sofort klar, dass wir sie prüfen. Denn es hat alles perfekt zusammengepasst: Von der Nachhaltigkeit beim Recycling über unsere Elektrofahrzeuge bis hin zur Verarbeitung des gesammelten Materials durch soziale Institutionen.»

Ein erster Pilotversuch im Frühjahr 2016 zeigte rasch, dass eine Zusammenarbeit funktionieren könnte. Allerdings nur, wenn beide Seiten gewisse Anpassungen vornehmen.

Nach- und Aufrüsten angesagt

So rüstete die Post zusammen mit Kyburz kurzerhand ihre DXP um: Spezielle Behältnisse für die Anhänger wurden entwickelt, sodass in Zukunft auch verschmutzte Säcke geladen werden können. Und zwar schon während der Tour und nicht erst auf dem Rückweg.

Mr. Green entwickelte eine App, mit deren Hilfe der logistische Aufwand koordiniert und vereinfacht werden sollte. Und so funktioniert sie: Sobald der Kunde einen Sack abholen lassen will, meldet er das per App. Diese teilt ihm den nächstmöglichen Abholtag mit. «Aus Kapazitätsgründen ist das tägliche Maximum auf drei Säcke pro Tour beschränkt», erklärt Thomas Hiller. Die App sorgt dafür, dass diese Vorgabe auch eingehalten wird. Und vertröstet Kunden bei mehr Bestellungen auf den Folgetag.

Zweiter Anlauf

Der Startschuss für die zweite Pilotphase war Anfang Juni dieses Jahr. Miriam Casura, Teamleaderin im Gebiet von 8057 Zürich, ist mit dabei: «Vom Prinzip her funktioniert Mr. Green wie eine Abholung», erklärt die junge Zustellerin. «Nur holt man kein Paket ab, sondern einen Sack.» Deponiert seien diese neben dem Hausbriefkasten. Pro Abholung muss man mit ein bis zwei Minuten Zeit rechnen. «Manchmal sind die Säcke ganz schön schwer», erzählt die 24-Jährige. «Und ab und an sorgen sie auch für Verwirrung: Der übereifrige Abwart beispielsweise entfernt sie, bevor der Pöstler kommt.»

Die Montage des Anhängeraufsatzes sei zu Beginn etwas umständlich, meint Miriam Casura. Ansonsten brauche es vor der Tour keine grosse Vorbereitung. Solange Mr. Green ein Pilotversuch ist, gehen die Bestellungen per E-Mail ein und werden dem Boten jeweils morgens zum Einfächern übergeben. «Nach Einführung würde die Auftragserteilung natürlich über den Handscanner laufen», versichert Thomas Hiller.

Die Reaktionen in Miriam Casuras Team seien sehr verschieden gewesen, erzählt sie: Von «Super» über «Ach nein, wieder etwas» bis hin zu «Das braucht es nicht». Inzwischen hätten sich jedoch alle daran gewöhnt. Sie selbst war von Anfang an begeistert: «Mir ist das Angebot von Mr. Green sehr sympathisch. Und für die Post ist es ein gutes Zusatzgeschäft. Ich bin offen und immer dafür, neue Sachen auszuprobieren.»

Ausgang noch offen

Noch läuft der Pilotversuch. Parallel dazu wird das weitere Vorgehen geklärt. Erste Erkenntnisse aus den Auswertungen zeigen, dass sich sowohl die App wie auch der Anhängeraufsatz von Kyburz bewährt haben. Ob und wie genau die Zusammenarbeit zwischen der Post und Mr. Green weitergeführt wird, entscheidet sich im Januar 2018. Und vielleicht kann der grüne Superheld dann künftig auf die tatkräftige Hilfe des gelben Riesen zählen!

www.mr-green.ch