«Gestalten Sie die Zukunft der Post aktiv mit»

Die Konzernstrategie 2017–2020 ist lanciert. Mit ihr wird aufgezeigt, wie sich die Post in den kommenden Jahren in einem intensiven Wettbewerb entwickeln muss. Im Interview erklärt Konzernleiterin Susanne Ruoff, wohin der Weg der Post geht.

14.02.2017
Interview: Camilla Krebs

Die Post hat ihre Strategie für die nächsten vier Jahre lanciert. Im Fokus steht die Transformation. Worum geht es hauptsächlich?

Im Zentrum steht unsere Vision: Einfach mit System! Wir wollen mit unseren – physischen oder digitalen – Dienstleistungen noch näher bei den Kundinnen und Kunden sein. Wir müssen unsere Marktposition verteidigen, neue Geschäftsfelder erschliessen und Wachstum erzeugen, so dass wir auch morgen eine attraktive Arbeitgeberin sind und Dienstleistungen auf hohem Niveau anbieten können. Die Optimierung von Prozessen und die Steigerung der Effizienz sind Daueraufgaben und in dieser Strategieperiode klar mit Massnahmen hinterlegt.

Warum braucht es diese Transformation?

Wenn sich die Post nicht bewegt, bewegt sich die Welt an ihr vorbei. Neue, teils internationale Wettbewerber drängen auf den Markt und unsere Kunden verlangen immer mehr individuelle und flexible Lösungen – rund um die Uhr, physisch und digital. Sie wollen oder können aufgrund der Lebens- und Arbeitssituation immer weniger «auf die Post» gehen. Die sich verändernden Briefmengen, die knappen Margen im Paketmarkt und die Tiefzinssituation im Bankenumfeld setzen uns immer mehr unter Druck.

Wird nun die Post komplett auf den Kopf gestellt?

Nein, die Post ist heute noch gut aufgestellt und gut unterwegs. Aber unser Blick geht in die Zukunft. Es ist nun einmal so, dass sich unser Umfeld schneller bewegt als je zuvor. Das Tempo der Veränderungen hat zugenommen. Transformation gehört zur Tradition der Post und ist ein Grundstein unseres Erfolges. Wir treiben diese Entwicklung mit unserer Strategie nun einfach noch konsequenter voran.

Wie wird sich dabei unser Kerngeschäft entwickeln?

Eines ist klar: Das Kerngeschäft bleibt zentral und ist der Ausgangspunkt für unsere Weiterentwicklung. Wir transportieren Informationen, Geld, Güter und Menschen. Immer mit dem Ziel, einen hohen Dienstleistungsgrad und eine qualitativ hochstehende postalische Grundversorgung im ganzen Land zu bieten. Aber genau darum müssen wir mit der Zeit gehen. Wenn wir neue Geschäftsfelder erschliessen, dann in unserer Rolle als Vertrauenspartnerin.

Insbesondere Effizienzprogramme lösen intern viele Unsicherheiten aus. Was sagen Sie den Mitarbeitenden?

Solche Veränderungen bringen immer Unsicherheiten mit sich. Mir ist wichtig, dass über Unklarheiten mit Vorgesetzten offen diskutiert werden kann. Führungspersonen müssen die Veränderungen kennen und diese den Mitarbeitenden im richtigen Kontext vermitteln. Unsicherheiten können mit offener und transparenter Diskussion zwar nicht vermieden, aber abgebaut werden. Unsere Kosten tief zu halten oder gar zu senken, bleibt auch in der neuen Strategieperiode zentral. In den Geschäftsbereichen ist das seit Jahren Realität. Es ist richtig, dass wir solche Anstrengungen jetzt auch in den unterstützenden Funktionen machen. Wir tun dies aber mit grosser Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden.

Stichwort Poststellennetz: In den Medien kursieren immer wieder Mutmassungen über die Netzentwicklung.

Wir stehen in direktem Dialog mit Kantonen, Gemeinden und der Bevölkerung und haben in einer ersten Gesprächsrunde mit allen Kantonen die regionalen Bedürfnisse an die Postversorgung diskutiert. Uns ist es ein grosses Anliegen, diesen Umbau sorgfältig umzusetzen und wir werden im Verlauf des zweiten Quartals 2017 eine erste Zwischenbilanz ziehen. Die in den vergangenen Wochen von der Gewerkschaft syndicom publizierten Karten und Listen sind reine Spekulation und schüren Angst und Unsicherheit. Unser Ziel ist es, unseren Kundinnen und Kunden einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Ausbau der Zugangsmöglichkeiten zu bieten. Daran halten wir fest!

Themen wie Digitalisierung, Automation oder Drohnen und Roboter sind wichtig für die Post. Mitarbeitende sorgen sich um ihren Arbeitsplatz. Zu Recht?

Ich verstehe, dass diese Schlagwörter Ängste auslösen. Wir nutzen solche Lösungen und neue Technologien für den Aufbau neuer Geschäftsfelder. So entstehen auch neue Stellen: Wir brauchen weiterhin qualifizierte Arbeitskräfte, die beispielsweise die automatisierten Prozesse programmieren, kontrollieren und den Betrieb sicherstellen. Die Menschen stehen bei der Post im Zentrum. Sei es im Kontakt mit den Kunden, bei der Zustellung oder in der Entwicklung der Post der Zukunft. Weder werden Postautochauffeure durch SmartShuttles noch Paketbotinnen durch Roboter ersetzt. Es werden vor allem repetitive Tätigkeiten sein, die in den kommenden Jahrzehnten zunehmend automatisiert werden. Unsere Aufgabe als Arbeitgeberin ist es, die Mitarbeitenden auf diese Reise mitzunehmen.

Was tut die Post, um ihre Mitarbeitenden auf eben diese Reise mitzunehmen?

Wir wollen die Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärken. Die Post bietet rund 170 Weiterbildungsmöglichkeiten an, beispielsweise Informatik-Schulungen, Kurse für den Umgang mit digitalen Hilfsmitteln oder Sprachkurse im In- und Ausland. Es gibt aber auch Laufbahnberatungen, Standortbestimmungen und spezielle Angebote für Mitarbeitende von Poststellen und Verkauf. Wir wollen das Potenzial unserer Mitarbeitenden noch besser nutzen, zum Beispiel durch Angebote wie den temporären Stellenwechsel. Diese Angebote machen wir aber nicht zum Selbstzweck; sie müssen genutzt werden.

Zum Abschluss: Was ist Ihnen bei dieser Transformationsstrategie besonders wichtig?

Mir liegt es am Herzen, dass wir in den verschiedenen Bereichen, Funktionen und Hierarchiestufen noch enger zusammenarbeiten. Wir alle sind «die Post» und müssen am gleichen Strang ziehen. Wir müssen den Mut haben, uns zu verändern und Neues auszuprobieren. Natürlich immer mit Blick auf die Bedürfnisse unserer Kunden, unsere Wachstumsgebiete und unsere Ansprüche an Effizienz- und Optimierungsprozesse. Mein Appell an die Mitarbeitenden ist: Gestalten Sie die Zukunft der Post aktiv mit, sprechen Sie über Ihre Ideen. Die Transformation lebt von den Mitarbeitenden, die positive Veränderungen vorantreiben und mittragen. Nur so sind wir bereit für morgen.