«Es ist unser Ziel, die Spitzenposition der Post auszubauen»

Die Kundinnen und Kunden der Post werden mobiler und digitaler. Die Post reagiert darauf mit einer zeitgemässen Weiterentwicklung der Zugangsmöglichkeiten. Konzernleiterin Susanne Ruoff im Gespräch über die Veränderungen, die diese Weiterentwicklung für die Kunden und die Post mit sich bringt.

27.10.2016
Fotos: Simon B. Opladen

Diese Woche hat die Post die Pläne für die weiteren Entwicklungen des Postnetzes bekannt gegeben. Was sind für Sie die wichtigsten Veränderungen?

Es geht vor allem um zwei Dinge: Zum einen werden wir die Zugangsmöglichkeiten der Post in den kommenden Jahren von heute rund 3700 auf über 4000 ausbauen. Wir werden bei den Filialen weiterhin auf einen Mix zwischen eigenbetriebenen Filialen und alternativen Formaten wie der Partnerfiliale setzen. Das bedeutet auch, dass die Umwandlungen von eigenbetriebenen Filialen in den kommenden Jahren im heutigen Tempo weitergehen werden. Zum anderen werden wir bei der Weiterentwicklung unseres Netzes viel grössere Transparenz gegenüber Kunden und Politik schaffen und dabei völlig neue Wege gehen.

Was verspricht sich die Post von dieser Transparenz?

Beim Postnetz geht es um den täglichen Zugang zu unseren Dienstleistungen, es geht um Nähe, und es geht auch um viele Emotionen. Dieses Thema liegt unseren Kunden im wahrsten Sinne des Wortes am Herzen. Weil sich die Gesellschaft weiter verändert, muss auch die Entwicklung unseres Netzes weitergehen. Dazu brauchen wir Verständnis und Unterstützung. Und das werden wir nur durch einen viel stärkeren Dialog mit der Bevölkerung und der Politik erreichen.

Wie will die Post dies schaffen? Können Partnerfilialen die gleiche Akzeptanz wie eine eigenbetriebene Filiale erreichen?

Ja, unbedingt! Und das ist oftmals heute schon der Fall. Die Filialen mit Partnern haben sich in den vergangenen Jahren immer besser etabliert. Sie können vor allem mit ihren Öffnungszeiten punkten und entsprechen damit den heutigen Kundenbedürfnissen. Nur ein Beispiel, was dies konkret bedeuten kann: In Wallbach im Kanton Aargau hat sich das Zeitfenster für Postgeschäfte durch den Einsatz einer Partnerfiliale von 35 auf 81 Stunden pro Woche erweitert. Auch die Zufriedenheit der Kunden mit diesem Modell ist in den vergangenen Jahren sehr stark angestiegen und befindet sich mittlerweile auf der Höhe der eigenbetriebenen Filialen.

Und trotzdem gibt es immer wieder Widerstand, wenn eigenbetriebene Filialen umgewandelt werden …

Ja, dafür habe ich auch grosses Verständnis. Es geht um Gewohntes und Liebgewonnenes. Aber wir können den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht begegnen, indem wir alles so belassen, wie es ist. Unsere Kunden nutzen die eigenbetriebenen Filialen in vielen Fällen nicht mehr so, dass eine Weiterführung tragbar ist. Was wir brauchen, sind Zugangsmöglichkeiten, die den Lebensgewohnheiten der Kunden entsprechen. Das müssen wir ihnen bieten, und davon müssen wir sie überzeugen, bei jeder einzelnen Umwandlung! Dazu gehört eben auch, dass wir mit ihnen die nötigen Veränderungen vor Ort diskutieren. So eine Entwicklung darf nicht unter dem Radar passieren. Da muss man sich nicht wundern, wenn Veränderungen nicht mitgetragen werden.

Wie kann man sich einen solchen Einbezug der Bevölkerung vorstellen?

Wir wollen hier wie gesagt neue Wege gehen und auf einen aktiven Dialog setzen. Die Behörden und Einwohner von Gemeinden oder Quartieren, die von einer Änderung des Postnetzes betroffen sind, werden von der Post in Zukunft frühzeitig über Neuerungen und die alternativen Angebote informiert. Ab Januar 2017 werden wir dazu die lokale Bevölkerung bei bevorstehenden Umwandlungen immer zu Dialogveranstaltungen einladen. So können die Anliegen der Bevölkerung thematisiert und ernstgenommen werden. Auch von denjenigen, die nicht mobil und digital sind.

Auch in der Politik wird das Postnetz ein grosses Thema bleiben …

Selbstverständlich. Es ist uns ein grosses Anliegen, auch in der Politik mehr Klarheit zu schaffen über unsere Entwicklungen. Auch hier wird es zu einem Paradigmenwechsel kommen. Die Post wird die Ausgestaltung des Netzes neu auch mit den Kantonen diskutieren. Dieser Prozess startet noch in diesem Jahr. Daneben gibt es weitere wichtige Neuerungen. So werden wir neben den geltenden gesetzlichen Vorgaben neu auch regionale Kriterien und Bedürfnisse berücksichtigen. Zudem werden wir in allen Kantonen eigenbetriebene Filialen festlegen, die in den nächsten Jahren nicht für eine Umwandlung in Frage kommen. Damit schaffen wir zusätzliche Planungssicherheit.

Die neuen Entwicklungen sollen also viel bieten für Kunden und Politik. Wie sieht es bei den Mitarbeitenden aus?

Unsere Mitarbeitenden kennen die Art und das Tempo der Entwicklungen im Netz, und sie verstehen, dass die Post sich technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschliessen darf. Das erfahre ich jeden Tag im Dialog mit Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel an unseren Postorama-Anlässen. Es ist unsere Pflicht, die Mitarbeitenden und Sozialpartner weiterhin auf dieser Reise mitzunehmen. Nur mit ihnen werden wir die nächsten Entwicklungsschritte der Post erfolgreich umsetzen können. Aber: Ich habe grosses Verständnis für die Bedenken der Mitarbeitenden, wenn sich Dinge verändern.

Was tut die Post, wenn Mitarbeitende von einer Schliessung eines Standortes betroffen sind?

Die Post wird, wo immer möglich, auch weiterhin Entlassungen vermeiden. Wir unterstützen die Mitarbeitenden bei der Stellensuche, vor allem auch innerhalb der Post, indem sie alternative Beschäftigungsmöglichkeiten kennenlernen können. Zusätzlich stellen wir Umschulungs- und Weiterbildungsangebote zur Verfügung. Man darf eines nicht vergessen: Die Post entwickelt sich an allen Ecken und Enden. Es wird möglich sein, in den meisten Fällen alternative Möglichkeiten anzubieten.

Zum Schluss: Was versprechen Sie sich langfristig von dieser Entwicklung?

Damit sich die Post auch in Zukunft aus eigener Kraft weiterentwickeln kann, ohne dabei auf Staats- und Steuergelder angewiesen zu sein, muss sie wirtschaftlich arbeiten. Wir bewegen uns mit unseren Kunden und bieten unsere Dienstleistungen dort an, wo die Kunden sind. Das Postnetz soll vermehrt als ein Nebeneinander von klassischen und neuen Zugangsmöglichkeiten wahrgenommen werden, die sich gegenseitig ergänzen. Auch unser digitales Angebot spielt hier eine grosse Rolle. Es ist unser Ziel, die Spitzenposition der Post auszubauen und auch weiterhin das dichteste Netz an Filialen und weiteren Zugangsmöglichkeiten in Europa anzubieten. Wir haben jetzt die Möglichkeit, das Postnetz von Morgen zu entwickeln: Das ist eine grosse Chance, die wir unbedingt packen müssen!

Susanne Ruoff und Thomas Baur nehmen im Video Stellung zur geplanten Netzentwicklung