Aufklärung in Sachen Post

So vielfältig der Konzern ist, so hartnäckig halten sich auch Irrtümer über ihn. Zum Start des neuen Postchefs räumen wir mit den grössten auf. Eine Klarstellung in fünf Punkten.

07.05.2019
Fotos: Michael Sieber, Annette Boutellier, Joel Schweizer, Museum für Kommunikation

Irrtum Nr. 1

Die Post bringt Briefe und Pakete

Ja, aber nicht nur. Neben dem Kommunikationsmarkt für Briefe und dem Logistikmarkt mit Paketen aller Art ist sie auch im Finanz- und Transportbereich tätig.

PostMail ist mit knapp 15 000 Vollzeitstellen der grösste Bereich der Post und macht fast zwei Fünftel der gesamten Stellenprozente aus. Mit 2721 Mio. Franken erwirtschaftet PostMail 31 Prozent des Betriebsertrags. Zusammen mit PostLogistics die Hälfte des Betriebsertrags der gesamten Post.

Das Geschäft mit den Briefen ist zwar rückläufig, doch nach wie vor wird pro Jahr die enorme Zahl von 1898 Mio. adressierter Briefe verarbeitet. Vor fünf Jahren waren es noch 2245 Mio., vor zehn Jahren 2682 Mio. Die Pöstler stellen vielerorts nicht nur Briefe zu. Mit sogenannten «Dienstleistungen auf der letzten Meile» liefern sie auf ihrer Zustelltour schweizweit regionale Produkte wie Gemüse, Früchte und vieles mehr aus. In der Region Bern bringen sie seit einiger Zeit auf Wunsch sogar frisches Brot direkt an die Haustür. Der Paketmarkt hingegen boomt: Heute werden jährlich 138 Millionen Pakete verarbeitet, vor zehn Jahren waren es erst 105 Mio.

Irrtum Nr. 2

Die Post baut ihr Postnetz ab

Das Postnetz wird transformiert, nicht reduziert. Neben den eigenbetriebenen Filialen gibt es fünf weitere Zugangspunkte: Filialen mit Partner, My Post 24-Automaten, Hausservice, Aufgabe- und Abholstellen sowie Geschäftskundenstellen. Derzeit gibt es rund 3900 Zugangspunkte, 2020 sollen es mindestens 4200 sein. Es gibt über 1000 Filialen mit Partner, in den nächsten Jahren werden etwa 200 dazukommen. Die Zahl der eigenbetriebenen Filialen wird reduziert und 300 der bestehenden Filialen werden modernisiert: Sie erhalten ein neues Kleid und ein neues Konzept (siehe auch Seite 30).

In den zwei folgenden Jahren werden 200 Standorte mit My Post 24-Automaten ausgerüstet. Hier können die Kunden rund um die Uhr Postdienstleistungen in Anspruch nehmen.

Irrtum Nr. 3

Die Post lebt von den Steuern der Schweizer Steuerzahlern

Die Post gehört zu 100 Prozent dem Bund. Sie hat von diesem einen klar definierten Grundversorgungsauftrag, den sie allerdings eigenwirtschaftlich erbringt. Das heisst: Die Post erhält keine Steuergelder vom Bund. Sie finanziert beispielsweise das Postnetz oder den Brieftransport selbst. Das Geld fliesst sogar in die Gegenrichtung: Ihrem Alleineigner, dem Bund, gibt die Post eine jährliche Dividende von etwa 200 Millionen Franken ab.

Anders ist es bei PostAuto: Die Dienstleistungen von PostAuto sind nicht im Grundversorgungsauftrag der Post enthalten. Die PostAuto-Linien werden von den Kantonen bestellt und von Bund und Kantonen bezahlt. Der abgeltungsberechtigte regionale Personenverkehr (RPV) ist generell so organisiert: PostAuto bietet eine Dienstleistung an wie andere Transportunternehmen im RPV auch.

Irrtum Nr. 4

Die Post ist ein staatlicher Monopol-Betrieb

Die PTT war dies einst: 1998 wurde diese Verwaltungseinheit des Bundes jedoch aufgelöst. Es entstand die Post, eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt, die 2013 zur Aktiengesellschaft wurde. Das Monopol der Post auf der Zustellung von Briefen und Paketen bis 5 Kilogramm wurde schrittweise aufgehoben. Seit 2009 verfügt die Post noch über ein Restmonopol für Inlandbriefe unter 50 Gramm. Alle anderen Dienstleistungen erbringt die Post in Konkurrenz zu anderen Anbietern auf dem Markt.

Irrtum Nr. 5

Die Post kümmert sich zu sehr um Innovation und zu wenig um ihr Kerngeschäft

Das stimmt nicht, denn Innovationen und Kerngeschäft lassen sich gar nicht scharf trennen. Das physische Kerngeschäft – die Übermittlung von Informationen, Waren, Werten und Personen – findet mehr und mehr in der digitalen Welt statt. Innovationen sind dabei unumgänglich: Sie tragen dazu bei, dass die Post zeitgemäss und wettbewerbsfähig bleibt.

Der Bereich Innovation zählt 120 Mitarbeitende. Grundsätzlich hat die Post einen Innovationsfonds von 1,5 Promille des Jahresumsatzes des Konzerns. Zudem fliessen aus verschiedenen Bereichen und Projekten Mittel in Innovationsvorhaben und Technologien.

Die wohl bekanntesten Innovationen sind derzeit Drohnen und selbstfahrende Postautos. Als neue und spannende Technologien sorgen sie für Aufmerksamkeit und sind sehr publikumswirksam. Das zeigen auch die Zahlen: Im vergangenen Jahr war in 350 von rund 19 000 Presseberichten zur Post von Drohnen die Rede. In insgesamt etwa 250 Beiträgen ging es um Innovationen wie Blockchain-Technologien, Thermomonitoring, die Entwicklung des Internet-of-Things und des Low Power Networks, die Automatisierung von Prozessen, den Smart Button oder die App My Local Services.