«Die Post erbringt nach wie vor exzellente Leistungen»

Schwierige Situation bei PostFinance und Rückzahlungen bei PostAuto - trotzdem weist die Post für das Jahr 2018 einen Gewinn von mehr als 400 Millionen Franken aus.

19.03.2019
Interview: Fredy Gasser, François Furer; Fotos: Simon B. Opladen
Alex Glanzmann

Alex Glanzmann, Finanzchef der Post

Mit 405 Millionen Franken liegt der Konzerngewinn 2018 rund 122 Millionen tiefer als im Vorjahr. Können Sie als Finanzchef mit diesem Ergebnis zufrieden sein?

Das Ergebnis entspricht grundsätzlich unseren Erwartungen, weil die relevanten Einflussfaktoren so für uns bekannt waren. Absolut gesehen ist das Ergebnis als gut zu betrachten – auch wenn es das tiefste der letzten Jahre ist.

Tief vor allem wegen der Situation bei PostFinance?

Ja. Die Tiefzinssituation bei PostFinance, zusammen mit dem eingeschränkten Geschäftsmodell, ist sicher der prägendste Punkt für das Post-Gesamtergebnis. Deshalb begrüssen wir den Richtungsentscheid des Bundesrates, das Kredit- und Hypothekarverbot aufzuheben. Weiter wurde das Ergebnis durch die Situation rund um die Rückzahlungen bei PostAuto negativ beeinflusst. Demgegenüber haben namentlich PostMail wie auch PostNetz trotz rückläufiger Mengen ihr Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr sogar verbessern können.

Ist es nicht erstaunlich, dass die Post trotz Negativzinsumfeld, trotz Mengenrückgang und trotz der Rückzahlungen bei PostAuto überhaupt einen Gewinn erzielt hat?

Nein, denn die Post erbringt nach wie vor eine exzellente operative Leistung und unsere Produkte und Dienstleistungen werden auch entsprechend nachgefragt. Ausser bei PostFinance und bei PostAuto aus den genannten Gründen sind in allen anderen Bereichen die Ergebnisse besser ausgefallen als im letzten Jahr – und das ist sehr erfreulich.

Also ist die Post auf dem richtigen Weg?

Grundsätzlich ja, auch wenn sich das Umfeld und die Rahmenbedingungen zunehmend anspruchsvoller gestalten. Das Ergebnis zeigt, dass wir dank der guten Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in dieser Zeit erfolgreich sind. Dafür möchte ich allen herzlich danken. Nur dank ihrem Engagement schaffen wir es, in der Schweiz jeden Tag Millionen von Kundinnen und Kunden mit Briefen, Paketen, Schalter- und Finanzdienstleistungen sowie im Personenverkehr pünktlich und zuverlässig bedienen zu können.

Die laufenden Massnahmen bei der Netzentwicklung …

… tragen ebenfalls zum guten Ergebnis bei. Und auch in Wachstumsfeldern wie etwa Swiss Post Solutions konnten gute Zahlen erwirtschaftet und weitere Fortschritte erzielt werden.

Viele Menschen im Land fragen sich: Weshalb ist es so wichtig, dass die Post so hohe Gewinne erzielt?

Die Post will einerseits die hochstehende Grundversorgung aus eigener Kraft finanzieren. Der Eigner wiederum - also der Bund – erwartet von uns in allen Geschäftsfeldern eine branchenübliche Rendite. Und vergessen wir nicht: Die Post erwirtschaftet rund 85 Prozent ihres Umsatzes im freien Wettbewerb. Die Post benötigt also die Gewinne, um ihre unternehmerische Handlungsfreiheit zu bewahren und um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wem kommen diese Gewinne zugute?

Die Post erhält vom Bund ausserhalb des regionalen Personenverkehrs keine Subventionen. Jedes Jahr zahlt sie dem Bund eine Dividende zurück. Die Post braucht aber auch Gewinne, um investieren zu können. Nur so können wir uns den Bedürfnissen der Kunden anpassen und uns weiterentwickeln. Und zufriedene Kunden sind die Daseinsberechtigung eines jedes Unternehmens.

«Dank der guten Arbeit unserer Mitarbeitenden sind wir auch in dieser Zeit erfolgreich.»

Betriebsergebnis