Können Sie die Gründe für den Netzumbau nachvollziehen?

Der Netzumbau bedeutet auch Veränderungen im Berufsalltag der Postmitarbeitenden. Mitarbeitende sagen, ob sie die Gründe für den Netzumbau nachvollziehen können und wie sie mit den Veränderungen umgehen.

30.10.2018
Text: Sandra Gonseth
  • Pena Markaj

    Prena Markaj (21), Kundenberaterin Schalter/Backoffice, Filiale Dietikon

  • Maurizio Carluccio

    Maurizio Carluccio (48), Filialleiter Möhlin

  • Daniela Dürr

    Daniela Dürr (55), Kundenberaterin Schalter/Agenturtrainerin, Filiale Buchs SG

  • Andrea Minder

    Andrea Minder (28), Ansprechperson Filiale Mühleberg

  • Elma Ibishi

    Elma Ibishi (25), Filialleiterin Tramelan

  • Christoph Bissegger

    Christoph Bissegger (38), Leiter Filiale Glattbrugg

  • Monika De Groot-Krebser

    Monika De Groot-Krebser (53), Kundenberaterin Schalter, Filiale Frick

Prena Markaj (21), Kundenberaterin Schalter/Backoffice, Filiale Dietikon

«Ich kann den Entscheid der Post nachvollziehen, sich der Zeit und somit der Digitalisierung anzupassen. Denn ich sehe die rückläufigen Kundenzahlen tagtäglich am Schalter. Ich habe keine Mühe mit den neuen Aufgaben, denn ich gehöre einer Generation an, die mit den digitalen Gadgets aufgewachsen ist. Jetzt gilt es vor allem, die ältere Generation geduldig an die neuen Möglichkeiten bei der Post heranzuführen.»

Maurizio Carluccio (48), Filialleiter Möhlin

«Da es in unserer Region zu vielen Umwandlungen von Filialen in Hausservice und Filialen mit Partnern kam, ist der Netzumbau ein grosses Thema. Wir müssen bei der Kundschaft sehr viel Überzeugungsarbeit leisten. Das ist manchmal zermürbend. Deshalb ist es wichtig, dass wir den Kunden die Alternativen vor Augen führen und ihnen näher bringen. Natürlich lösen Veränderungen auch immer Unsicherheiten aus, das ist normal. Wenn es immer enger wird, fragt man sich schon manchmal, wo ist denn jetzt mein Platz. Zuversicht und Vertrauen sind dann wichtige Werte.»

Daniela Dürr (55), Kundenberaterin Schalter/Agenturtrainerin, Filiale Buchs SG

Da ich das Personal von Filialen mit Partnern schule und den Kunden bei «Umwandlungen die Neuerungen näherbringe, bin ich stark in die Thematik involviert. Es gibt schon viele harsche Reaktionen, doch ich versuche, diesen immer mit guten Argumenten wie den langen Öffnungszeiten entgegenzuwirken. Dann stimmen mir viele Postkunden zu, dass das Angebot so ausreichend ist. Ich kann den Netzumbau nachvollziehen, denn die meisten Leute gehen immer weniger auf die Post. Über meine eigene Situation mache ich mir nicht allzu viele Gedanken, ich denke meistens positiv.»

Andrea Minder (28), Ansprechperson Filiale Mühleberg

«Unsere Filiale wird im Januar 2019 geschlossen und durch eine Filiale mit Partner ersetzt. Die Post hat mir ein Angebot für eine gleichwertige Weiterbeschäftigung in unserem Filialgebiet gemacht, die ich gerne annehme. Der Veränderung schaue ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Einerseits kann ich die Gründe für den Umbau nachvollziehen. Ich sehe täglich mit eigenen Augen, wie die Kundenfrequenz rückläufig ist. Anderseits ist es natürlich schade, dass unser gut eingespieltes Dreierteam aufgelöst wird. Doch ich schaue optimistisch in die Zukunft: Es ist ein guter Grund, sich wieder einmal zu verändern.»

Elma Ibishi (25), Filialleiterin Tramelan

«Ich verstehe die Gründe für den Netzumbau. Auch wir verzeichnen einen starken Rückgang bei den Zahlungen. Wenn eine Filiale nicht mehr wirtschaftlich ist, muss eine Lösung gefunden werden. Es ist klar, dass man als Mitarbeitende immer mit dem Risiko leben muss, dass eine Filiale schliesst. Doch im Vergleich zur Privatwirtschaft sind wir bei der Post doch in einer komfortablen Lage. Die Post versucht immer, eine Lösung für eine Weiterbeschäftigung zu finden. Ich mache mir deshalb für die Zukunft keine grossen Sorgen. Das hat sicher auch mit meinem Alter zu tun. Ich gehöre einer Generation an, die mit der Digitalisierung aufgewachsen ist. Deshalb freue ich mich, vermehrt mit digitalen Produkten zu arbeiten.»

Christoph Bissegger (38), Leiter Filiale Glattbrugg

«Ich kann den Umbau definitiv nachvollziehen. Die Mengen, namentlich bei den Einzahlungen, sind auch bei uns stark rückläufig. Der Wandel ist nicht aufzuhalten, die Post muss in anderen Geschäftsfeldern tätig werden. Auch bei uns herrschte vor dem Filialentscheid eine grosse Unsicherheit im Team. Ich habe deshalb versucht, eine gewisse Sicherheit zu vermitteln, da ich überzeugt war, dass es uns nicht betreffen wird. Nach dem positiven Entscheid für den Verbleib der Filiale ist es im Team wieder ruhiger geworden.»

Monika De Groot-Krebser (53), Kundenberaterin Schalter, Filiale Frick

«Natürlich löst der Umbau bei mir eine gewisse Zukunftsangst aus. Auch in unserer Region wurden Postfilialen in Filialen mit Partner umgewandelt. Man lebt halt in einer permanenten Unsicherheit. Doch man muss flexibel bleiben und mit Veränderungen leben lernen. Ich gehöre halt noch zu einer Generation, die nicht digital aufgewachsen ist. Deshalb ist die Digitalisierung für mich sicher eine grössere Herausforderung als für jüngere Mitarbeitende.»