Die letzte Meile unter der Lupe

Es ist kein Geheimnis: Die Briefmengen sinken. Was ist zu tun? Eine mögliche Antwort ist die Entwicklung neuer Dienstleistungen auf der letzten Meile. Wir wollen wissen, wie PostMail das angeht und was die Zustellerinnen und Zusteller dazu sagen.

17.10.2017
Text: Lea Freiburghaus; Illustrator: Christina Messerli, Fanny Güdel

Das Medienecho war gross, als Volg und die Post vor zwei Jahren ihren Pilotversuch für einen Heimlieferservice vorstellten. Inzwischen ist aus dem Projekt eine Dienstleistung geworden, die Volg ihren Kunden in rund 1200 Ortschaften in der Deutschschweiz anbietet. Das Prinzip ist einfach: Die Briefzusteller der Post holen die Bestellungen in den Volg-Filialen ab und bringen die Waren zu den Kunden – während ihrer normalen Zustelltour.

Das Kerngeschäft stützen

Aber warum schlüpft die Post immer öfter in die Rolle der Logistikpartnerin? «Seit mehr als zehn Jahren nehmen die Briefmengen kontinuierlich ab», so Ulrich Hurni. Der Mengenrückgang an adressierten Sendungen betrug 2016 3,8 Prozent. «Ziel ist es also, regelmässig zusätzliche Erträge zu generieren.» Diese sollen das postalische Kerngeschäft ergänzen und stützen. Ausserdem garantieren die neuen Services den Zustellern eine bessere Auslastung, was mithilft, langfristig Vollzeitstellen erhalten zu können.

Die Zusteller von PostMail seien geradezu prädestiniert, solche Dienstleistungen zu übernehmen, meint Ulrich Hurni. Sie kommen sechs Mal die Woche bei über vier Millionen Haushalten in der ganzen Schweiz vorbei. So können sie auf der Zustelltour mit wenig Aufwand neue Aufgaben für Dritte ausführen. Das ist nicht nur unter wirtschaftlichen, sondern auch unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll.
Höchste Priorität hat aber stets die hohe Qualität im Kerngeschäft. Der heutige Grundversorgungsauftrag – das pünktliche Zustellen von Briefen, Zeitungen und Kleinwaren- sowie Werbesendungen – muss auch künftig sichergestellt sein.

Holen, bringen, Informationen erheben

Der Volg-Heimlieferservice ist vielleicht die bekannteste – weil am weitesten verbreitete – Dienstleistung im Bereich «Holen und Bringen». Sie ist aber nicht die einzige: Ähnlich funktioniert beispielsweise die Zustellung regionaler Produkte. Oder umgekehrt: Der Pöstler holt Waren wie Altkleider, Recyclingmaterial oder Artikel fürs Brockenhaus ab.

Weiter erheben die Zusteller für Dritte auch Informationen. Dazu gehört das Ablesen von Stromzählern. Weitere Pilotversuche in diesem Bereich finden zurzeit statt.

Um all diese Projekte zügig voranzutreiben, hat PostMail das ergänzende Geschäftsfeld «Letzte Meile» zu einem strategischen Schwerpunkt erklärt. Ein Team von Projektleitern sorgt dafür, dass in den nächsten drei Jahren neue Dienstleistungen gefunden, getestet und lanciert werden.

Neue Dienstleistungen, verändertes Berufsbild

Was halten die Briefzusteller von den neuen Services? Und wie verändert sich dadurch ihr Berufsbild? «Es ist ein gutes Zusatzgeschäft für die Post», meint Zustellerin Miriam Casura aus Zürich. Und Heinz Germann, Berufsbildner und Teamleader in Schaffhausen fügt an: «Es ist eine interessante Tätigkeit, die Spass macht. Ausserdem kann ich meine Leute besser auslasten.» Für Ulrich Hurni ist klar: «Das Berufsbild wird sich nicht grundlegend verändern.» Die ergänzenden Dienstleistungen müssten zur heutigen Arbeit der Zusteller passen.