Oh du Fröhliche!

Die Temperaturen sinken, die Hektik steigt: Weihnachten steht vor der Tür. Auch bei der Post steigt der Stresspegel.

19.12.2017
Text: Sandra Gonseth; Fotos: Rolf Neeser; Illustrator: Bruno Wanner
Illustration Weihnachtsstress

Wenn der erste Schnee in der Luft liegt, wird es bei der Post hektisch. Allein im Paketzentrum Härkingen wälzen sich an Spitzentagen bis zu 450 000 Pakete über die Förderbänder. Eine Zuwachsrate von 50 Prozent. Bereits seit Anfang November zieht das Volumen an. Stress pur für die Pöstler?

Ferienstopp für alle

«Nein, wir gehen auf Nummer sicher», erklärt Mario Killias. Er leitet das grösste Paketzentrum der Post. «Bereits ab Oktober beginnen wir mit der Rekrutierung von zusätzlichem Personal.» Somit greifen in dieser hektischen Zeit den 400 ständigen Mitarbeitenden 100 Aushilfskräfte unter die Arme. Mit ein Grund, weshalb in der Weihnachtszeit im Paketzentrum keine Hektik ausbricht. Doch eines gilt für alle: Ferien darf in dieser Zeit niemand machen. Sonst wäre die Paketflut nicht zu bewältigen. Die Maschinen laufen auf Hochtouren: Vier Wochen vor dem Fest ist die Sortieranlage 22 Stunden in Betrieb. Nonstop. Pausiert wird nur, wenn sich das Getriebe abkühlen muss.

Viele Stressfaktoren

Auch privat läuft viel in dieser Zeit: Geschenke besorgen, Dekorieren, das Familienfest organisieren. Eine riesige Kumulation von Stressfaktoren. Davon kann Paartherapeut und Uniprofessor Guy Bodenmann ein Lied singen: «Anstelle von Besinnlichkeit während der Adventszeit sieht man sich oft von mehreren Seiten mit Anforderungen konfrontiert.» Dies könne zu Konflikten und Eskalationen führen. Wie man dem Stress am besten die Stirn bietet und weshalb ein gewisser Druck nicht immer negativ sein muss, erklärt der Fachmann im Interview.

Schwedische Gelassenheit

Oder man macht es wie die Schweden. Sie haben in ihrem Wortschatz einen Begriff, der genau den erstrebenswerten Zustand der Gelassenheit ausdrückt: Lagom. Darüber hat die schwedische Autorin Anna Brones sogar ein Buch geschrieben. Darin rät sie, Prioritäten zu setzen. «Es muss Raum geschaffen werden für Dinge, die uns wirklich wichtig sind.» Genauso, wie das Felix Gäbler macht. Der Pöstler hat sein persönliches Rezept gefunden, um dem Weihnachtsstress ein Schnippchen zu schlagen: erstellt gemeinsam mit seiner Frau eine To-do-Liste. Felix Gäbler ist einer von drei Mitarbeitenden, die verraten, wie sie mit den vielen Anforderungen am Jahresende umgehen. Eines ist aber sicher: Nach den Feiertagen flaut die ganze Hektik wieder ab.