Grosse Investitionen und neue Produkte in der Pipeline

Post Immobilien investiert in den nächsten Jahren 1,8 Milliarden Franken in die Entwicklung von Renditeliegenschaften.

17.01.2017
Text: Lea Freiburghaus
Die Frauenfelder Hauptpost ist nur ein Beispiel, wie Post Immobilien in den nächsten Jahren durch Investitionen einen wichtigen Wertbeitrag für den Konzern Post erzeugen will.

Die Frauenfelder Hauptpost ist nur ein Beispiel, wie Post Immobilien in den nächsten Jahren durch Investitionen einen wichtigen Wertbeitrag für den Konzern Post erzeugen will.

Prunkvoll, pathetisch und palastähnlich. So werden die Bauten des Gottfried-Semper-Schülers Theodor Gohl beschrieben. Er war Ende des 19. Jahrhunderts in der Direktion der Eidg. Bauten in Bern tätig und aus seiner Feder stammen diverse Postbauten, unter anderem auch die 1898 eröffnete Frauenfelder Hauptpost. Bereits 40 Jahre später verschreit die Schweizer Bauzeitung den Gohlschen «Bundesstil» als Irrsinn. Funktionale und akzentlose Bauten sind jetzt angesagt. Allen Architekturepochen zum Trotz verweilte die Frauenfelder Post im stolzen Kuppelbau, bis im Spätherbst 2015 die Bagger aufgefahren sind, um das altehrwürdige Gebäude umfassend zu sanieren.

Wachstum durch Investition

Die Geschichte der Frauenfelder Hauptpost erzählt beispielhaft, was mit einem Postbau über die Jahrzehnte alles geschehen kann. Dass die Immobilie aus dem vorletzten Jahrhundert heute von Post Immobilien entwickelt und saniert wird, ist der neuen, vollständig überarbeiteten Immobilienstrategie aus dem Jahr 2014 zu verdanken. «Seither werden keine ikonenhaften Gebäude mehr verkauft», erklärt Stefan Dürig, Geschäftsleiter Post Immobilien, «im Gegenteil: wir prüfen immer, ob wir die Immobilie zu einem Renditeobjekt entwickeln können.» Bei der Hauptpost Frauenfeld war das der Fall. Thomas Hasse Biniasch, Leiter Portfoliomanagement, und sein 15-köpfiges Team von Immobilienfachleuten sind generell für die drei Immobilienportfolios der Post Immobilien AG, der Post CH AG und der PostFinance AG zuständig und zeichnen für die Projektentwicklungen verantwortlich. Postalisch nicht mehr benötigte Kleinstimmobilien werden in der Regel weiterhin verkauft. Liegenschaften an guter Lage mit wirtschaftlichem Potenzial hingegen werden umgebaut und als Renditeobjekte an Dritte vermietet. Erfolgreich abgeschlossene Projekte der jüngsten Vergangenheit sind die Winterthurer Hauptpost und der Berner PostParc. In den nächsten zwölf Jahren sollen rund 50 weitere kleinere und grössere Liegenschaften aus den Portfolios der Post Immobilien AG und der PostFinance AG entwickelt werden. Dafür werden 1,8 Milliarden Franken investiert. Post Immobilien rechnet, damit Mieteinnahmen von Dritten in der Höhe von schätzungsweise 102,5 Millionen Franken zu generieren. Gleichzeitig werden für Post Immobilien als Betreiberin dieser Gebäude langfristig neue Aufträge im Facility Management geschaffen.

Wachstum durch Innovation

Auch nach abgeschlossener Totalsanierung der Hauptpost Frauenfeld wird das Gebäude kein «Haus der Zukunft» sein. Dafür braucht es mehr. Was genau, darüber brütet bei Post Immobilien ein kleines Team von fünf Personen unter der Leitung von Kaspar Adank. Sie entwickeln innovative Ideen für neue digitale Immobilienprodukte und -dienstleistungen. Diese will Post Immobilien selbst verwenden, um Kosten zu sparen, und gleichzeitig sollen sie an andere Firmen verkauft werden. «Es herrscht Goldgräberstimmung in der Branche», sagt Stefan, «und wir machen ganz vorne mit.» Und Kaspar ergänzt: «Unser Innovationsteam hat eine super Ausganslage: Als eine der grössten Eigentümerinnen und Betreiberinnen von Gebäuden schweizweit stehen uns eine Vielzahl interner Kunden zur Verfügung, die unsere neuen digitalen Produkte als Erste testen. Sind sie zufrieden, können wir die Produkte auch auf dem Drittmarkt vertreiben.» Im vergangen Jahr wurden zehn Pilotversuche lanciert.

Alle mit auf die Reise nehmen

Mit dem Einzug der Digitalisierung in der Immobilienbranche erwacht auch bei Post Immobilien die Angst, Arbeitsplätze an Maschinen zu verlieren. Oder es gibt Teams wie beispielsweise das Portfoliomanagement, die nebst ihren Kernaufgaben neue Arbeiten zu erledigen haben. Nun stellt sich die Frage, wer welche Aufgabe übernimmt. Und um für die eingangs erwähnten Herausforderungen gut aufgestellt zu sein, hat sich der Servicebereich per 1. Januar 2017 neu organisiert – nach Bereichen statt Regionen, um in Zukunft Dienstleistungen schweizweit einheitlich anbieten zu können. Das ist viel Neues auf einmal! «Wir befinden uns mitten in einem grossen Veränderungsprozess», meint Thomas. «Es braucht viel Offenheit und Neugierde von unseren Mitarbeitenden. Wer sich verschliesst, verpasst den Anschluss.» Und das kann laut Stefan nicht das Ziel sein: «Wir wollen alle Mitarbeitenden von Post Immobilien auf die Reise mitnehmen. Viele sind froh, dass wir uns aufgemacht haben – so bleiben wir auch in Zukunft am Ball und werden nicht abgehängt!»

www.post.ch/immobilien

Post Immobilien in Zahlen

1700 Mitarbeitende

2261 Liegenschaften (eigene und angemietete)

3 Milliarden Franken Buchwert

2,6 Quadratkilometer bewirtschaftete Fläche

479 Millionen Franken Raumnutzungskosten

10 Prozent Drittumsatz-Anteil