Ein Volk von Pendlern

Von der Erde zur Sonne und wieder zurück: Diese Distanz legen die Postmitarbeitenden jährlich für ihren Arbeitsweg zurück. Sie liegen damit im Schweizer Durchschnitt. Und berichten von ihrem Leben als Pendlerinnen und Pendler.

22.08.2017
Text: Claudia Iraoui; Illustrator: Dennler, Christina Messerli

Von unendlichen Blechlawinen verstopfte Strassen, Züge und Busse, in denen Sitzplätze rar sind: Das Pendlerleben ist kein Schleck! Trotzdem sind immer mehr Schweizerinnen und Schweizer bereit, sich frühmorgens auf den Weg zu machen und erst spät nach Hause zu kommen. Eine Studie zur Mobilität der Pendler im Jahr 2015, die das Bundesamt für Statistik letzten Januar veröffentlicht hat, zeichnet ein detailliertes Bild der vier Millionen Personen, die bereit sind, jeden Tag mehrere Kilometer zurückzulegen auf ihrem Weg zur Arbeit, zur Schule oder Universität. Die Studie lässt keine Zweifel offen: Wir sind ein Volk von Pendlern.

Pendeln fürs Eigenheim oder den Traumjob

70 Prozent der Berufstätigen arbeiten nicht in ihrer Wohngemeinde. Den Traum vom Eigenheim mit jenem des Traumjobs zu verbinden, ist unter Pendlern der meistgenannte Grund, weshalb sie immer mehr Distanz auf sich nehmen, statt umzuziehen.

Rund ein Drittel der Pendlerinnen und Pendler nutzt den öffentlichen Verkehr für den Arbeitsweg; für zwei Millionen Personen, das heisst für 52 Prozent der Pendelnden, ist das Auto das Hauptverkehrsmittel. 30 Prozent (über 1,1 Millionen) fahren mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit, 16 Prozent nehmen das Velo oder gehen zu Fuss. Im Schnitt legen die Pendler pro Weg 14,5 Kilometer zurück und brauchen dafür 30 Minuten.

Beliebtes Postauto

Und die Mitarbeitenden der Post? «Der Modalsplit für den Arbeitsweg der Postmitarbeitenden entspricht dem Schweizer Durchschnitt», erklärt Dominik Saner, Spezialist für Corporate Environmental Responsibility der Post. «Die Mitarbeitenden des Konzerns Post (Inland und Ausland, inkl. aller Konzerngesellschaften) haben letztes Jahr etwas mehr als 300 Mio. Kilometer für ihren Arbeitsweg zurückgelegt. Dies entspricht in etwa der Distanz zur Sonne und zurück!» Im Schnitt sind es rund 33 Kilometer pro Tag, wovon 4 Prozent auf den Langsamverkehr (Velo- oder Fussverkehr) entfallen, 62 Prozent auf den motorisierten Individualverkehr (Scooter, Motorrad, Auto) und 34 Prozent auf den öffentlichen Verkehr (Tram, Postauto, andere Busse oder Zug). Sechs Pöstler erzählen auf den Folgeseiten, wie sie zur Arbeit fahren (siehe Seiten 14 bis 17).

Was die Transportmittel angeht (in vielen Fällen werden mehrere Transportmittel kombiniert), ergeben die Daten der Personalumfrage 2016, dass 61 Prozent der Mitarbeitenden mit dem Auto zur Arbeit fahren, 35 Prozent mit dem Töff oder Scooter, 35 Prozent mit Bus oder Tram und 36 Prozent mit dem Velo oder zu Fuss gehen. Kleine Randnotiz: 14,5 Prozent der Mitarbeitenden nutzen das Postauto für den Arbeitsweg.

«Es gibt Postmitarbeitende, die aufgrund ihrer Arbeitszeiten, oder auch weil ihr Arbeitsort damit nicht gut erschlossen ist, den öffentlichen Verkehr nicht nutzen können und daher auf individuelle motorisierte Transportmittel zurückgreifen müssen», erklärt Dominik Saner.

Umweltwirkung der Mobilität

Gemäss den Vorhersagen des UVEK wird der Schienenverkehr bis 2030 um 50 und der Strassenverkehr um 20 Prozent zunehmen. Und dies bei einem Bevölkerungswachstum von 10 Prozent. Auch die Anzahl pro Kopf zurückgelegter Kilometer und damit die Umweltbelastung werden weiter steigen. Um das Klima so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, setzt die Post auf nachhaltige Mobilität und fördert die Nutzung von Zug, Bus, Velo oder Carsharing. «Zu den Vergünstigungen, die den öffentlichen Verkehr attraktiver machen sollen, zählt der Versand eines Gratis-Halbtax-Abos an rund 35 000 Mitarbeitende. 2016 haben 2670 Mitarbeitende einen Rail Check für den privaten und mit 20 Prozent vergünstigten Kauf eines GA bezogen», erläutert Peter Walther, Leiter Compensation.

Home sweet Home

Es gibt jedoch nur ein Mittel, um die Verkehrswege zu entlasten: Arbeitsmodelle, die es unnötig machen, jeden Tag ins Büro zu fahren. «Die Arbeitsprozesse haben sich geändert. Haupttreiber ist die technologische Entwicklung und der vermehrte Einsatz von Smartphones, Tablets oder Laptops, die uns flexibler machen», erklärt Nicole Passavant, Leiterin Arbeitswelt der Personalabteilung. Die Personalumfrage 2016 hat auch gezeigt, dass rund 54 Prozent der Mitarbeitenden der Post CH AG theoretisch die Möglichkeit hätten, Telearbeit zu beantragen. 60 Prozent von ihnen tun dies bereits, im Schnitt einmal wöchentlich. Es gibt hier aber noch Luft nach oben.

Nachhaltige Mobilität für Postmitarbeitende

Carsharing für Postmitarbeitende

Konkretes Beispiel einer Massnahme