Die erneuerbaren Energien im Aufwind

Heute deckt die Post ihren gesamten Strombedarf mit erneuerbaren Energien aus der Schweiz. Wir haben fünf Produktionsstandorte besucht.

21.06.2016
Text: Annick Chevillot; Fotos: Fred Merz
  • Stürmischer Wind und bedrohliche Wolken sorgen am Mont-Crosin für eine unheimliche Krimiatmosphäre.

    Stürmischer Wind und bedrohliche Wolken sorgen am Mont-Crosin für eine unheimliche Krimiatmosphäre.

  • Pierre Berger ist für die geführten Besichtigungen der Anlage verantwortlich und ausserdem Landwirt.

    Pierre Berger ist für die geführten Besichtigungen der Anlage verantwortlich und ausserdem Landwirt.

  • Der Name der Post ist am Fuss der Windturbine Nummer eins in den Stein eingraviert. Friedlich und auf ein Stückchen Zucker hoffend warten die Pferde auf die Besucher.

    Der Name der Post ist am Fuss der Windturbine Nummer eins in den Stein eingraviert. Friedlich und auf ein Stückchen Zucker hoffend warten die Pferde auf die Besucher.

  • Windkraftanlage und Pferde in perfekter Harmonie

    Windkraftanlage und Pferde in perfekter Harmonie.

  • Blick vom Innern der Windturbine Nummer eins

    Blick vom Innern der Windturbine Nummer eins.

  • Die Landschaft zeigt sich an diesem Schlechtwettertag in rauer Schönheit.

    Die Landschaft zeigt sich an diesem Schlechtwettertag in rauer Schönheit.

  • Bäume und Rotorblätter spielen Verstecken.

    Bäume und Rotorblätter spielen Verstecken.

  • Kinderzeichnungen quasi als Versprechen auf eine Zukunft mit erneuerbaren Energien.

    Kinderzeichnungen quasi als Versprechen auf eine Zukunft mit erneuerbaren Energien.

  • Pierre Berger und «seine» Windkraftanlagen

    Pierre Berger und «seine» Windkraftanlagen.

  • Mittagszeit am Mont-Crosin an einem Regentag

    Mittagszeit am Mont-Crosin an einem Regentag.

Der Himmel ist bedeckt. Hellgraue bis tiefschwarze Wolken ziehen vorüber. Bedrohlich. Der Wind streicht uns mal zärtlich, mal pfeifend um die Nase. Die elegant aufragenden Windturbinen reagieren und drehen ihre Gondeln in den stürmischen Wind. Vor dieser dramatischen Kulisse bewegen sich die Rotorblätter im Rhythmus der Böen. Das Rascheln der Bäume und das Zwitschern der Vögel überdeckt das Geräusch der Rotorblätter nahezu vollständig. Am Mont-Crosin könnte man Krimis drehen! Im Hintergrund ragt der Chasseral empor, als würde er hochmütig auf die Besucher des grössten Windparks der Schweiz herabschauen.

Weidende Pferde auf einem Feld wachen über die Windturbine Nummer eins des mittlerweile 16 Windkraftanlagen umfassenden Parks. Ein Stein am Fusse des 140 Meter hohen Giganten mit der dreisprachigen Inschrift «La Poste, Die Post, La Posta». Ein konkretes Zeichen für das Engagement des Unternehmens im Bereich der erneuerbaren Energien. Die erste Turbine wurde am 31. Oktober 1996 aufgestellt. Und die Schweizerische Post war von Anfang an dabei. «War die Windenergieproduktion zunächst nur eine Randerscheinung, so hat sie heute einen grossen Stellenwert», erklärt Gilles Seuret, Mediensprecher der BKW. Der Windpark produziert jährlich mehr als 50 GWh Strom. Der Verbrauch der Post belief sich im Jahr 2015 auf fast 160 GWh.

Vorbild sein

«Die Post deckt ihren Strombedarf heutzutage zu 100 Prozent aus erneuerbaren, «naturemade basic»-zertifizierten Quellen. Dazu setzt sie auf Schweizer Qualität», freut sich Anne Wolf, Leiterin Corporate Responsibility. Dies ist heute möglich dank des technischen Fortschritts und des Ausbaus der Standorte, an denen aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse Strom erzeugt wird.

Aber die Post verbraucht nicht nur zertifizierte erneuerbare Energie (siehe Kasten unten). Sie geht auch mit gutem Beispiel voran und erzeugt selber Strom. Mit eigenen Fotovoltaikanlagen auf ihren Gebäuden produzierte die Post im Jahr 2015 8710 MWh Strom. Nicht nur beim Strom, sondern auch bei Wärme und Treibstoff setzt die Post vermehrt auf erneuerbare Energien. So verzichtet sie beim Ersatz von Heizungen grösstenteils auf fossile Energieträger und baut stattdessen Wärmepumpen, Fernwärmeanschlüsse und Holzheizungen oder setzt Biogas ein. «Der Hauptenergiebedarf der Post entsteht jedoch durch die Mobilität. Auch da kommen vermehrt erneuerbare Energieträger zum Einsatz: So sind unsere Fahrzeuge vermehrt mit Ökostrom, Biogas, Biodiesel und Wasserstoff unterwegs», erklärt Brigitt Hausammann, Spezialistin Nachhaltigkeit bei der Post. Aktuell wird ein Drittel der Postfahrzeuge mit alternativer Energie angetrieben. Und dieser Anteil soll in den nächsten Jahren noch steigen.

Auch der Pöstler selbst kann seinen Beitrag leisten, wenn er folgenden Grundsatz beherzigt: «Die sauberste Energie ist jene, die gar nicht erst verbraucht wird», meint Brigitt Hausammann. Die beste Wirkung erzielt man also durch einen bewussten und sparsamen persönlichen Umgang mit Energie.

Der Wind

Der Windparkaufseher Pierre Berger, der auch für die geführten Besichtigungen des Windkraftwerks Juvent am Mont-Crosin verantwortlich ist, kennt all die kleinen Geheimnisse «seiner» 16 Turbinen. «Den Park besuchen jedes Jahr rund 50 000 Menschen», berichtet er. Interessenten erklärt er gerne die Funktionsweise einer Windkraftanlage: Der Wind setzt die Rotorblätter in Bewegung. Die Nase der Gondel wird in den Wind gedreht, und die Rotorblätter haben einen Anstellwinkel von 45°. Die Rotorgeschwindigkeit beträgt zwischen 9 und 18 Umdrehungen pro Minute. Im Innern der Gondel befindet sich ein Getriebe, das die Rotorgeschwindigkeit um das 113-fache erhöht. Ein Generator verwandelt die mechanische Energie des Rotors in elektrische Energie. In dem am Standort Mont-Crosin installierten Umspannwerk erfolgt die Transformation von der Spannungsebene der Windkraftanlage mit 16 kV auf 50 kV. Danach kann die elektrische Energie ins Stromnetz eingespeist werden. Eine Windkraftanlage produziert mehr als 4 Millionen kWh jährlich und kann damit beinahe 1000 Haushalte versorgen. www.juvent.ch

naturemade-Zertifizierung

naturemade ist das Schweizer Gütesiegel für Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen. Das Gütesiegel gibt es in zwei Qualitätsstufen: naturemade star und naturemade basic. Anlagen, die erneuerbare Energie (Strom, Wärme/Kälte oder Biomethan) zu 100 Prozent ökologisch produzieren, erhalten das «naturemade star»-Siegel, während Anlagen, die zu 100 Prozent erneuerbare Energie produzieren, das «naturemade basic»-Zertifikat erhalten. Für die Lieferung der Energie aus diesen Anlagen an die Verbraucher existiert eine separate Zertifizierung, mit der sich die Herkunft jeder einzelnen verkauften kWh Strom nachvollziehen und Doppelverkäufe verhindern lässt. Zudem trägt der Verkauf zertifizierter Produkte dazu bei, den Bau neuer Anlagen zu fördern. Die Post liegt bei 100 Prozent naturemade basic, davon sind 10 Prozent naturemade star.

Mehr Infos unter: www.naturemade.ch

Erkunden Sie auf der interaktiven Karte die Produktionsstandorte der erneuerbaren Energien, mit denen die Post versorgt wird. Mehr zum Thema auch im Blog der BKW.