Aus alt mach neu

Reparieren und wiederverwenden: Als Gegentrend zur Wegwerfgesellschaft setzen sich Konsumenten und Start-ups mit nachhaltigen Ideen heute immer öfter dafür ein, dass der Lebenszyklus von Geräten, Fahrzeugen, Kleidung und anderem verlängert wird. Die Post trägt im Alltag ebenso dazu bei wie Postmitarbeitende in der Freizeit.

14.11.2017
Text: Simone Hubacher; Fotos: Monika Flückiger
  • Joseph und Irma Kuchen staunen, wie schnell und präzise Christoph Maurer ihre Pendeluhr öffnet.

  • Christoph Maurer repariert die Pendeluhr, Besitzer Joseph Kuchen freuts.

  • Das Werkzeug bringt jeder Reparateur selbst mit.

  • Eindrücklich: Das ist das Innenleben einer Kenwood-Küchenmaschine.

  • Ein kleiner Gast schaut interessiert, wie der Reparateur die Fritteuse öffnet.

«Reparaturfall Nummer 5», ruft der Reparateur, der das Bistro des Repair Cafés in Köniz betritt. Ein älterer Herr nimmt den letzten Schluck seines Kaffees und folgt dem Reparateur in einen anderen Raum, wo an etlichen Tischen schon konzentriert geschraubt, genäht oder gelötet wird. Joseph Kuchen aus Wabern nimmt eine alte, schöne Pendeluhr aus seiner Tasche. «Sie steht still, braucht vielleicht eine neue Schnur», sagt er zum Reparateur und Postmitarbeiter Christoph Maurer. Zum Glück hat er die passende starke Ersatzschnur gleich selbst mitgebracht. Maurer kann mit der Arbeit beginnen. Die 13 individuell eingerichteten Arbeitsplätze – alle Reparateure bringen ihr eigenes Werkzeug mit – sehen vor, dass der Kunde aktiv mitarbeiten kann. Aber viele schauen lieber interessiert zu, wenn ihr Lieblingsgegenstand «am offenen Herzen operiert» wird. Kuchen wird Maurer eine knappe Stunde später dafür dankbar sein und gerne einen freiwilligen Betrag in die Reparaturkasse legen.

Küchenuhr, Lichterkette, Kassettenrecorder, Plattenspieler, Kenwood-Küchenmaschine oder Fritteuse. Heute wird im Repair Café Köniz, wie überall in der Schweiz, exakt Buch geführt. Vor allem die Anzahl Gegenstände und das Gewicht interessieren: Denn der 28. Oktober ist der zweite nationale Reparaturtag. 33 von rund 60 Repair Cafés in der Schweiz machen mit.

Aktive Post

Nur zwei Tage später vermeldet die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), dass die freiwilligen Reparateure gesamtschweizerisch fast 1500 Gegenstände reparieren konnten. «Dadurch wurde Abfall mit einem Gesamtgewicht von fast 4,5 Tonnen verhindert – ein neuer Rekord», teilte SKS am 30. Oktober mit.

Die Idee, lieb gewonnene, kaputte Dinge zu einem zweiten Leben zu verhelfen und die Aktion Repair Café zu nennen, hatte Umweltjournalistin Martine Postma aus Amsterdam vor acht Jahren. Mittlerweile gibt es über 1300 Repair Cafés in 33 Ländern, verteilt über sechs Kontinente (repaircafe.org).

Auch die Post trägt aktiv dazu bei, den Lebenszyklus der von ihr verwendeten Geräte, Fahrzeuge und Arbeitsmittel zu verlängern. Dies tut sie bereits heute, indem sie diese rechtzeitig repariert oder einem zweiten Verwendungszweck zuführt. Kleider, Laptops oder E-Rollerbatterien beispielsweise werden heute schon weiterverwendet, nachdem sie bei der Post ausgemustert wurden. Das Engagement geht mit der gesellschaftlich steigenden Bedeutung der Kreislaufwirtschaft einher. Die Post ist überzeugt, dass sie in einer Kreislaufwirtschaft eine zentrale Leistungserbringerin sein kann. Entsprechend hat sie in ihrer Corporate-Responsibility-Strategie ein strategisches Handlungsfeld entwickelt, auf das sie neue Geschäftsmodelle der Bereiche aufbaut.

www.repaircafe-koeniz.ch
www.repair-cafe.ch
www.repaircafe.org
www.post.ch/nachhaltigkeit

Kreislaufwirtschaft

Die Idee der Kreislaufwirtschaft als Ablösung unserer nicht enkeltauglichen Verbrauchsgesellschaft wird immer wichtiger. Dies gilt auch für daraus abgeleitete Geschäftsmodelle der Post, die helfen können, Produktkreisläufe zu schliessen sowie nachhaltiger und ressourcenschonend zu wirtschaften. Die Post fokussiert in ihrer Corporate-Responsibility-Strategie im Handlungsfeld Kreislaufwirtschaft ihr Engagement auf sechs Dimensionen: Dazu zählen die Wiederverwertung (engl. Recycling) von ausgewählten Werkstoffen (z. B. Nespresso-Kapseln), die Reparatur und Weiterverwendung (engl. Repair & Reuse) von Geräten und Arbeitsmitteln (z. B. Berufsbekleidung, E-Rollerbatterien) und die Förderung von Möglichkeiten des Teilens (engl. Sharing, z. B. PubliBike). Die Post interessiert sich zudem für die Themen intelligente Sammelstellen sowie Kreislaufwirtschaftslösungen für Geschäftskunden. Ausserdem will sie ihre Kompetenz weiter stärken, andere Unternehmen basierend auf ihrer Expertise zu beraten und erprobte Konzepte zu vermarkten. Mit neuen Kombinationen unserer Produkte und Kompetenzen unterstützt die Post so eine ressourcenschonende und kreislauforientierte Wirtschaft. / DB