Zusammen gehts

Eine Arbeit zu finden, wenn man körperlich oder psychisch eingeschränkt ist, kann schwierig sein. Die Post verfügt bei der Arbeitsintegration über langjährige und fundierte Erfahrung. Vier Mitarbeitende berichten.

20.12.2016
Text: Claudia Iraoui; Fotos: iStock

Gemäss Bundesamt für Statistik lebten 2013 in der Schweiz rund 1,6 Millionen Menschen, deren Arbeitsfähigkeit auf die eine oder andere Weise eingeschränkt war. Sie stellen ein «Arbeitskräftepotenzial dar, das die Schweizer Wirtschaft noch weitgehend unausgeschöpft lässt», erklärt Martin Kaiser, Präsident des Vereins Compasso, der sich für Arbeitsintegration und -reintegration einsetzt (siehe Interview). Seine Arbeit wird umso wichtiger, als aufgrund der demografischen Entwicklung in der Schweiz in einigen Jahren eine halbe Million qualifizierte Arbeitskräfte fehlen werden.

Motiviert und loyal

Die Arbeits(re)integration, das heisst die Wiedereingliederung von Personen mit einer körperlichen oder psychischen Einschränkung in den Arbeitsmarkt, könnte zur Lösung dieses Problems beitragen. Diesen Menschen soll entweder eine geeignete Stelle in einer Firma (Integration) oder eine neue Beschäftigung beim bisherigen Arbeitgeber (Reintegration) angeboten werden. Für die Ausübung gewisser Berufe sind gesundheitliche Einschränkungen ein Hindernis, für andere jedoch irrelevant (siehe Erfahrungsberichte). Oder sogar ein Vorteil. In den meisten Fällen entsteht die Behinderung im Lauf des Arbeitslebens, sodass die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt bereits über viel Wissen und Erfahrung verfügen. Im Alltag überzeugen Mitarbeitende mit einer Einschränkung oft dank ihrer überdurchschnittlichen Motivation und grossen Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Dies führt zu niedrigeren Fluktuationskosten.

Langzeitabsenzen um 1 Prozent reduzieren

Die Arbeitsintegration ist auch eines der strategischen Ziele des Bundesrats für die Post. «Die Post nimmt dieses Ziel des Bundesrats sehr ernst. Aus diesem Grund gibt es seit 2013 das Betriebliche Case Management, das Mitarbeitende nach Absenzen aufgrund von Krankheit oder Unfall bei der Rückkehr an den angestammten Arbeitsplatz, bei der Einarbeit in eine andere Tätigkeit oder bei der beruflichen Umorientierung begleitet», erklärt Helene Tschupp vom Betrieblichen Case Management Post. 80 Prozent der durch das Case Management und die HR-Beratenden betreuten Mitarbeitenden finden den Wiedereinstieg. Langzeitabsenzen kosten die Post jedes Jahr über 100 Millionen Franken und machen rund 75 Prozent aller Absenzen aus. «Aus diesem Grund wurden mit dem Projekt ‹Optimierung Arbeitsintegration› verschiedene neue Instrumente eingeführt, die zu einer rascheren und nachhaltigen Reintegration unserer Mitarbeitenden beitragen und uns auch erlauben, unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Wenn es uns gelingt, die Langzeitabsenzen um 1 Prozent zu reduzieren, sparen wir Kosten von rund einer Million Franken ein», erklärt Markus Zuberbühler, Leiter Gesundheitsmanagement der Post und Leiter dieses Projekts (und zudem Innovator des Monats).

Vier Massnahmen

Das Projekt startet am 1. Januar 2017 und sieht vier Massnahmen vor: Erstens den Einsatz von 30 neuen internen Jobcoachs, die die betroffenen Mitarbeitenden und ihre Teams während der Wiedereingliederung begleiten. Zweitens die Lancierung des AVI-Tools, einer Plattform für die Publikation von Arbeitsversuchs- und Integrationsarbeitsplätzen. Diese sollen die Chancen von Personen mit Einschränkungen erhöhen, eine passende Stelle zu finden. Drittens die Schaffung einer zentralen Kontaktstelle, um die Anfragen von externen Personen zu bearbeiten, die einen Arbeitsversuchs- oder Integrationsarbeitsplatz suchen. Und schliesslich können Personen, die in geschützten Werkstätten arbeiten, über einen Personalverleihvertrag Arbeiten für die Post ausführen.

Zugang für alle

Die Post legt sehr viel Wert darauf, dass ihre Dienstleistungen für alle Bevölkerungsschichten zugänglich sind. Wie macht die Post das?

Poststellen: Alle Neubauten werden dem Gesetz entsprechend behindertengerecht gebaut. Bei Neu- und Umbauten der Post ist der Schalterbereichseit 1. Juli 2014 mit mindestens einem behindertengerechten Schalter ausgestattet.

Postomaten: Bei neuen Mehrfachstandorten wird seit Jahren bewusst ein Postomat tiefer gelegt und barrierefrei gebaut. Sämtliche 1000 Postomaten sind mit taktilen Zeichen ausgerüstet.

Postautos: Menschen mit Gehbehinderung profitieren davon, dass etwa 1500 der gut 2200 Fahrzeuge Niederflurbusse sind. Dies macht ihnen das Ein- und Aussteigen leichter.

Accessibility: Die Post verfolgt das Ziel, ihre Onlinedienstleistungen auch für Kunden mit einer Behinderung so zugänglich wie möglich zu gestalten. Ende Oktober erschien die Accessibility-Studie der Stiftung «Zugang für alle». Wie bereits 2011 hat die Post mit ihrem Internetportal sehr gut abgeschnitten.

Personal: Das Personal, das Kontakt mit Kunden hat, wird mit diversen Schulungen auf dieses Thema sensibilisiert; Gehörlose können dem Kundendienst ihre Fragen auch via Gebärdensprache stellen.