Mit Reden ist viel gemacht

Früher Rohrpost und Telegramm, heute Intranet, Scanner und Tablet. In der internen Kommunikation ist viel Papier verschwunden, geblieben ist das persönliche Gespräch.

21.08.2018
Text: Claudia Langenegger; Fotos: Michael Sieber
  • Der Fahrer Peter Liebi ist für seine Mitarbeiter da, wenn sie Fragen zum neu eingeführten Tablet haben.

    Der Fahrer Peter Liebi ist für seine Mitarbeiter da, wenn sie Fragen zum neu eingeführten Tablet haben.

  • Franziska Stierli arbeitet als Paketbotin in der Distributionsbasis Berneck. «Das Meiste läuft bei uns mündlich ab», sagt die 28-Jährige.

    Franziska Stierli arbeitet als Paketbotin in der Distributionsbasis Berneck. «Das Meiste läuft bei uns mündlich ab», sagt die 28-Jährige.

Früher stand in jedem Fahrzeug ein dicker Ordner. Darin waren Infos zum Fahrdienst, Telefonlisten und Unterlagen aller Art abgelegt. Heute kommen nur noch Unfallformulare und Sicherheitsrichtlinien in Papierform auf die Fahrt mit. Und der Rest? «Das finden wir alles im Tablet», erklärt Peter Liebi (55). Der Fahrer zeigt mit Freude sein Gerät. Er kennt sich bestens damit aus. Wenn er nicht im Poschi die kurvigen Strassen in der Region Längenberg befährt, arbeitet er im Büro in Riggisberg BE in der Zentrale des PostAuto-Unternehmens Engeloch Reisen und kümmert sich um Administratives.

Bis vor kurzem hängte er Dienstpläne, Telefonlisten und aktuelle Informationen zu Baustellen und Umleitungen nur an die Pinnwand in der Fahrzeughalle. Heute können seine Leute auch via Tablet darauf zugreifen. Bis April 2018 erhielten alle PostAuto-Fahrer ein Tablet.

«Manche waren sehr interessiert, freuten sich und probierten alles selbst aus. Für andere war der Einstieg harziger», erinnert sich Peter Liebi. «Bis jetzt konnte ich immer helfen», sagt er freudig. Man merkt, er arbeitet gerne mit seinen Leuten zusammen.

In den gut 20 Jahren, die Peter Liebi für PostAuto arbeitet, hat sich in der internen Kommunikation viel verändert. «Die Informationsflut ist gross, sie hat massiv zugenommen», meint der Gürbetaler. «Früher hatte man Papier und E-Mails, das wars.»

Offline stets auf dem Laufenden

Die Tablets werden nicht nur von lokalen, sondern auch von regionalen und nationalen Koordinatoren gefüttert, dank der Internetverbindung in der Halle in Riggisberg sind die Inhalte dort stets aktuell. Wenn die Fahrer losfahren, sind sie auf dem neusten Stand.

Sie müssen auch unterwegs erreichbar sein. Telefonieren funktioniert in den hügeligen Voralpen bei Schwarzenburg und im Gantrisch auf weiten Strecken nicht: Kein Empfang. Man kann aber untereinander per Funk kommunizieren, dieser ist in jedem Fahrzeug eingebaut. «Das ist sowieso schneller als per Telefon, damit erreichen sich die Fahrer direkt.»

Viele interne Infos laufen also per Tablet, Telefon, Funk und Pinnwand. Das wichtigste ist und bleibt aber: «der persönliche Kontakt», sagt Peter Liebi. «Damit die interne Kommunikation funktioniert, muss man mit den Leuten umgehen können und sie mit den Informationen und Anliegen erreichen.»

Natürlich ist es toll, mit neuster Technik zu arbeiten. Aber: «Das Tablet ist eine Hilfe, nichts anderes», sagt der Fahrer. «Es ersetzt den persönlichen Kontakt und das Gespräch nicht», meint Peter Liebi lachend.

Direkter Draht

Franziska Stierli arbeitet als Paketbotin in der Distributionsbasis Berneck. Fragt man sie zu technischen Mitteln und Kanälen der internen Kommunikation, ist ihre Antwort knapp und präzise: «Das Meiste läuft bei uns mündlich ab.» Vor Arbeitsbeginn gibts um sechs Uhr jeweils die tägliche Info für sie und ihre 16 Kollegen. «Der Teamleiter informiert uns jeweils über Aktuelles zu unserer Arbeit», erklärt die Sanktgallerin. «Im Sommer geht es etwa darum, wie wir es mit den Paketen bei Ferienabwesenheiten handhaben müssen.»

News aus dem Konzern gibt es nur im Ausnahmefall mündlich am Morgen früh. «Das ist nur der Fall, wenn etwas sehr Spezielles passiert», sagt die 28-jährige Zustellerin. Sie strahlt Dynamik und Tatendrang aus. Seit drei Jahren ist sie bei PostLogistics und übt ihre tägliche Arbeit mit viel Freude aus. «Ich mag die Abwechslung und auch, dass mal was schnell laufen muss», sagt die junge Frau, die gerne anpackt. «Jede Tour ist anders, ich bin gerne unterwegs.» Etwa um sieben Uhr hat sie jeweils die Pakete in ihren Lieferwagen geladen, dann geht es los. Mit dem Scanner kann sie telefonieren und seit Neustem auch Nachrichten empfangen.

An der grossen Pinwand im Pausenraum hängen die Dienstpläne, Tourenänderungen und Infos zu postinternen Aktionen und News. Auf grossen Screens laufen interne und externe News. Wer den Dienstplan online abrufen möchte, kann dies per PES-App auf seinem Smartphone tun. «Doch nicht alle nutzen dies: Bei uns haben nicht mal alle ein Smartphone.»

An der monatlichen Teamsitzung erfährt Franziska Stierli Neuigkeiten aus der Post. «Das wärs!», sagt die zackige junge Frau.

Lieber mehr als weniger

Die Kommunikation in ihrem Team läuft gut. Es gibt aber auch Dinge, die man optimieren könnte. «Es wäre gut, wenn wir von oben auch aus anderen Bereichen besser informiert werden würden», findet die Paketzustellerin. Wenn etwa in der Region eine Poststelle schliesst ansteht oder in der Presse etwas für Wirbel sorgt. «Da wissen die Kunden manchmal besser Bescheid als wir», meint Franziska Stierli. Deshalb findet sie: «Lieber, man erfährt zu viel als zu wenig.»

Altbewährtes funktioniert

Briefpöstler Markus Peter holt sich die meisten internen News aus der Personalzeitung. «Hier erfahre ich vieles.» Weiteres entnimmt er den Aushängen in der Zustellstelle Bern in Bümpliz, wo er jeden Morgen etwa um sechs Uhr mit seiner Arbeit beginnt. An den monatlichen Teamsitzungen informiert der Teamleader über Aktuelles. «Der Infofluss funktioniert gut, ich kriege das Notwendige mit», findet der 34-jährige Steffisburger. «Unser Teamleader macht das super.»

Dienstpläne hängen gedruckt aus, sind aber auch per Scanner einsehbar. Mit dem Gerät kann er auch telefonieren. «In Zukunft werden wir hier auch Meldungen auf den Scanner erhalten.»

Wenn Markus Peter telefoniert, dann oft mit dem Smartphone: Gewohnheitssache. Eine Firmen-E-Mailadresse hat er wie die meisten der Postautofahrer und Paketboten keine: «Das brauche ich gar nicht. Wir sind ja auf der Arbeit immer unterwegs», sagt er.

Ein Büro mit der Technik

Ganz anders sieht es aber bei den Post-Mitarbeitenden aus, die ihre Arbeitstage hauptsächlich im Büro verbringen. Für sie ist das E-Mail ein wichtiges Arbeitsinstrument. Hängt das Mail-Programm, müssen sie auf Skype oder Telefon ausweichen. Auf der Kollaborationsplattform «PostConnect» legt man Dokumente ab, damit auch Kollegen darauf Zugriff haben. Termine und Sitzungszimmer organisiert man via Onlinekalender, Kurznachrichten tauscht man via Skype aus. News aus dem Konzern erfährt man via Intranet. Ohne Computer wäre man aufgeschmissen.

Trotz aller Fixierung auf die Technik: Das Mündliche ist nicht aus dem Büroalltag wegzudenken. Es gibt in gewissen Teams tägliche Sitzungen, um einander auf den neusten Stand zu bringen, und oft tauscht man sich persönlich aus, weil es so am schnellsten geht.

Am Hauptsitz im Berner Wankdorf fördert die Organisation der Arbeitsplätze den direkten mündlichen Austausch. Man sitzt in offenen Räumen zusammen, fixe Arbeitsplätze gibt es keine mehr, und man sucht sich jeden Morgen einen neuen Schreibtisch. Das kann gewöhnungsbedürftig sein, aber man sitzt immer wieder mit neuen Leuten zusammen. Man fragt einander nach dem Namen, tauscht sich vielleicht sogar über Fachliches aus. Man redet und pflegt so die direkte interne Kommunikation.