Willkommen an Bord!

Der erste autonome Shuttle des Landes ist in der Sittener Altstadt unterwegs. Wir waren auf einer privaten Testfahrt mit dabei.

26.07.2016
Text: Annick Chevillot; Fotos: Isabelle Favre
  • Die Fahrt beginnt beim interaktiven Infobildschirm an der Place du Midi in Sitten. Er zeigt alle wichtigen Informationen an. Nun muss man nur noch einsteigen.

    Die Fahrt beginnt beim interaktiven Infobildschirm an der Place du Midi in Sitten. Er zeigt alle wichtigen Informationen an. Nun muss man nur noch einsteigen.

  • Der SmartShuttle schlängelt sich auch durch die engsten Gassen.

    Der SmartShuttle schlängelt sich auch durch die engsten Gassen.

  • Er umkreist einen Brunnen und meistert Kurven problemlos.

    Er umkreist einen Brunnen und meistert Kurven problemlos.

  • Der Shuttle wird wie die Rebberge und die Schlösser schon bald zum Stadtbild von Sitten gehören.

    Der Shuttle wird wie die Rebberge und die Schlösser schon bald zum Stadtbild von Sitten gehören.

  • Die Neugierde auf den autonomen Shuttle ist gross.

    Die Neugierde auf den autonomen Shuttle ist gross.

  • Im Vorbeifahren.

    Im Vorbeifahren.

  • Zurück am Ausgangspunkt, nach einer privaten Schulungsfahrt. Fahren Sie nach Sitten, wenn auch Sie den SmartShuttle testen möchten, es ist gratis!

    Zurück am Ausgangspunkt, nach einer privaten Schulungsfahrt. Fahren Sie nach Sitten, wenn auch Sie den SmartShuttle testen möchten, es ist gratis!

  • Auf dem Kontrollbildschirm werden die technischen Daten der Programmierung angezeigt. Dies ermöglicht es den Ingenieuren, zu prüfen, ob alles in Ordnung ist, und allfällige Fehler zu korrigieren.

    Auf dem Kontrollbildschirm werden die technischen Daten der Programmierung angezeigt. Dies ermöglicht es den Ingenieuren, zu prüfen, ob alles in Ordnung ist, und allfällige Fehler zu korrigieren.

«Willkommen an Bord!» Die Stimme klingt abgehackt und leicht scheppernd, so sympathisch wie ein Roboter halt. Jürg Michel, Projektleiter SmartShuttle bei PostAuto, der uns auf der Fahrt begleitet, lacht: «Ich freue mich, solche Probleme angehen zu können, denn das heisst, dass alles andere einwandfrei funktioniert und die Technologie zuverlässig ist.»

An diesem Freitagnachmittag ist es schön und heiss in der Altstadt von Sitten, wo noch bis Oktober 2017 der SmartShuttle-Testbetrieb läuft. Der schnuckelige autonome Kleinbus fährt durch die Gassen, hält automatisch an den acht Haltestellen, bremst noch ein wenig abrupt, wenn er einem Hindernis begegnet, erkennt Fahrzeuge und Gebäude korrekt, leidet aber noch an ein paar Kinderkrankheiten. Deshalb sind die Tests auf der Fahrstrecke im öffentlichen Raum so wichtig. Die Route ist ein mit höchster Präzision programmierter Rundkurs im Stadtzentrum von Sitten.

Virtuelle Schienen

«Es ist, als würde der Shuttle auf virtuellen Schienen fahren», erklärt Jürg Michel. «Wenn er diese zuvor ‹gelernte› Strecke verlässt, erkennt er sein Umfeld nicht mehr und hält an.» Wenn das geschieht, zum Beispiel weil der Shuttle einem falsch parkierten Auto ausweichen muss, gibt er Bescheid. Mit seiner metallischen Stimme verkündet er stoisch: «Fahrzeug von der Route abgekommen.» Der Sicherheitsfahrer, der bei jeder Fahrt anwesend ist, führt den Shuttle dann mit einem Joystick wieder auf den «rechten Weg» zurück, weil im autonomen Fahrzeug auf ein Lenkrad verzichtet wird.

Was ist das Schlimmste für einen autonomen Shuttle? Unvorhersehbares, zum Beispiel ein Hindernis, das plötzlich in seinem Blick- und Analysefeld auftaucht. Wenn also, wie auf unserer Fahrt geschehen, ein Kind auf einem Trottinett links an ihm vorbeifährt, ihn überholt und vor seiner Nase durchflitzt, um auf der Höhe der Place des Tanneries zu einem Freund zu gelangen. Der mathematische Algorithmus und die Sensoren am Fahrzeug, die ihm als Augen und Entscheidungszentrum dienen, erkennen noch nicht zuverlässig, dass in dieser Situation keine Gefahr besteht. Um solche realen Situationen zu evaluieren, entschied sich PostAuto für eine ziemlich lange Testphase.

Die Fussgängerzone gehört, wie der Name es schon sagt, den Fussgängern und bietet auch Raum für Strassenkünstler. Der Shuttle muss sich deshalb vorsichtig, «Schritt für Schritt», darin integrieren, so wie er sich an gewissen Orten auch in den Verkehr einfügen muss. Je öfter er die Strecke abfährt, desto mehr und komplexere Daten kann er in seiner Datenbank speichern. «Die Garantie, dass ein sicherer und stabiler Betrieb möglich ist, ist bei dem Projekt das A und O», erklärt Jürg Michel. «Die kommenden 16 Monate sind aber auch wichtig, um alle technischen Aspekte zu prüfen, insbesondere das Verhalten des Fahrzeugs bei unterschiedlichen Temperaturen, Wetterbedingungen und Fahrgästen. Zudem müssen wir analysieren, ob die Bevölkerung die Shuttles akzeptiert.»

Stars in der Stadt

In dieser Hinsicht ist wohl nichts zu befürchten, die Passanten sind sehr interessiert an dem neuen Gefährt. So wollten auf unserer Privattour gut 50 weitere Personen mitfahren, die wir leider abweisen mussten. In Sitten hat man sich noch nicht an die Shuttles gewöhnt, sie ziehen nach wie vor alle Blicke auf sich. Wie Stars.

Susanne Ruoff konnte als eine der ersten Fahrgäste mitfahren: «Am 23. Juni nahm der erste autonome Shuttle für den öffentlichen Personentransport seinen fahrplanmässigen Testbetrieb auf. Das ist eine Schweizer Premiere und eine europaweite Pionierleistung. Jetzt bin ich gespannt, welche Erfahrungen wir, die Fahrgäste und die Bevölkerung damit machen werden. Mit den SmartShuttles testen wir, ob wir künftig dort öffentliche Verkehrsmittel anbieten können, wo wir das bisher nicht konnten – etwa auf privaten Geländen oder in Fussgängerzonen, als Ergänzung zum bestehenden öffentlichen Verkehr.» Wie Susanne Ruoff können auch Sie bis Oktober 2017 gratis im Shuttle fahren.

Das 360°-Video lässt Sie eine Fahrt hautnah miterleben: Drücken Sie hier (benötigt aktuellen Internetbrowser) oder sehen Sie sich den animierten Film an hier

Tipps

Die autonomen Shuttles verkehren jeweils von Dienstag bis Sonntag an den Nachmittagen. Am Freitag erst ab 15 Uhr, weil am Morgen der Sittener Wochenmarkt stattfindet. Während der Testphase sind die Fahrten gratis.

Die «SmartShuttle»-App kann gratis im App Store und im Play Store heruntergeladen werden. Sie zeigt an, wo sich die beiden Shuttles gerade befinden.

Während der Testphase können die Fahrpläne jederzeit geändert werden. Informieren Sie sich deshalb auf der folgenden Webseite über den aktuellen Fahrplan: www.postauto.ch/smartshuttle

Für weitere Informationen: www.mobilitylab.ch

Fahrzeugdaten:

Hersteller: Navya. Masse: Länge: 4,80 m; Breite: 2,05 m; Höhe: 2,55 m; Leergewicht: 2400 kg; Sitzplätze: 11. Maximale Geschwindigkeit während der Testphase: 20 km/h. Batterieleistung: 6 bis 12 Std. Ladezeit der Batterie: 5 bis 8 Std. Eine ausklappbare Rampe im Fahrzeug erleichtert Personen mit eingeschränkter Mobilität den Einstieg. Die Shuttles sind mit zwei Nothalteknöpfen und Überwachungskameras ausgestattet. Während der Testphase ist stets ein Sicherheitsfahrer an Bord. Er konzentriert sich während der Fahrt auf die Strecke und kann sich nicht mit den Passagieren unterhalten.