Post für die Sewenhütte

SAC-Hütten sind im Sommer und Frühherbst für viele ein beliebtes Wanderziel. Wir wollten wissen, wie die Postzustellung auf SAC-Hütten abläuft, und stiegen dafür zur Urner Sewenhütte hinauf.

Ausgabe 9/2017
Text: Lea Freiburghaus; Fotos: Monika Flückiger
  • Zusteller Werner Fedier wird in Isenthal schon sehnlichst erwartet.

    Zusteller Werner Fedier wird in Isenthal schon sehnlichst erwartet.

  • Unterwegs einen Schluck trinken und Ausschau halten nach frischen Steinpilzen.

    Unterwegs einen Schluck trinken und Ausschau halten nach frischen Steinpilzen.

  • Die 500 Höhenmeter vom Parkplatz zur Hütte legt Ursi in knapp einer Stunde zurück.

    Die 500 Höhenmeter vom Parkplatz zur Hütte legt Ursi in knapp einer Stunde zurück.

  • Nur wenige Meter trennen Ursi noch von der Hütte.

    Nur wenige Meter trennen Ursi noch von der Hütte.

  • Oben angekommen, zieht Ursi als Erstes die Schuhe aus und holt sich etwas zu trinken.

    Oben angekommen, zieht Ursi als Erstes die Schuhe aus und holt sich etwas zu trinken.

  • Nach dem steilen Aufstieg sortiert Ursi die Post für die Hütte. Meist sind es Rechnungen, ab und an ist aber auch eine Karte von ehemaligen Gästen mit dabei.

    Nach dem steilen Aufstieg sortiert Ursi die Post für die Hütte. Meist sind es Rechnungen, ab und an ist aber auch eine Karte von ehemaligen Gästen mit dabei.

  • Wäsche aufhängen und sich um die Gäste kümmern sind Ursis Lieblingsbeschäftigungen.

    Wäsche aufhängen und sich um die Gäste kümmern sind Ursis Lieblingsbeschäftigungen.

  • Wanderer können am Kiosk in der Hütte eine Karte kaufen und sie auch gleich frankieren lassen.

    Wanderer können am Kiosk in der Hütte eine Karte kaufen und sie auch gleich frankieren lassen.

  • Postkartengrüsse finden ihren Weg ins Tal beim nächsten Heimurlaub der Hüttenwartin oder per Helikopter.

    Ihren Weg ins Tal finden Postkartengrüsse beim nächsten Heimurlaub der Hüttenwartin oder per Helikopter.

  • Die Wäsche trocknet nur bei schönem Wetter.

    Die Wäsche trocknet nur bei schönem Wetter.

  • Die Hütte auf 2150 Meter über Meer ist von Juni bis Oktober bewartet.

    Die Hütte auf 2150 Meter über Meer ist von Juni bis Oktober bewartet.

Der Rucksack ist gepackt, die Trekkingschuhe sind geschnürt. Jetzt fehlt nur noch die Post! Und schon kommt Zusteller Werner Fedier die schmale Strasse nach Isenthal hoch, biegt um die Ecke und nähert sich dem Haus, vor dem Ursi Gehrig, Hüttenwartin der Sewenhütte, wartet. Gehrigs Privatadresse ist gleichzeitig die Postadresse der SAC-Hütte, die sie und ihr Mann jeweils von Anfang Juni bis Oktober bewarten. «Die Post für die Hütte besteht zum grössten Teil aus Rechnungen», meint Ursi, «ab und zu sind aber auch Briefe oder Postkarten von ehemaligen Gästen mit dabei.» Noch ein kurzer Schwatz mit dem Postboten und schon macht sich Ursi auf den Weg nach Altdorf.

Nach einem Abstecher beim Gemüsegrosshändler – ihr Rucksack legt noch einmal zehn Kilogramm an Gewicht zu – geht es über Erstfeld und Wassen flott weiter in Richtung Sustenpass. Kurz vor der Passhöhe, beim Parkplatz Goretzmettlenbach, stellt Ursi ihr Auto ab. Von jetzt an ist sie zu Fuss unterwegs. 500 Höhenmeter, erst durch den Wald, dann durch Heidestauden bis auf 2150 Meter über Meer. «Mit einem leichten Rucksack schaffe ich die Strecke in 50 Minuten», meint die sportliche 53-Jährige. An diesem Tag braucht sie etwas länger.

Strenger Hüttenalltag

Oben angekommen, zieht Ursi als Erstes die Schuhe aus und begrüsst ihren Mann Walti in der Küche, wo es schon fein nach Mittagessen riecht. Danach schaut sie draussen auf der Steinbank die Post für die Hütte durch. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt ihr nicht. «Während der Saison gibt es immer viel zu tun, Zwölfstundentage sind da keine Seltenheit», erzählt die frühere Lehrerin und Mutter von drei Kindern. Kochen, Backen, Putzen, Waschen und vieles mehr. «Am liebsten kümmere ich mich um meine Gäste, halte einen Schwatz mit ihnen oder tische ihnen etwas Feines auf.» In der Küche wechseln sich Walti und Ursi ab – er ist der Bäcker, sie führt Regie am Herd, wenn die Hütte vollbesetzt ist und 62 hungrige Gäste aufs Abendessen warten.

Schönes Wetter, gute Saison

Dank des schönen Wetters war Vollbesetzung in den letzten Wochen keine Seltenheit. «Wir haben bis jetzt eine super Saison», meint Ursi. Gut möglich, dass die Hütte bis Ende Oktober gegen 3000 Übernachtungen verbuchen kann. «Wir sind Pächter und führen die Hütte auf eigene Rechnung», erklärt sie. Aus diesem Grund versuchen Ursi und Walti, die Ausgaben möglichst gering zu halten. Güterlieferungen mit dem Helikopter – auch ein Weg, wie die Post aus dem Tal zur Hütte kommt – organisieren sie, wenn möglich, zusammen mit anderen Hütten aus der Region.

Um ihre Hütte möglichst attraktiv zu machen, verwöhnen sie die Berggänger mit feinen Menüs und selbstgebackenen Kuchen. Für Familien mit Kindern lädt ein Spielplatz zum Verweilen ein, ein Zwergenweg soll sowohl Klein als auch Gross den Aufstieg erleichtern. Unterwegs findet man im Herbst Heidelbeeren und Steinpilze. Und im Frühling entdeckte Ursi im Schnee sogar die Spur eines Bären. Im Juni kommen regelmässig Steinböcke zu Besuch, und während der Sommermonate wimmelt es nur so von Schmetterlingen.

Postkarten für Daheimgebliebene

Erbaut wurde die Hütte 1974, nachdem eine grosse Lawine ihre Vorgängerin zu Tal gerissen hatte. 2006 wurde sie renoviert und rundum erneuert. Ursi und ihr Mann Walti führen die Sewenhütte seit zehn Jahren, zusammen mit ihren drei Töchtern Lea, Katrin und Anina, die gerne und oft mithelfen.

Ländlermusik aus der Küche sorgt für gute Stimmung. Draussen auf der Terrasse sitzen ein paar Wanderer, die gerade gegessen haben. Beim Kiosk kann man Postkarten kaufen und frankieren lassen. Nur der Briefkasten fehlt … Dafür, dass die Kartengrüsse aus der Sewenhütte trotzdem ihren Weg ins Tal, zur Post und schliesslich zum Empfänger finden, sorgt Hüttenwartin Ursi beim nächsten Heimurlaub.

www.sewenhuette.ch