Kostbare Fracht

Wie aus einem Start-up mit genialer Geschäftsidee ein florierendes kleines Unternehmen entsteht – auch dank der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Post.

Ausgabe 5/2017
Text: Lea Freiburghaus; Fotos: Monika Flückiger, zVg
  • Zukru Weldegebriel verpackt die Bienenkokons in stabile Kartonröhrchen. Per A-Post-Brief gehen sie noch am selben Tag auf die Reise.

    Zukru Weldegebriel verpackt die Bienenkokons in stabile Kartonröhrchen. Per A-Post-Brief gehen sie noch am selben Tag auf die Reise.

  • 25 Bienenkokons werden diesen Frühling als Startpopulation verschickt.

    25 Bienenkokons werden diesen Frühling als Startpopulation verschickt.

  • Überwinterte Bienenkokons kurz vor dem Versand

    Überwinterte Bienenkokons kurz vor dem Versand

  • Einfüllen ...

    Einfüllen ...

  • ... und gut verschliesen.

    ... und gut verschliessen.

  • Ab die Post! Die Briefe mit der kostbaren Fracht werden täglich am Geschäftskundenschalter am Limmatplatz in Zürich aufgegeben.

    Die Briefe mit der kostbaren Fracht werden täglich am Geschäftskundenschalter am Limmatplatz in Zürich aufgegeben.

  • Zwischen März und Mai herrscht Hochbetrieb bei Wildbiene+Partner: Täglich werden unzählige Startpopulationen an Private und Obstbauern verschickt.

    Zwischen März und Mai herrscht Hochbetrieb bei Wildbiene+Partner: Täglich werden unzählige Startpopulationen an Private und Obstbauern verschickt.

  • Das junge Unternehmen beschäftigt zehn Mitarbeitende. Daniela Wechsler – hier gerade am Einpacken eines Bienenhäuschens – ist primär für Marketing und Projektmanagement verantwortlich.

    Das junge Unternehmen beschäftigt zehn Mitarbeitende. Daniela Wechsler – hier gerade am Einpacken eines Bienenhäuschens – ist primär fürs Marketing zuständig.

  • Daniela Wechsler, Wildbiene+Partner

    Daniela Wechsler, Wildbiene + Partner

  • Daniela Wechsler, Wildbiene+Partner

    Daniela Wechsler, Wildbiene + Partner

  • Seit letztem Jahr darf die Post keine lebenden Tiere mehr befördern. Da Mauerbienen keine Wirbeltiere sind und noch tief schlafen, wenn sie auf Reise gehen, können sie problemlos per Post verschickt werden.

    Seit letztem Jahr darf die Post keine lebenden Tiere mehr befördern. Da Mauerbienen keine Wirbeltiere sind und noch tief schlafen, wenn sie auf Reise gehen, können sie problemlos per Post verschickt werden.

  • Für die Produktion der Bienenhäuschen arbeitet Wildbiene+Partner mit einer Behindertenwerkstatt in Jona zusammen.

    Für die Produktion der Bienenhäuschen arbeitet Wildbiene + Partner mit einer Behindertenwerkstatt in Jona zusammen.

  • Das Bienenhäuschen BeeHome Observer bietet spannende Einblicke ins Leben von Mauerbienen.

    Das Bienenhäuschen BeeHome Observer bietet spannende Einblicke ins Leben von Mauerbienen.

  • Das perfekte Wildbienenparadies besteht aus heimischen Pflanzen und geeigneten Nistplätzen für Wildbienen. Wildbiene+Partner konzipiert in Zusammenarbeit mit Firmen neue Bienenparadiese.

    Das perfekte Wildbienenparadies besteht aus heimischen Pflanzen und geeigneten Nistplätzen für Wildbienen. Wildbiene + Partner konzipiert in Zusammenarbeit mit Firmen neue Bienenparadiese.

  • Die Mauerbiene, die hier zum Einsatz kommt, gehört nicht zu den gefährdeten 300 Wildbienenarten, ist aber eine der effizientesten Bestäuberinnen.

    Die Mauerbiene, die hier zum Einsatz kommt, gehört nicht zu den gefährdeten 300 Wildbienenarten, ist aber eine der effizientesten Bestäuberinnen.

  • Die Wildbiene reiht Brutzelle an Brutzelle, bis das Röhrchen gefüllt ist. Dann verschliesst sie es mit einem Lehmpfropfen.

    Die Wildbiene reiht Brutzelle an Brutzelle, bis das Röhrchen gefüllt ist. Dann verschliesst sie es mit einem Lehmpfropfen.

  • Die bereits voll ausgewachsenen Mauerbienen halten im Kokon einen tiefen Winterschlaf.

    Die bereits voll ausgewachsenen Mauerbienen halten im Kokon einen tiefen Winterschlaf.

  • Für Menschen sind Mauerbienen vollkommen harmlos, da sie nicht stechen – sie interessieren sich weder für Süssgetränke noch für Esswaren.

    Mauerbienen sind für Menschen vollkommen harmlos, da sie nicht stechen – sie interessieren sich weder für Süssgetränke noch für Esswaren.

Die Geschäftsidee ist bestechend simpel: Wildbienen mit Hilfe der Bevölkerung vermehren, um sie dann der Landwirtschaft zur Bestäubung weiterzugeben. Denn spätestens seit Markus Imhoofs Film «More than Honey» ist klar: Die Bestäubungssituation in der Landwirtschaft ist prekär – auch in der Schweiz. Dem wollten die beiden Biologen Claudius Sedivy und Tom Strobl mit der Gründung ihres Start-ups Wildbiene + Partner entgegenwirken.

Reise mit vielen Stationen

Vier Jahre später hat sich aus dem Start-up ein erfolgreiches kleines Unternehmen entwickelt. Inzwischen kümmert sich ein Team von zehn Festangestellten plus – abhängig von der Saison – eine mehr oder weniger grosse Anzahl Temporärmitarbeitender um die Vermehrung der Wildbienen. Und so funktioniert die Wildbienenpatenschaft: «Von März bis Juni kann man bei uns ein Bienenhaus mit einer Startpopulation bestellen», erklärt Anna Schmidhalter, Zuständige für die Öffentlichkeitsarbeit. «Im Herbst schickt man den Innenteil des Hauses an uns zurück – wir knacken die Röhrchen mit den Bienenkokons auf, zählen die Bienen und überwintern sie fachgerecht. Den gereinigten Innenteil des Hauses schicken wir zurück an unsere Kunden – so ist alles bereit für die nächste Generation. Ein Grossteil der Bienen, die bei uns überwintern, geht im Folgejahr zur Bestäubung an Obstbauern.»

Gemeinsam wachsen

Und welche Rolle spielt die Post dabei? «Eine zentrale», betont Daniela Wechsler, Zuständige fürs Marketing: «Wir sind darauf angewiesen, dass die Bienen am nächsten Tag beim Empfänger ankommen, egal wie abgelegen er wohnt. Auch in dem Punkt ist die Post top!» Und Thomas Steiner, Kundenberater für Wildbiene + Partner, ergänzt: «Der Faktor Zeit ist extrem wichtig. Aus diesem Grund verwenden wir auf dem Barcode die kostenlose Zustellanweisung: "Bitte im Ablagekasten oder beim Hauseingang deponieren", damit Sendungen nicht anvisiert werden, was zu ungewollten Verspätungen führen würde. Aber nicht nur die solide Arbeit auf der letzten Meile, sondern auch die Onlinedienste der Post haben das Jungunternehmen überzeugt. Logistikverantwortlicher Florian Schröder: «Wir sind ein kleines Unternehmen, in dem wenige Mitarbeitende viel bewegen müssen. Dazu braucht es eine gute, leistungsfähige IT – da kam uns die Post mit ihren digitalen Dienstleistungen sehr entgegen!»

Expansion ins Ausland geplant

Hinten verpackt Zukru Weldegebriel gerade die Bienenkokons, die heute noch rausgehen. Statt immer die Häuschen hin- und herzuschicken, gehen im Frühling jetzt nur noch die Bienen auf Reise – und zwar zum Tarif eines A-Post-Standardbriefs. «Für das Start-up eine günstige Lösung, die die Partnerschaft stärkt und die Kundenbeziehungen fördert», meint Thomas Steiner. Bereits liegt ein grosser Stapel an kartonierten Couverts für den Versand bereit. «Wir sind mit mehreren hundert Häuschen gestartet, inzwischen haben wir mehrere Tausend Kunden», erzählt Daniela Wechsler. Dank der guten Zusammenarbeit mit einer sozialen Werkstätte in Jona kann das Jungunternehmen die steigenden Kundenanfragen gut bewältigen. Und die Post freuts: Gemäss Kundenbetreuer wurden in den letzten zwölf Monaten rund 18 000 Pakete verschickt. «Dazu kommen die Pakete mit dem Innenteil des Hauses, die uns die Kunden im Herbst zurückschicken», ergänzt Daniela Wechsler. Zukru Weldegebriel muss sich beeilen – kaum sind die Kokons aus dem Kühlschrank, müssen sie zur Post, damit sie innerhalb von einem Tag beim Bienenpaten eintreffen. Schon schlüpfen die ersten Mauerbienen und schwirren ab ins geräumige Büro mitten im Zürcher Kreis 5, auf der Suche nach Pollen.

Werden Sie Wildbienengötti oder -gotte

Mit dem Code BeeHappy2017 sichern Sie sich als Mitarbeiter/-in der Post 15 Franken Rabatt auf die Wildbienenhäuschen «BeeHome Classic» oder «BeeHome Observer». Mehr dazu unter shop.wildbieneundpartner.ch. Kurzentschlossene erhalten das Bienenhaus noch bis Anfang Juni mit einer Startpopulation an Bienen. Das Angebot ist gültig bis 31. August 2017.