Ein gelbes Bijou für Vegetarier

Das neue Hiltl in der Zürcher Sihlpost kommt nicht nur bei Vegetariern, sondern auch bei Pöstlern gut an. Ein Besuch.

23.08.2016
Text: Annick Chevillot; Fotos: Béatrice Devènes
  • Die Halle des Restaurants und ihre Lichtinstallation verleihen dem Ganzen einen Hauch von Glamour.

    Die Lichtinstallation verleiht dem Restaurant einen Hauch von Glamour.

  • Ein altes Schild der PTT heisst die Gourmets willkommen.

    Ein altes Schild der PTT heisst die Gourmets willkommen.

  • Die Theke aus Massivholz stand bis 2001 in der Sihlpost: ein schönes Stück Geschichte.

    Die Theke aus Massivholz stand bis 2001 in der Sihlpost: ein schönes Stück Geschichte.

  • Die Holztheke dient heute als Kasse für das Hiltl-Restaurant Sihlpost.

    Die Holztheke dient heute als Kasse für das Hiltl-Restaurant Sihlpost.

  • Die Anzeigetafel eines deutschen Flughafens dient als Menükarte.

    Die Anzeigetafel eines deutschen Flughafens dient als Menükarte.

  • Der Kontrast zwischen alt, neu und recycliert ist ominpräsent.

    Der Kontrast zwischen alt, neu und recycliert ist ominpräsent.

  • Aus den alten PTT-Flaschen wurden Designvasen.

    Aus den alten PTT-Flaschen wurden Designvasen.

  • In den alten Postfächern werden heute die Smartphones der Gäste aufgeladen.

    In den alten Postfächern werden heute die Smartphones der Gäste aufgeladen.

  • Kleines Detail am Eingang.

    Kleines Detail am Eingang.

  • Die ehemaligen Postsäcke aus Stoff dienen heute als Pflanzenkübel.

    Die ehemaligen Postsäcke aus Stoff sind nun Pflanzenkübel.

  • Aussenansicht.

    Aussenansicht

  • Aussenansicht.

    Aussenansicht

  • Die alten Postfächer dienen als Dekoration.

    Die alten Postfächer dienen als Dekoration.

  • Eine Wendeltreppe führt hoch in ein Zwischengeschoss.

    Eine Wendeltreppe führt hoch in ein Zwischengeschoss.

  • Der Blick durchs Schaufenster.

    Der Blick durchs Schaufenster.

  • Das Buffet findet dort Platz, wo bis 2001 die Lastwagen standen.

    Das Buffet findet dort Platz, wo bis 2001 die Lastwagen standen.

Seit Anfang Jahr präsentiert sich die Sihlpost in komplett neuem Kleid. Es war nicht die erste Renovation, die sie seit ihrem Bau in den Jahren 1928 bis 1930 über sich ergehen lassen musste. Vor 15 Jahren wurde der gesamte Komplex schon einmal umgebaut. Und damals begann auch die gemeinsame Geschichte von Hiltl und der Post. Zu verdanken war dies Hiltl, das geben wir gerne zu.

Als Rolf Hiltl die Baustelle sah, wurde ihm bewusst, dass das Gebäude vollständig ausgeräumt wurde und dass damit auch ein Teil seiner Kindheit verschwand. Denn auf die Sihlpost hatte er die Briefe und Pakete seines Vaters gebracht und manches Mal bewundernd über die glatten Holztheken gestrichen. Deshalb lag ihm das Mobiliar am Herzen: «Ich erkundigte mich bei der Post, was damit geschieht. Als ich erfuhr, dass man alles entsorgt, fragte ich, ob ich es behalten dürfe.» Zusammen mit gleichgesinnten Postmitarbeitern rettete er auf eigene Kosten alles, was ihm erhaltenswert schien: Telefonkabinen, Postfachanlagen, Theken und Postsäcke aus Stoff. Er lagerte und konservierte alles. «Ich wusste, dass ich es eines Tages gut würde brauchen können!»

Dieser Tag kam mit der Ausschreibung der SBB für ein Restaurant in der erneut renovierten Sihlpost. Das war vor vier Jahren. «Als wir unser Hiltl-Konzept «Gesunder Genuss» umgeben von altem Sihlpost-Mobiliar präsentierten, flogen alle aus den Socken. Das ist nicht einfach «more of the same», sondern zollt Respekt gegenüber dem Ort und seiner Geschichte.»

Authentisch und schön

Rolf Hiltl hat allen Grund, stolz zu sein. Das neue Hiltl Sihlpost ist ein voller Erfolg. Es befindet sich in der ehemaligen Garage der Post, was nicht verborgen, sondern gekonnt in Szene gesetzt wird. Um den Ort zu würdigen, verzichtete der Zürcher Gastronom sogar auf seine Hausfarbe Grün und setzte ganz auf Postgelb.

Das Mobiliar ist modern und nüchtern gehalten, so kommen die alten Posteinrichtungen umso besser zur Geltung. Auf der majestätischen Holztheke stehen die Kassen, wie es sich gehört. Die ehemaligen Postfächer wurden mit Handyladekabeln ausgerüstet. Die Gäste werden von einem PTT-Leuchtschild begrüsst. PTT-Kannen wurden zu eleganten Blumenvasen umfunktioniert, Postsäcke umhüllen Pflanzentöpfe. «Wir sind glücklich, dass wir diese Herausforderung angenommen haben», betont Innenarchitektin Ushi Tamborriello. «Das Projekt ist so komplex, weil es ein ‹Zwitter› ist. Es ist zwar in erster Linie ein Restaurant, hat aber auch etwas von einem Museum. Indem wir Authentisches und Modernes verbanden, wollten wir einen Ort schaffen, an dem man sich wohlfühlt.»

Die Rückkehr des ehemaligen Sihlpost-Mobiliars in seine «Heimat» ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Man sieht, spürt und riecht es: Dies sind echte Antiquitäten. Ihre Patina verdanken sie der Zeit, ihrem Gebrauch, der Kundschaft und den Postangestellten. Am Eröffnungstag, dem 2. März, besuchten fünf ehemalige Sihlpost-Mitarbeitende das Restaurant. Sie schauten sich begeistert um, und es kam Nostalgie auf. Diese Reaktion erlebt das Restaurantteam oft.

Die nüchterne Raumgestaltung wird einzig vom imposanten Lüster im Hauptraum durchbrochen. «Wir wollten diesem industriell und geschichtlich geprägten Ort auch einen Hauch Glamour verleihen», erklärt Ushi Tamborriello. «Alle Kugeln wurden in Deutschland von Kunsthandwerkern geblasen. Wir haben sie erst hier angeordnet, damit die Helligkeit optimal ist und der Lüster leicht und funkelnd erscheint.»

Und was steht auf der Speisekarte? Zu 100 Prozent die bekannten, hausgemachten Hiltl-Spezialitäten vom Buffet. Also all die schmackhaften Gerichte und Häppchen, die das gemäss Guinnessbuch älteste vegetarische Restaurant der Welt ausmachen.

www.hiltl.ch/de/standorte/sihlpost
www.hiltl.ch