Die Zustelltour direkt im Briefzentrum starten

Im Briefzentrum Zürich-Mülligen arbeitet der Bereich Annahme und Sortierung neu eng mit der Zustellung zusammen. Das spart Zeit und Kosten.

14.11.2017
Text: Ruth Hafen; Fotos: Alessandro Della Bella
  • Teamleader Gregor Lüthy sortiert die A-Post ein.

  • Tageslichtbeleuchtung mit 1000 Lux unterstützt Zustellbote Dominique Rebmann bei der Arbeit.

  • Gregor Lüthy und Projektleiter Beniamino Aloise beim Informationsaustausch. Gute und häufige Kommunikation ist entscheidend

  • An den blauen Kabeln werden die Elektrofahrzeuge nach Arbeitsschluss wieder aufgeladen.

  • «Chaotische Fahrzeugbewirtschaftung» mit System: Die Zustellerinnen und Zusteller fahren jeden Tag ein anderes Fahrzeug.

  • Das Schlüsselbrett ist nach Stromstärken/Reichweiten der Fahrzeuge unterteilt – gelb für 160 Ampère, blau für 100, grün für 180.

  • Beniamino Aloise ist stolz auf den Kaizen-Prozess. Die Mitarbeitenden haben eigene Ideen eingebracht und ihren neuen Arbeitsplatz mitgestaltet.

Die Wettergötter meinen es nicht gut an diesem Freitag Ende Oktober. Der Himmel über Zürich-Mülligen zeigt alle Grautöne, die die Palette hergibt. Vom rauen Wetter merkt man im neuen Arbeitsbereich der Zusteller im Bauch des Briefzentrums nichts. Hier im UG1 herrschen das ganze Jahr konstant 20 Grad. Eine gute Tageslichtbeleuchtung – 1000 Lux – sorgt für ein angenehmes Arbeitsumfeld. Die Eingangstür zur Zustellstelle trennt Arbeits- und Garagenbereich voneinander. Direkt davor hängen die blauen Kabel der Ladestation für die Elektrofahrzeuge von der Betondecke. Hier werden die DXP-Elektroroller nach der Zustelltour wieder aufgeladen, sortiert nach Stromstärke bzw. Reichweiten: blau für 100 Ampère, gelb für 160, grün für 180.

Zeit gewinnen und Kosten sparen

Drinnen, im Pausenbereich, den die Mitarbeitenden selbst eingerichtet haben, sitzen Beniamino Aloise und Philipp Schwyter beim Kaffee am Tisch. Sie haben massgeblich dazu beigetragen, dass PM4, Annahme und Sortierung, und PM5, Zustellung, seit einigen Monaten im Briefzentrum Zürich-Mülligen Hand in Hand arbeiten. Aloise hatte die Idee, Schwyter durfte die neuen Prozesse umsetzen. An einem Innovationsapéro Ende 2016 traf Aloise auf einen Kollegen aus der Zustellung, der neue Arbeitsflächen suchte und in einem Untergeschoss eines anderen Gebäudes fündig geworden war. «Da machte es bei mir ‹klick› und ich sagte ihm, er solle doch zu uns ins Briefzentrum kommen. So können wir unsere Prozesse näher zusammenrücken, Zeit gewinnen und Kosten sparen.» Unterstützt wurde er von den Kadermitgliedern der Zustellzone Zürich sowie von Thomas Greminger, Leiter Briefzustellregion Zürich-Limmattal, der Chancen sah, die Prozesse zu optimieren und die vorhandene Infrastruktur gemeinsam und besser zu nutzen: «In Zukunft wird eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Bereichen noch mehr an Bedeutung gewinnen, um den Gesamtprozess weiter zu optimieren.» Weitere Zustellteams aus der Nähe, etwa aus Altstetten, Schlieren und Urdorf, sollen mittelfristig ins Briefzentrum Zürich-Mülligen integriert werden.

Die Vorteile überwiegen

Vorerst aber sind Teams aus den Zustellstellen Wipkingen und Zürich 16 nach Mülligen gezügelt. Seit Mitte August arbeiten hier 51 Fest- und sieben Teilzeitangestellte auf einer Fläche von rund 1200 Quadratmetern. Zustellbote Dominique Rebmann, der seine Touren vorher von Zürich 16 aus absolvierte, hat sich gut eingewöhnt. «Dass jetzt alles auf einer Fläche ist, macht vieles einfacher», findet er. Gregor Lüthy, Teamleader und Fahrzeugverantwortlicher, lobt die ausgezeichnete Umzugsorganisation. Vorher in Wipkingen hätten sie zwar mehr Platz gehabt, dafür werde hier früher angeliefert, und zwar alles auf einmal, was ein grosser Vorteil sei. Und der Fahrzeugmechaniker sei gleich um die Ecke in Schlieren. Verbesserungspotenzial sieht er in der Zusammenarbeit zwischen den Teams: «Wenn etwa Schlüssel fehlen, weil sie jemand im Hosensack vergessen hat, anstatt sie zurück ans Brett zu hängen, stört das den reibungslosen Ablauf natürlich schon.»

Neue Denkweise verlangt

Das Stichwort dazu: «chaotische Fahrzeugbewirtschaftung». Philipp Schwyter, der als Logistiker das Projekt betreut, erklärt: «Die Zustellerinnen und Zusteller sind sich gewöhnt, fast immer das gleiche Zustellfahrzeug zu haben. Hier fahren sie jeden Tag ein anderes. Das braucht Umgewöhnung.» Die neue Situation, in der zwei Arbeitskulturen und unterschiedliche Prozesse aufeinandertreffen, verlangt von allen neue Denkweisen und eine intensivere Kommunikation. Aber er sieht das positiv: «Dadurch entwickeln wir uns weiter und lernen voneinander.» Sei das an einem Apéro oder beim Kaffee in der Lounge-Ecke im ersten UG des Briefzentrums Zürich-Mülligen. Wer weiss, welche Ideen hier in Zukunft noch ausgebrütet werden.