Die Handyhülle aus Shanghai

Am Flughafen Zürich sind rund 50 Postmitarbeitende damit beschäftigt, riesige Mengen an Importgütern aus dem asiatischen Raum weiterzuverarbeiten.

20.09.2016
Text: Sandra Gonseth; Fotos: Annette Boutellier
  • Flughafen Zürich

    Die Container mit der Importware aus China werden am Flughafen Zürich aus dem Airbus A380 der Emirates ausgeladen. Unter anderem auch die Handyhülle aus Shanghai.

  • Flughafen Zürich

    Swissport bringt die Importsendung ins Exchange Office der Post am Flughafen Zürich.

  • Exchange Office Flughafen Zürich

    Die Postsäcke werden von Zeq Shoshaj und Bülent Celik gescannt und nach Briefen und Paketen getrennt.

  • Transport ins Briefzentrum Zürich Mülligen

    Mit dem Lastwagen wird die Handyhülle ins Briefzentrum Zürich Mülligen transportiert.

  • Briefzentrum Zürich Mülligen

    Marie Salomon und Hasije Rrudhani packen die Sendung aus und scannen sie.

  • Postverzollung Zürich Mülligen

    Luigi Laino, Teamleiter Import, bringt die Importsendung in die Postverzollung.

  • Postverzollung Zürich Mülligen

    Ahmed Salah Mohamed Hassan entscheidet aufgrund der Warendeklaration, ob die Sendung zollpflichtig ist.

  • Sortierung Zürich Mülligen

    Mit dem Zufuhrband gelangt die Handyhülle vom Postzoll in die Sortierung zu Leonora Nuhiu.

  • Sortierung Zürich Mülligen

    Angelina Martino und Josef Stirnimann sortieren die Sendungen auf die Zustellstelle.

  • Zustellung Bern

    Briefbote Patrick Berger bringt die Handyhülle dem Empfänger im Berner Altenbergquartier.

Pünktlich landet der grossbauchige Airbus A380 der Emirates am Flughafen Zürich. Noch bevor der Gigant alle 500 Passagiere an Bord ausgespuckt hat, wird die Frachtraumklappe tief unter den Passagiersitzen geöffnet und mit dem Ausladen begonnen. Die Maschine hat nicht nur die Koffer der Fluggäste, sondern auch Luftpost an Bord. Zum Beispiel Importware aus dem asiatischen Raum. Bestellt von Schnäppchenjägern in der Schweiz, die für eine billige Handyhülle lieber ein paar Tage länger warten.

Knappe Transportkapazitäten

Nicht etwa wegen Lieferengpässen, sondern wegen der knappen Transportkapazitäten. Online-Boom sei Dank. Zum Beispiel Aliexpress, der chinesische Onlineshop. Dieser funktioniert wie das US-Vorbild Amazon: Händler verkaufen die Waren über die Website direkt an den Kunden, Aliexpress kassiert eine Kommission. So stapeln sich die Güter am Flughafen in Shanghai und warten auf ihren Abflug. «Wir erhalten täglich zwei bis sechs Tonnen Importgüter aus dem asiatischen Raum», erklärt Dirk Zauta, Teamleiter Verteilstelle Exchange Office Zürich Flughafen. Die Waren werden am Nachmittag und am frühen Abend mit Emirates über Dubai eingeflogen. Schon morgen kann dies wieder ändern. Denn mit welcher Fluggesellschaft die Handyhülle schlussendlich in die Schweiz fliegt, entscheidet die chinesische Post, die den Transport finanziert.

Schwerstarbeit für die Pöstler

In Windeseile werden die Container mit den Postsäcken aus dem Flugzeug ausgeladen und ins Exchange Office der Post auf dem Flughafengelände transportiert. Dort beginnt der eigentliche Prozess der Schweizerischen Post: Sie übernimmt die gesamte Transportkette bis zum Kunden. Und die Importsendungen aus China haben Hochkonjunktur. Die Post verzeichnet riesige Zuwachsraten, deren Verarbeitung erst mal bewältigt werden muss. Für die 50 Postmitarbeitenden am Flughafen Zürich bedeutet das Schwerstarbeit. Aber davon soll der Kunde nichts merken. Auch nicht, dass seine Sendung im Briefzentrum Zürich Mülligen im Auftrag der Eidgenössischen Zollverwaltung über das Zollband läuft und je nach Inhalt und Wert der Ware die Mehrwertsteuer oder Zollgebühren erhoben werden. Und schon gar nicht merkt er, dass die Sendungen aus Fernost oft falsch oder ungenügend deklariert sind und deshalb häufig einzeln von Hand geprüft werden müssen. Wenn der Kunde seine Handyhülle vom Briefboten in Empfang nimmt, erinnert lediglich das Emblem der chinesischen Post auf dem Briefumschlag an den abenteuerlichen Weg aus dem Reich der Mitte.

Importsendungen aus Asien

Rund 22 000 Kleinwarensendungen aus dem asiatischen Raum gelangen täglich über die Flughäfen Zürich und Genf in den Briefkanal der Post. Dies entspricht zirka einem Viertel der gesamten Importsendungen. Auch dieses Jahr sind die Wachstumsraten anhaltend hoch (2015: ein Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Doch insbesondere für leichte Sendungen ist die Entschädigung zu klein, um die Kosten für die Verarbeitung und Zustellung zu tragen. Grund ist die Sonderstellung der asiatischen Länder im Weltpostverein: Länder mit dem Status eines Entwicklungslandes geniessen Vorzugskonditionen im grenzübergreifenden Briefgeschäft. Die Zustellung der Kleinwarensendungen lohnt sich aber dennoch, weil mit jeder zusätzlichen Sendung die Logistikprozesse besser ausgelastet werden können.