Das Paket kommt jetzt geräuschlos

Seit Ende Juni testet die Distributionsbasis Hinwil vier Elektrofahrzeuge in der Paketzustellung. Leise unterwegs mit Zusteller Thomas Graner.

22.08.2017
Text: Simone Hubacher; Fotos: Daniel Desborough
  • Erster Stopp: Volvo-Garage. Der Mitarbeiter nimmt von Thomas Graner Nespresso-Kaffee entgegen.

  • Dank dem Wagen lassen sich sich vielen Pakete besser zum Kunden transportieren.

  • Vor dem Coiffeur-Salon.

  • Ein Gewitter über Wetzikon.

  • Der Nissan wurde extra um- resp. angebaut.

  • Thomas Graner übergibt einer Kundin ein Paket.

  • Mit Ökostrom ans Ziel.

  • Thomas Graner trifft in Aathal auf eine Kollegin von PostMail.

  • Der Antrieb kommt aus der Steckdose.

  • 404 Kilogramm Paketlast trägt Thomas Graner an diesem Vormittag aus.

  • Wer nicht zuhause war, kann sein Paket ab dem nächsten Tag auf der Poststelle Wetzikon abholen.

  • Quasi geräuschlos ist der Nissan unterwegs.

  • Aufladstation in der Distributionsbasis Hinwil. Nach der Tour muss der Nissan an die Steckdose.

  • Aufladstation in der Distributionsbasis Hinwil. Nach der Tour muss der Nissan an die Steckdose.

  • Kurzer Schwatz mit dem Leiter der Distributionsbasis Hinwil, Stefan Bernet.

Einsteigen, Start/Stopp-Knopf drücken, Drive-Modus rein und los gehts. Fast unbemerkt – einzig das Abrollgeräusch der Pneus ist zu hören – nimmt der neue Elektrolieferwagen von PostLogistics die Fahrt auf. Thomas Graner, langjähriger Gruppenchef in der Distributionsbasis in Hinwil, ist heute mit dem Nissan e-NV200 (siehe Kasten) auf Tour Nummer 20 unterwegs. Aufgrund der Ferienzeit und weil montags keine Zalando-Pakete ausgetragen werden, mit rund 30 Prozent weniger Paketen als sonst. Die Tour führt Thomas Graner von Hinwil ins benachbarte Wetzikon zu vielen Privathaushaltungen und Geschäftskunden sowie nach Aathal. Für diese kurzen Distanzen mit den vielen Starts und Stopps eignet sich das Elektrofahrzeug prima. Rund 100 Mal pro Tag startet ein Zusteller normalerweise den Motor und stellt ihn wieder ab – Kupplung, Getriebe und Anlasser müssen deshalb regelmässig gewartet und ersetzt werden.

Das Navi im Kopf

Anders das Elektrofahrzeug. Es ist prädestiniert für solche Touren. «Da meine Frau ein Elektroauto fährt, bin ich mir den Umgang mit der Start/Stopp-Taste schon gewohnt», lacht Thomas Graner, steigt aus und holt im Laderaum die erste Geschäftskundenlieferung des Tages: Nespresso-Kaffee für die Volvo-Garage. Nach einem kurzen, freundlichen Wortwechsel mit einem Mitarbeiter gehts weiter. Ohne je auf ein Navi zu blicken, steuert er den Nissan durchs Industriequartier, zurück auf die Hauptstrasse und zur nächsten und übernächsten Adresse – auch um die engsten Kurven kommt er problemlos. «Schon beim Beladen des Fahrzeugs achte ich darauf, dass ich die Pakete in der richtigen Reihenfolge einordne», sagt er. Dadurch genüge ein kurzer Blick durch die Hecktür auf die nächsten paar Adressetiketten – und schon geht die sichere Fahrt weiter. Von Kunde zu Kunde. Kaum einer reagiert mehr auf das neue Fahrzeug. «Viel wichtiger ist dem Kunden, dass die Post immer etwa zur selben Zeit eintrifft. Aber: Die ersten Tage war ich schon erstaunt, welch grosses Thema unsere Elektroautos bei Kunden und Passanten waren!», lacht Thomas Graner.

Coiffeur Jan Meier wäscht Haare und blickt aus dem Fenster, als der Wagen vor der Tür hält. «Ein edles Fahrzeug!», sagt er. «Passt zum Töffli – ihr seid damit ja schon länger umweltfreundlich unterwegs!» Den Pöstler freuts. Und weiter geht die sachte Fahrt. Nicht mal das Eichhörnchen – was macht es bloss im Industriegebiet? – erschrickt, als die Post geräuschlos vorbeirollt.

Neue Masse

Thomas Graner und seine Kollegen bedienen das neue Fahrzeug primär von hinten. Die Masse sind anders als gewöhnlich. Je einen Meter in der Höhe und einen Meter in der Länge wurden in Zusammenarbeit mit Post Company Cars extra angesetzt. Nach Nachrüsten der Bremsen, der Pneus und der Federung wird die Nutzlast wie bei den herkömmlichen Fahrzeugen bei rund 800 Kilogramm liegen. Eine Rückfahrkamera für den Fahrer (kein Heckfenster) und der Piep-Ton für die Fussgänger sind hilfreich.

Aathal, 10.50 Uhr, Zwischenstand Reichweite: noch 83 Kilometer. Ohne Klimaanlage sind es sogar 100 Kilometer. Alles bestens.

Auf dem Rückweg hält Thomas Graner am Fussgängerstreifen: Drei Männer, dem Firmenshirt nach Arbeitskollegen, schauen zum Elektrofahrzeug, schmunzeln, diskutieren, lachen, blicken nochmals zurück. «Siehst du», sagt Graner. «Das Elektrofahrzeug fällt immer noch auf. Die Form – es könnte ein Camper sein – ist für viele gewöhnungsbedürftig.»

Etwas früher als sonst, um die Mittagszeit, biegt der Nissan e-NV200 wieder in die Distributionsbasis an der Studbachstrasse 11 in Hinwil ein. 404 Kilogramm Paketlast hat Thomas Graner in den vergangenen Stunden ausgetragen, 120 Stück. Jetzt gehts direkt zur Aufladestation, von wo aus Tour Nummer 20 am nächsten Tag erneut in Angriff genommen wird. Für Thomas Graner gibts eine kurze Mittags-Stärkungspause. Dann wartet noch Arbeit im Büro …

Details zum Elektrofahrzeug

Die vier neuen Elektrofahrzeuge des Typs Nissan e-NV200 sind seit dem 21. Juni 2017 in Hinwil und Umgebung im Einsatz. Sie fahren zu 100 Prozent mit Ökostrom. Das Aufladen der Batterien dauert sieben Stunden. Reichweite im Zustellbetrieb: 120 km. Die umweltfreundlichen Fahrzeuge erreichen eine Maximalgeschwindigkeit von 120 km/h und haben 109 PS. Im Verlauf des Jahres sollen vier weitere Fahrzeuge in Basel in Betrieb genommen werden. Das Projekt erhält Unterstützung durch den CO2-Fonds der Post. Seit fünf Jahren verkehren für PostMail zehn Elektrowagen der Marke Renault Kangoo auf den Schweizer Strassen.