Es wird gesägt, gefräst und geleimt

Das neue Mobiliar der rund 300 modernisierten Filialen der Post wird im Emmental gefertigt. Ein Besuch in der Schreinerei Röthlisberger in Schüpbach.

07.05.2019
Text: Sandra Gonseth; Fotos: Annette Boutellier, Daniel Winkler
  • Planungsbüro

    Stefan Vifian, Projektleiter im Planungsbüro, stellt die dreidimensionalen Pläne für die Möbelserie der Post her.

  • Zuschneidemaschine

    Marc Maibach, Maschinist, schneidet die Platten zu.

  • Leimstation

    Reto Krummenacher, Maschinist, und Austin Guther, Maschinenhilfe, leimen die Kanten.

  • Bohrzentrum

    Maschinist Thomas Haldimann, regelt die Geschwindigkeit des Bohr- und Fräsaggregates und wählt den Einsatz der richtigen Werkzeuge.

  • Ruedi Geissbühler mit Schablone

    In der Montage werden die Einzelteile zusammengebaut. Ruedi Geissbühler, Oberflächenspezialist, bringt die Schablone für den Poststempel an.

  • Folienentfernung

    Nachdem die schwarze Farbe trocken ist, entfernt er sachte die Schablone, und der Poststempel ist fertig.

  • Adrian und Stefan Röthlisberger

    Die Geschäftsführer Adrian und Stefan Röthlisberger (v.l.) freuen sich über die fertig montierte Postbar. «Die Pläne wurden prima umgesetzt.»

  • Ruedi Geissbühler vor der Postbar

    Ruedi Geissbühler vor dem Prunkstück der Serie: die Postbar

  • Moderne Filiale in Freiburg

    Wie hier in Freiburg sind alle modernen Filialen individuell eingerichtet. Auf dem Bild die Kundenberater Sandra Tomé Morgado, Patrick Bourquin und Julia Mangia (v.l.)

Baumstämme sieht man keine. Aber jede Menge Paletten mit Spanplatten stehen vor der Schreinerei Röthlisberger in Schüpbach. Der Betrieb liegt gleich neben der Dorfmühle und am Ufer der Emme, die sich sanft durch die Landschaft schlängelt.

Staubsauger und Sprühnebel

Als wir die Schreinerei besuchen, regnet es wie aus Kübeln. Doch das spielt keine Rolle. Die Möbel werden in einer grossen Produktionshalle gefertigt. Es ist laut hier. Die meisten der Mitarbeitenden tragen Ohrstöpsel. Um die Luft so emissionsarm wie möglich zu halten, saugen grosse Rohre die Restholzpartikel beim Fräsen und Sägen in ein Silo. Der ganze Raum ist mit einer Befeuchtungsanlage bestückt, die kontinuierlich einen feinen Sprühnebel abgibt. «Wir haben eine konstante Luftfeuchtigkeit von 48 Prozent», erklärt Adrian Röthlisberger, der uns zusammen mit seinem Cousin Stefan Röthlisberger durch die Halle führt. Sie leiten den Familienbetrieb zusammen mit Adrian Röthlisbergers Bruder Christoph sowie Andreas Meister bereits in der dritten Generation. Was vor 80 Jahren mit einer Wagnerei begann, ist nun eine der grössten Individualschreinereien der Schweiz.

Kein Schnickschnack

«Heute ist für uns alle ein besonderer Tag», sagt Adrian Röthlisberger. Nur noch wenige Handgriffe und die erste Möbelauslieferung für die Post ist fertig. In wenigen Tagen wird das Mobiliar das Emmental verlassen und in der Basler Filiale Reinach aufgebaut. «Insgesamt produzieren wir über 150 verschiedene Einzelteile», erklärt Stefan Röthlisberger. Darunter Möbel wie die Postbar – das Prunkstück der Serie -, aber auch Regale, Trennwände oder Schallschutzvorrichtungen aus recyceltem PET. Alle Möbel müssen sich nahtlos in die vorhandene Architektur der einzelnen Filialen einfügen. «Die Post will kein Schnickschnack, sondern eine zeitlose und zweckgerichtete Möblierung.» Es ist der bisher grösste Auftrag für den Emmentaler Betrieb, der in der Region mit 120 Mitarbeitenden und 20 Temporärstellen eine wichtige Arbeitgeberfunktion hat.

Handarbeit gefragt

Die zwei Geschäftsführer führen uns ins Planungsbüro. Stefan Vifian, Projektleiter C-Technologie, sitzt vor seinem Computer. Hier entstehen aus einer einfachen Skizze die dreidimensionalen Pläne für die Möbelserie der Post. «Jede Bohrung und jede Fräsung ist vermerkt», erklärt der Fachmann. Die Pläne sind die Grundlage für alle weiteren Arbeitsschritte in der Produktion. Dort ist trotz hoher Automatisierung auch Handarbeit gefragt: Die Schreinerin Leonie Baumann setzt gerade die letzten Teile der Postbar zusammen. «Es passt alles haargenau», freut sie sich. Jetzt fehlt nur noch der Poststempel. Diesen bringt Oberflächenspezialist Ruedi Geissbühler mit einer Schablone und schwarzer Farbe an. Nach einer halben Stunde entfernt er sachte alle Folienteile. Wir staunen: Ein wunderbares Motiv kommt zum Vorschein und gibt der Postbar den letzten Schliff.

schreinermanufaktur.ch

Modernisierung der Filialen

In den nächsten vier Jahren modernisiert PostNetz rund 300 eigenbetriebene Filialen. Das Projekt geht über eine optische Modernisierung der Filialen hinaus. Im Fokus steht auch die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden rund um die Kundenberatung. Dazu gehören unter anderem der Wissensaufbau der digitalen Dienstleistungen sowie die verstärkt ins Zentrum rückende Kundenberatung. Die entsprechenden Schulungsmassnahmen starten jeweils rund drei Monate vor dem eigentlichen Umbau der Filiale.