Mit Vollgas auf die Bremse

Die PostAuto-Fahrer müssen regelmässig Fahrsicherheitskurse belegen. In Roggwil haben sie den Ernstfall geübt.

19.03.2019
Fotos: Monika Flückiger
  • Trainingsleiter Sepp Meyer gibt die Anweisungen per Funk.

    Trainingsleiter Sepp Meyer gibt die Anweisungen per Funk.

  • Ruedi Widmer und Urs Roeschli geben heute Vollgas.

    Ruedi Widmer und Ueli Röschli geben heute Vollgas.

  • Vesna Stankovic sitzt gerne im Postauto.

    Vesna Stankovic sitzt gerne im Postauto.

  • Präzises Fahren und schnelles Bremsen - die Hütchen geben den Bremsweg an.

    Präzises Fahren und schnelles Bremsen - die Hütchen geben den Bremsweg an.

  • Trainingsleiter Sepp Meyer gibt Anweisungen per Funk.

    Trainingsleiter Sepp Meyer gibt Anweisungen per Funk.

  • Nasse Strassen sind ganz schön glatt. Auch hier will  die Vollbremse geübt sein.

    Nasse Strassen sind ganz schön glatt. Auch hier will die Vollbremse geübt sein.

Es ist ein minuskalter Wintermorgen, als sich zwölf PostAuto-Fahrerinnen und -Fahrer im oberaargauischen Roggwil zum Sicherheitsfahrtraining treffen. Ein paar verirrte Schneeflocken wirbeln durch die Luft, trübes Grau kündet sich an. Doch die Vorfreude der Fahrerinnen und Fahrer ist gross. «Heute können wir mal das tun, was wir sonst nicht dürfen», sagt Ruedi Widmer mit einem verschmitzten Lachen. Das heisst: Vollgas geben und abrupt abbremsen.

Vorbereitung für den Ernstfall

Denn heute gehts um den Notfall: wenn ein Kind auf die Strasse rennt oder unverhofft ein Hindernis auftaucht – etwa ein verunfalltes Auto. Da gibt es nur eins: Vollbremse – und zwar schnell. «Das muss man in der Praxis geübt haben, damit man es im Ernstfall auch abrufen und umsetzen kann», erklärt Kursleiter Sepp Meyer, ein Vollblutfahrlehrer, der stets einen Witz auf den Lippen hat, aber auch unnachgiebig streng sein kann.

Locker in die Kurven

Ruedi Widmer setzt sich in den gelben Gelenkbus, mit dem er aus dem Depot in Laufen hergefahren ist. Der Bus ist mit seinen 18 Metern Länge und 18 Tonnen Leergewicht ein Ungetüm. Und doch umfährt er den Hütchenslalom, den es zum Einfahren gibt, mit Leichtigkeit. «Das ist einfach», findet der Fahrer. Für ihn schon: Schliesslich kurvt er seit zehn Jahren fast täglich mit Mehrtönnern über Schweizer Strassen.

Voll auf die Bremse

Bald gilts ernst: «Beim Hütchen voll auf die Bremse!», gibt der Trainingsleiter die Anweisung per Funk durch. Der erste gelbe Busse fährt los. Und bremst zögerlich – zu sehr steckt dem Fahrer wohl das sanfte Abbremsen in den Füssen, das er tagtäglich ausführt. «So, nun aber richtig bremsen!», befiehlt Sepp Meyer per Funk.

Ruedi Widmer beschleunigt auf fast 50 Kilometer pro Stunde, bremst abrupt und steht schon nach etwa 18 Metern still. Die Wucht des Abbremsens ist gewaltig. Wenn man sich nicht gut festhält, fällt man leicht. Warum steht so ein grosses Auto so schnell still? «Die guten Reifen mit dem grossen Haftreibwert und das moderne Bremssystem machen es möglich», erklärt Fahrerkollege Ueli Röschli.

Perfekte Technik

In der nächsten Runde gehts auf den glatten Bodenbelag. Als Vesna Stankovic, die einzige Frau im Kurs, auf dem glatten Bodenbelag eine Vollbremsung macht, ruckelt, rattert und wackelt ihr Postauto den ganzen Bremsweg lang. Genau so muss es sein: Das Antiblockiersystem ABS zeigt, was es kann. Der Mehrtönner kommt ohne Schleudern und Gleiten zum Stillstand. Auch sie hat Freude am heutigen Tag – und nicht nur am heutigen. «Ich bin einfach glücklich im Postauto», sagt sie mit leuchtenden Augen. «Das ist mein Traumberuf.» Seit zehn Jahren fährt sie in der Region Baden Postauto. Schnell geht der Tag um, und bald ist wieder Alltag mit sanft Anfahren und Abbremsen angesagt. Und es ist für alle zu hoffen, dass sie höchst selten voll auf die Bremse stehen müssen.