Mit Maria und Josef in Bethlehem

Maria Zahler und Josef Bürgi reisen nach Bethlehem. Sie suchen nicht nach einer Bleibe, sondern nach Gemeinsamkeiten. Ein Austausch über Weihnächtliches und mehr im Westen der Stadt Bern.

11.12.2018
Text: Simone Hubacher; Fotos: Yoshiko Kusano
  • Die Poststelle Bern-Bethlehem

  • Die Poststelle Bern-Bethlehem

  • Maria Zahler und Josef Bürgi treffen sich vor der Poststelle.

  • Josef und Maria und der Stern von Bethlehem: Tour d'Horizon durch das Tscharnergut in Bern

  • Josef und Maria und der Stern von Bethlehem: Tour d'Horizon durch das Tscharnergut in Bern

  • Josef und Maria und der Stern von Bethlehem: Tour d'Horizon durch das Tscharnergut in Bern

  • Josef und Maria in der reformierten Kirche Bern-Bethlehem: rechts oben das Jesus-Schattenbild

  • Reformierte Kirche Bethlehem: Hier entdecken Maria und Josef Gemeinsamkeiten.

  • Im Café Tscharni entstehen die ersten Weihnachtsguetzli.

  • Für Maria gehören an Weihnachten Verse und Geschichten dazu.

Die Passanten gehen ein und aus an der Fellerstrasse 28. An diesem Spätnovembertag herrscht hier um 14 Uhr geschäftiges Treiben. Vor der Postfiliale Bern-Bethlehem stehen Maria und Josef. Weder sie noch er wohnen hier – und trotzdem haben sie den Weg hierher gefunden. Er arbeitet im Fahrgastmarketing bei PostAuto in Bern, sie ist als Zustellerin in der Stadt Thun bei Wind und Wetter mit dem Elektrodreirad DXP unterwegs.

Der Ursprung des Namens Bethlehem geht aufs Mittelalter zurück. Das nahe gelegene Kloster hatte hier einen Prozessionsweg eingerichtet. Josef Bürgi hat seinen Vornamen in die Wiege gelegt bekommen, «weil es in der Innerschweiz üblich war, dass die Söhne die Vornamen der Väter trugen. Ich bin in der 5. Generation Josef, vermutlich noch länger», sagt er. Während der Schulzeit war er der Seppi, Seffi oder Sebi, «heute nenne ich mich eher Joe oder auch wieder Josef.»

Maria kam hingegen ganz spontan zu ihrem Vornamen: «Mein Vater wollte mich nach der Geburt auf der Gemeindeverwaltung anmelden, als das Gegenüber antwortete, der von meinen Eltern gewählte, berndeutsche Vorname werde nicht akzeptiert.» Der Vater spontan: «Dann heisst meine Tochter halt Maria!» Bis zur 7. Klasse habe sie gar nicht gewusst, dass sie Maria sei, lacht die gebürtige Ringoldswilerin. «Meine Eltern haben mich nämlich trotz des Einwands der Behörden so genannt, wie sie wollten.» Lesen wolle sie diesen berndeutschen Namen hier aber nicht mehr. Maria gefalle ihr besser.

Auf dem Spaziergang vorbei am Bethlehem-Stern im Tscharnergut zur reformierten Kirche realisieren Josef und Maria, dass sie Gemeinsamkeiten haben: Beide sind verheiratet und kinderlos. Beide haben Jahrgang 1965 und arbeiten ähnlich lange bei der Post (Josef 10, Maria 14 Jahre). Und: An Weihnachten steht weder bei Josef in Belp noch bei Maria in Thierachern ein Tannenbaum im Haus. Denn sie feiern mit ihren Ehepartnern Ursula und René anderswo bei Verwandten. Josef ist am 24. Dezember traditionell in Stans – «die Mitternachtsmesse gehört dazu» – Maria bei ihrer Mutter: «17 Personen sitzen jeweils am Tisch!»

Noch ist die Kirche nicht weihnächtlich dekoriert, aber die Sonne zaubert ein Schattenbild von Jesus an die Wand. Maria und Josef setzen sich dazu. «Du würdest in deiner Kleidung heute auch als Pfarrer durchgehen», sagt Maria. Josef nimmts schmunzelnd zur Kenntnis.

Kulturell interessiert und kreativ sind beide. Josef fotografiert in seiner Freizeit seit vielen Jahren (joebuergi.ch); Mitte Januar reist er in den Südsudan, um die abgelegene Volksgruppe der Mundari abzulichten. «Afrika fasziniert mich schon lange. Dort trifft man auf so viele ausdrucksstarke Gesichter.» Maria leitet eine Kinder-Trachtentanzgruppe in Wichtrach, sammelt selbst Trachten und ist Mitglied des Jodlerklubs Thierachern (jodlerklubthierachern.ch), wo sie auch immer mal wieder Theater spielt. Und sie bastelt fürs Leben gern – seit Jahren schenkt sie ihren fünf Patenkindern – sie sind zwischen 5 und 26 Jahre alt – selbstgemachte Adventskalender.

Zurück im Tscharnergut – im Café Tscharni (s. Kasten) – geniessen Maria und Josef einen Kaffee. Eine Gruppe junger Menschen sticht hinter der Theke erste Weihnachtsplätzchen aus. Langsam, aber sicher rückt das Fest näher. Im Stall übernachten wird hier jedoch niemand. Ebenso spontan wie die Begrüssung ist deshalb auch der Abschied. Josef erhebt sich und sagt: «Tschüss Maria, bis im nächsten Jahr wieder hier!»

Weihnachtspost aus Bethlehem

Am 11. Dezember (nur 13–17 Uhr) und vom 12. bis 14. Dezember (je 9–12 und 13–17 Uhr) ist die Sonderfiliale im Café Tscharni (Quartierzentrum Tscharnergut, Waldmannstrasse 17) wieder geöffnet. Dort können Sie Ihre Weihnachtsgrüsse mit einer Weihnachtsbriefmarke frankieren und mit dem diesjährigen Sonderpoststempel versehen lassen. Jedes Jahr pilgern viele Postfans aus der ganzen Schweiz nach Bern-West, um diesen zu ergattern.

Weihnächtliche Vornamen bei der Post

Josef: 196

Joseph: 48

Maria: 840

Jesus: 12

Nikolaus: 7

Niklaus: 41