Jung, dynamisch und schon Chef

Die Filiale Wollishofen Zürich wird von Lernenden geführt und feiert nun ihr zehnjähriges Jubiläum.

12.09.2018
Text: Claudia Langenegger; Fotos: Sophie Stieger
  • Bei Fragen holt Mirjeta Qerimi ihren Chef Samuel Papa und bespricht mit ihm ihre Anliegen.

    Bei Fragen holt Mirjeta Qerimi ihren Chef Samuel Papa und bespricht mit ihm ihre Anliegen.

  • Erika Valdez de Léon versorgt ein Paket im Gestell.

    Erika Valdez de Léon versorgt ein Paket im Gestell.

  • Aisha Hugger isst mittags im Pausenraum und unterhält sich mit ihren Kolleginnen über alles Mögliche, was sie beschäftigt.

    Aisha Hugger isst mittags im Pausenraum und unterhält sich mit ihren Kolleginnen über alles Mögliche, was sie beschäftigt.

  • Ardita Limani und Joel Zehnder bei der Arbeit am Schalter

    Ardita Limani und Joel Zehnder bei der Arbeit am Schalter

«Grüezi», sagt Samuel Papa mit einem freundlichen Lachen im Gesicht. Der Lernende steht auf, gibt zur Begrüssung die Hand, stellt sich vor und sagt: «Ich bin der Chef.» Tatsächlich: Der 18-jährige Mann mit dem gelockten Haar und der modischen Brille führt nun während gut zwei Monaten die neun Mitarbeitenden der Post Wollishofen in Zürich. Denn auf dieser Filiale arbeiten bis auf die beiden Betreuer ausschliesslich Lernende im zweiten und dritten Lehrjahr.

«Ich finde es toll, dass man mehr Kompetenzen hat als anderswo und im dritten Lehrjahr schon Chef sein kann», sagt Samuel Papa. Alle Drittlehrjahrs-Stifte nehmen hier während jeweils zweieinhalb Monaten die Chefposition ein. «Ich lerne Selbstständigkeit und auch etwa, wie ich mit Kundenreklamationen umgehen kann. Das managen wir selbst», sagt der junge Zürcher stolz.

Gute Stimmung, coole Aufgaben

Auch die Arbeitsatmosphäre stimmt: «Wir sind alle jung und können über alle Themen reden.»

Ähnlich tönt es von Aisha Hugger, seiner Stellvertreterin. Sie betreut nun während zweieinhalb Monaten die Hauptkasse und macht die Warenbewirtschaftung des Shops. Die 17-jährige Thurgauerin hat einen Arbeitsweg von fast eineinhalb Stunden, diesen nimmt sie jedoch gerne auf sich. «Es ist eine einmalige Chance, hier zu arbeiten. Wir haben hier coole Aufgaben.» Sie mag die Verantwortung und die Selbstständigkeit. Und: «Es macht Spass, weil alle jung sind.»

Man versteht sich und interessiert sich für die gleichen Themen: Im Pausenraum spricht man nicht über Kinder, Haus und Garten, sondern über Schminken, Ausgang, Shoppen und geniesst «Storytime» – Zeit, in der man allerhand Geschichten aus dem Privatleben austauscht.

Coach für alle Fälle

Damit auch für die Kundinnen und Kunden alles perfekt klappt, ist Kundenberater und Ausbildner Urs Schanz und seine Kollegin für die Lernenden da. «Wir helfen ihnen und unterstützen sie», erklärt er. «Wir beantworten Fragen und sind da, wenn es knifflige Probleme zu lösen gibt.» Etwa wenn es um Rücksendungen von Gerichtsurkunden geht oder wenn jemand zum ersten Mal ein Handy-Abo verkauft.

Die Lernendenfiliale wurde vor zehn Jahren eröffnet – als erste schweizweit. Heute gibt es sechs weitere Filialen, die von Lernenden des zweiten und dritten Lehrjahrs geführt werden: Prilly, Basel Spalen, St. Gallen St. Finden, Chêne-Bourg, Luzern Hirschengraben und Lugano-Cassarate.

Zehnjährige Erfolgsgeschichte

Urs Schanz freut sich, er dieses Jubiläum erlebt. Die Filiale bietet sowohl für die Post als auch für die Lernenden viele Vorteile: «Wer hier die Ausbildung gemacht hat, ist selbständiger, denkt vernetzt und kann seine Kompetenzen besser einschätzen», sagt er. Und: Nachwuchsprobleme kennt man hier kaum. Jedes Jahr schnuppern und bewerben sich viele Erstjahrlernende.

Zwischendurch gibt es erstaunte Kunden – etwa dann, wenn sie den Chef verlangen und dann eine 18-jährige junge Frau vor ihnen steht. Doch die Reaktionen sind eigentlich rundum positiv. «Die jungen Leute hier sind immer so freundlich» – dies hört man von den Kundinnen und Kunden der Post Wollishofen sehr häufig als Rückmeldung.