Vier Ziffern für ein Halleluja

Wie gross muss ein Ort sein, um eine eigene Postleitzahl zu erhalten? Nicht sehr gross, wie das Kloster Fahr zeigt. Zu Besuch in der kleinsten amtlichen Ortschaft der Schweiz.

21.08.2018
Text: Sandra Gurtner; Fotos: Annette Boutellier
  • Schwester Petra schreibt leidenschaftlich gerne Briefe.

    Schwester Petra schreibt leidenschaftlich gerne Briefe.

  • In der für die Schwestern vorbehaltenen Klausur verteilt Schwester Michaela (links) die Post.

    In der für die Schwestern vorbehaltenen Klausur verteilt Schwester Michaela (links) die Post.

  • Klostermitarbeiterin Berta Müller (links) organisiert den Postein- und ausgang im öffentlich zugänglichen Klosterbereich.

  • Darf auf der klösterlichen Post natürlich nicht fehlen: die Papstbriefmarke.

    Darf auf der klösterlichen Post natürlich nicht fehlen: die Papstbriefmarke.

  • Markus Zihlmann ist Zusteller im kleinsten Ort der Schweiz.

    Markus Zihlmann ist Zusteller in der kleinsten Ortschaft der Schweiz.

Gerade einmal zwei Haushalte fallen unter die Postleitzahl 8109: ein Kloster und das dazugehörige Restaurant. Beide befinden sich in der aargauischen Enklave Kloster Fahr mitten im Kanton Zürich. Dies fordert den Kloster-Pöstler Markus Zihlmann von der Briefzustellregion Zürich-Limmattal immer wieder heraus: «Der 1. Mai ist im Kanton Zürich ein Feiertag. Da erhalten die Schwestern und das Restaurant ausnahmsweise keine Post.» Auch sonst gestaltet sich der postalische Alltag hier etwas anders als bei der weltlichen Bevölkerung: «Es fällt auf, dass fast ausschliesslich handgeschriebene Briefe ge- und versendet werden. Pakete von Zalando hatten wir bisher noch keine», erklärt Klostermitarbeiterin Berta Müller.

«No demand für On Demand»

Auch bei den Postdienstleistungen mögen es die 20 Benediktinerinnen traditionell: «SMS-Briefmarken oder pick@home waren hier meines Wissens noch nie im Einsatz», erzählt Markus Zihlmann. «Dafür nimmt die Postmenge an Weihnachten, Ostern oder speziellen Namenstagen stark zu. In diesen Zeiten erreichen auffällig viele liebevoll gestaltete Couverts die Schwestern oder werden von ihnen versendet.» Was er an dieser Adresse auf seiner Route besonders schätzt: «Die Stimmung ist einmalig. Es ist ruhig und friedlich, und alle sind stets gut gelaunt. Das ist längst nicht überall so.»

Kloster-Pakete sind hoch im Kurs

Neben Briefpost versenden die Schwestern vor allem viele Pakete. Diese enthalten im Kloster hergestellte Produkte wie Paramente, Wein, Obstbrände, Honig oder eingelegtes Gemüse und haben Empfängeradressen in der ganzen Welt. Apropos weite Welt: Auch Benediktinerinnen fahren in die Ferien. Und zwar in andere Klöster, von wo aus sie Wanderungen unternehmen und ihre Liebsten mit Postkarten beglücken.

Zahlen und Fakten

Es gibt in der Schweiz rund 4400 Postleitzahlen, sie wurden 1964 eingeführt. Die erste Ziffer wurde geografisch von Westen nach Osten vergeben, die zweite weist auf das Gebiet hin und die dritte wurde aufgrund der Bahn- oder Busstrecken festgelegt. Das Kloster Fahr ist zwar keine selbstständige politische Gemeinde, aber eine «amtliche Ortschaft» – ein geographisch abgegrenztes Siedlungsgebiet mit eigenem Namen und eigener Postleitzahl.