Vom Zusteller zur Zustellerin

Bis vor einem Jahr war Stefanie noch Thomas. Die 31-jährige Zustellerin freut sich, dass die Post ihren Namenswechsel akzeptiert hat. Und sie ist dankbar, dass es das Mitarbeiternetzwerk RAINBOW gibt.

01.05.2018
Text: Mathias Riedel; Fotos: Béatrice Devènes
  • Stefanie Portner.

  • Stefanie Portner mit einem Kunden auf ihrer Zustelltour in Flamatt. Das Foto stammt aus dem Shooting für die Post.

    Stefanie Portner mit einem Kunden auf ihrer Zustelltour in Flamatt. Das Foto stammt aus dem Shooting für die Post.

Dass sie sich als Mann nicht wohl fühlte und lieber in einem Frauenkörper leben möchte, merkte sie schon vor Langem. In ihrem 30. Lebensjahr war es dann soweit: Thomas Portner hatte den Mut, die Geschlechtsangleichung in die Wege zu leiten, endlich Stefanie zu sein. Zurzeit nimmt die in Schwarzenburg wohnhafte Zustellerin Hormone, und nächstes Jahr steht die Operation an.

Wie erkläre ich das alles meinem Umfeld? Werde ich gar meine Stelle verlieren? Solche Fragen wurden für Stefanie akut. Via HR-Beraterin stiess sie auf das Mitarbeiternetzwerk RAINBOW (siehe Kasten). «Ich wusste: Wenn ich ein Problem habe, kann ich mich an die Leute von RAINBOW wenden. Das machte mir Mut», sagt die heute 31-Jährige. Sie halfen ihr, administrative und soziale Hürden zu nehmen. Die grösste Herausforderung bei der Post war es, in den Personalakten zur Frau zu werden, obschon sie gemäss Pass noch ein Mann ist.

Über die Identität reden

Stefanie machte bereits ihre Lehre bei der Post. Seit 15 Jahren arbeitet sie als Zustellerin für PostMail in den Kantonen Bern und Freiburg. Ihren Teamkollegen und -kolleginnen outete sie sich in persönlichen Einzelgesprächen als Transfrau. Weil sie weder mit Stöckelschuhen noch im Fummel zur Arbeit kam, sah man ihr ihre neue Identität nicht sofort an. «Die Zusammenarbeit im Team hat sich überhaupt nicht verändert, und ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit», sagt Stefanie. Doch wie reagieren die Kunden, wenn ihr Pöstler über Nacht zur Pöstlerin wird? «Nur wenige sprachen mich darauf an – und zeigten sich dann allesamt verständnisvoll», so Stefanie.

Am schwierigsten zu verdauen war der Wechsel für ihre Eltern und ihre beiden Schwestern. «Sie kannten mich schliesslich schon ihr ganzes Leben lang als Thomas.» Es stellte sich aber heraus, dass es seit der Kindheit Anzeichen gab, dass sich sie nicht wohl fühlte mit ihrer Identität.

Fotomodell für die Post

Dem Netzwerk RAINBOW ist Stefanie Portner bis heute treu geblieben. Ihr Highlight ist jeweils der gemeinsame Besuch der Prides, der grossen Paraden für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intersexuelle (LGBT+). Dank dem RAINBOW-Kernteam finden LGBT+-Sujets in Kürze Eingang in die Bildwelt Post. So kann in einer Werbung oder Präsentation auch mal ein schwules Paar oder eine Transgenderfrau gezeigt werden. Die Models sind zum grossen Teil Postmitarbeitende – unter ihnen auch Stefanie Portner. «Ich will eine Botschafterin sein für diejenigen, die Ähnliches durchleben.» Denn: «Ja, es ist möglich, vom Pöstler zur Pöstlerin zu werden!»

Für ein weiteres Shooting im Mai werden noch Models gesucht. Bitte beim Netzwerk RAINBOW melden!

Das Netzwerk RAINBOW

Das Mitarbeiternetzwerk RAINBOW existiert seit 2015. RAINBOW bietet Infos und Aktivitäten zum Thema Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle (LGBT+). Und es berät die Konzernleitung und andere Vorgesetzte im Umgang mit diesen Themen. RAINBOW ist jeweils auch an den nationalen LGBT-Grossanlässen aktiv: Dieses Jahr am 2. Juni an der Pride Lugano und am 16. Juni an der Pride Zürich. Das Netzwerk ist im Intranet (pww.post.ch/RAINBOW), auf PostConnect (offene Gruppe RAINBOW) und auf Facebook präsent und erreichbar unter rainbow@post.ch.