Liberty freut sich auf die Freiheit

Das Benzintöffli hat viel erlebt während seiner Zeit im Dienst der Post. Im Dezember 2016 hat es seine letzte Zustelltour absolviert.

17.01.2017
Text: Muriel Baeriswyl; Fotos: Annette Boutellier
  • Töffli steht vor dem Haus, Zusteller vertielt Post.

    Das Töffli und Zusteller Thimo Arnold auf der letzten Zustelltour.

  • Zusteller tankt Töffli.

    Thimo Arnold tankt sein Benzintöffli ein letztes Mal.

  • Töffli steht auf der Strasse.

    Das Töffli hat sich für die letzte Tour nochmals herausgeputzt.

Ein Fuchsschwanz baumelt am Schlüsselbund, der Name ziert in pinkem Schriftzug die Front: Liberty! Ein bisschen Rost hat sich am Auspuff des Rollers angesetzt, ansonsten ist er noch top in Form. Es ist kalt im Dezember in Stein am Rhein, doch es wird ein ereignisreicher Tag für das Benzintöffli, denn es bricht zusammen mit Zusteller Thimo Arnold auf zu seiner letzten Fahrt.

Eine erlebnisreiche Zeit

1970 – das Jahr, in dem sich die legendären Beatles trennten – war auch für die Pöstler ein bedeutendes Jahr. Mussten sie bis dahin die Briefe zu Fuss oder mit dem Fahrrad austragen, kam nun das erste Kleinmotorrad, auch Klemo genannt, zum Einsatz. 1500 Stück wurden bestellt. Eine Erfolgsgeschichte: Die Klemos entlasteten das Personal und reduzierten die Zustellzeiten. 1985 waren schweizweit bereits 3560 Kleinmotorräder im Einsatz. Zu Spitzenzeiten waren bis zu 7500 Benzintöffli für die Post auf den Strassen. Das Piaggio Liberty gehört nun zu den letzten seiner Gattung, denn die Benzintöffli und -roller wurden in den letzten Jahren systematisch gegen die umweltfreundlicheren und effizienteren Elektroroller eingetauscht.

In all den Jahren hat das Benzintöffli viel erlebt und gesehen: Ob als Hunde-WC oder Katzenschlafplatz, als zuverlässiges Transportmittel oder Lastfahrzeug - ja sogar als Bubentraum hat es gedient. So kam es, dass es 2007 mit einem USA-Fan auf der Route 66 durch Amerika fahren durfte (Bericht in der Mitarbeiterzeitung Mai 2008 PDF). Die Zollbeamten konnten zwar am Anfang mit dem gelben Mofa wenig anfangen, doch aufgrund seines Zweitaktmotors wurde es kurzerhand als Zweirad-Rasenmäher deklariert und konnte legal ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten einreisen.

Robust waren sie alle; seien es die noch heute bei Sammlern beliebten Modelle «Puch Velux» und «Piaggio Boxer» oder später die Roller «Piaggio Free» und «Piaggio Liberty». Ausser kleineren Verschleissreparaturen wie abgebrochene Ständer oder verbogene Bremshebel, war das Töffli genügsam und machte kaum Probleme. Einzig mit der Stabilität hatte es etwas Mühe. Schon ein kleiner Windstoss reichte, um das Töffli zu Fall zu bringen.

Elektroroller übernehmen

Das Töffli ist nun unterwegs nach Schwarzenburg, wo es im Depot des Museums für Kommunikation seinen verdienten Ruhestand geniessen wird. Seinen Dienst haben Schritt für Schritt die Dreiradroller (DXP) übernommen. Neben den zahlreichen Vorteilen im Bereich der Effizienz und Umweltfreundlichkeit können sich die Zustellerinnen und Zusteller noch über einen ganz praktischen Vorteil freuen: Der Benzindeckel kann nicht mehr verloren gehen, was ihnen künftig einen Rüffel in der Werkstatt erspart.

Sei dabei bei der letzten Fahrt des Bezintöfflis: Link

Persönlich

Im Einsatz seit: 1970

Anzahl zu Spitzenzeiten: 7500 Stück

Nutzlast des Zweiradrollers: 43 kg auf dem Roller und 46 kg im Anhänger

Ein zweites Leben für Postrollerbatterien

Im Rahmen des Projektes „Ein zweites Leben für Postrollerbatterien“ werden aussortierte Batterien aus Postelektrorollern zu stationären Stromspeichern umgebaut, um vor Ort Solarstrom zu speichern. Der Zweiteinsatz der Rollerbatterien ermöglicht beste Ressourceneffizienz und eine positive Ökobilanz. Der erste derartige Speicher ist in der Umwelt Arena in Spreitenbach verbaut.