Kein Job für Gfrörlis

Marcel Gerber arbeitet bei Post Immobilien Management und Services AG als Eismeister. Auch das ist die Post.

14.02.2017
Text: Lea Freiburghaus; Fotos: Béatrice Devènes
  • Er ist die Kälte gewohnt, Eismachen ist sein Job: Eismeister Marcel Gerber auf dem Fahrersitz.

    Er ist die Kälte gewohnt, Eismachen ist sein Job: Eismeister Marcel Gerber auf dem Fahrersitz.

  • Seit 2009 zieht Eismeister Gerber seine Kurven in der PostFinance-Arena.

    Seit 2009 zieht Eismeister Gerber seine Kurven in der PostFinance-Arena.

  • Insgesmat drei Eismaschinen stehen den acht Eismeistern fürs Saubermachen zur Verfügung.

    Insgesmat drei Eismaschinen stehen den acht Eismeistern fürs Saubermachen zur Verfügung.

  • In den Pausen eines Nati-A-Spiels sind immer zwei Eismaschinen gleichzeitig im Einsatz – da muss man sich genau an die Absprachen halten.

    In den Pausen eines Nati-A-Spiels sind immer zwei Eismaschinen gleichzeitig im Einsatz – da muss man sich genau an die Absprachen halten.

  • Wie schön es glänzt ...

    Wie schön es glänzt ...

  • Die Spiegel braucht es nur zum Parkieren: Während der Fahrt orientiert sich Marcel Gerber an unsichtbaren Fixpunkten auf der Maschine.

    Die Spiegel braucht es nur zum Parkieren: Während der Fahrt orientiert sich Marcel Gerber an unsichtbaren Fixpunkten auf der Maschine.

  • Damit es auch den Rändern entlang schön sauber ist.

    Damit es auch den Banden entlang schön sauber ist.

  • Über 1000 Liter Wasser fasst die Eismaschine: Was vorne an Eis weggehobelt wird, muss hinten in Form von Wasser wieder zugeführt werden.

    Über 1000 Liter Wasser fasst die Eismaschine: Was der Schlitten an Eis weghobelt, muss dann in Form von Wasser wieder zugeführt werden.

  • Das Eismeisterequippment immer zur Hand.

    Das Eismeisterequippment immer zur Hand.

  • Zum Schluss wird der Abrieb geleert

    Zum Schluss wird der Abrieb geleert.

Es ist bitterkalt, die berühmt-berüchtigte Stehrampe der PostFinance-Arena liegt im Halbdunkel. Irgendwo plätschert Wasser, die Autobahn rauscht. Marcel Gerber startet den Motor «seiner» Engo 230 RT und fährt durch den «Bäregrabe» Richtung Arena. Auf dem Eis angekommen, lässt er den Schlitten der Eismaschine hinunter. Routiniert zieht er seine Kreise, das Eis spiegelt.

Dieses Prozedere wird sich am heutigen Tag noch einige Male wiederholen. Je nach Trainingsplan der SCB-Mannschaften wird das Eis mehr oder weniger oft gereinigt. Ein Team von acht Eismeistern kümmert sich während der Saison um das Eisfeld in der Arena. Dazu kommen die Felder in der Trainingshalle und draussen vor dem Stadion.

Zufallstreffer

Marcel Gerber ist eher zufällig zum Job als Eismeister gekommen. «Ich arbeitete während des Stadionumbaus als Elektriker auf der Baustelle und lernte dabei meinen jetzigen Chef kennen», erinnert er sich. Der Objektleiter der PostFinance-Arena, Stefan Küng, war damals auf der Suche nach einem Stellvertreter. Der gelernte Kaufmann und Elektriker Marcel war wie geschaffen für die Stelle.

«Es gibt keine Ausbildung zum Eismeister», meint der 35-Jährige auf die Frage, wie er das sogenannte Eismachen denn seinerzeit gelernt habe. «Jede Anlage ist anders und hat ihre Besonderheiten. Hier in der PostFinance-Arena spielen die klimatischen Bedingungen eine grosse Rolle.» Die Halle ist gedeckt, aber nicht geschlossen. «Wenn es draussen kalt und trocken ist wie jetzt, dann geht das Eismachen fast von selbst», erzählt er. Schwierig sei es hingegen zu Beginn und gegen Ende der Saison. «Die bis zu vier Zentimeter dicke Eisschicht wird weich, der Puck langsam und das Passspiel ungenau», weiss der Amateurhockeyspieler aus eigener Erfahrung.

Eiskalte Leidenschaft

Mit der Zeit und der wachsenden Routine weiss man immer besser, was gutes Eis ausmacht. «Die Kunst besteht darin, das, was beim Putzen vorne weggehobelt wird, hinten in Form von Wasser wieder dazuzugeben», erklärt Marcel. Das Eis muss aber nicht nur gut sein, sondern auch gut aussehen. Jährlich wird dafür ein Award verliehen – die Eismeister der PostFinance-Arena waren die letzten Jahre immer in den Rängen. Eine Jury beurteilt anhand von Fernsehbildern, wie die Werbung der Sponsoren auf dem Eis zur Geltung kommt.

Marcel Gerber hat sich schon als Bub für Hockey interessiert und das Geschehen in den obersten Ligen mitverfolgt. Seit er als Eismeister tätig ist, hat er den Unihockey- gegen den Eishockeystock getauscht und ist SCB-Fan geworden. «Wir freuen uns mit, wenn die erste Mannschaft siegt», erzählt er. Schliesslich hängt die Länge der Eissaison von ihrem Erfolg ab. Doch irgendwann im April ist jede Saison zu Ende. Und was macht Eismeister Gerber, wenn nicht Saison ist? «Sobald alles aufgeräumt und instand gestellt ist, winken die grossen Ferien.» Denn bereits im Juli beginnt die nächste Eiszeit.

Persönlich

Marcel Gerber (35) wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen (3 und 1) in Brenzikofen

Seit 2009 arbeitet er als Eismeister in der PostFinance-Arena

Davor war er als Elektriker tätig

Abgeschlossene KV-Lehre

Seine Freizeit verbringt er mit seiner Familie oder beim Fischen auf dem Thunersee

Im Winter spielt er Eishockey