«Ich schwimme gerne gegen den Strom»

Kaum fertig mit der Ausbildung, führte Romina Frey als 18-Jährige schon 25 Mitarbeitende im Briefzentrum Zürich-Mülligen.

Ausgabe 4/2018
Text: Simone Hubacher; Fotos: Monika Flückiger
  • Romina Frey im Paketzentrum Härkingen.

  • Romina Frey im Paketzentrum Härkingen.

  • Janis Häberli und Romina Frey sprechen sich ab.

  • Romina Freys Arbeitsplatz.

«Ich hatte schon als Kind eine grosse Klappe», antwortet Romina Frey auf die Frage, ob sie schon früh eine Draufgängerin war, «und ich schwamm gerne gegen den Strom, färbte meine Haare als Jugendliche pink zum Beispiel.» Heute gibt die 23-Jährige, längst wieder mit dunklen langen Haaren, mächtig Gas im Job und absolviert schon das zweite Kadernachwuchsprogramm innerhalb des Konzerns. «Auf den Punkt gebracht geht es dabei darum, eine junge Führungsperson on the Job auf eine leitende Position anzulernen», so Romina Frey in ihrem Büro im Paketzentrum Härkingen.

Auch Schichtarbeit

Die Thunerin, die sich von 2011 bis 2014 bei der Post in Bern, Ostermundigen und Thun zur Kauffrau ausbilden liess, wollte auch nach Lehrabschluss bei der Post bleiben. «Online stiess ich auf ein Inserat: Das Briefzentrum Zürich-Mülligen suchte Kadernachwuchs mit der Zielfunktion Teamleiterin. Ich war neugierig, also bewarb ich mich», so Romina Frey. Ihre Kolleginnen verstanden die Welt nicht mehr – schon nur das Wort Schichtarbeit wirkte abschreckend. Für die Hobbytänzerin (Rock’n’Roll) hingegen kein Hinderungsgrund, im Gegenteil. Genau diese eine Bewerbung schickte sie ab – und begann wenig später in Schlieren zu arbeiten.

Ein halbes Jahr lang begleitete sie dort viele Prozesse in den Bereichen Wareneingang, Sortierung, Warenausgang und mehr. «Nach sechs Monaten drückte mir mein Post-Götti ein Funkgerät in die Hand mit den Worten: Ab jetzt bist du Teamleiterin Blau. Mach mal!» So wurde Romina Frey als 18-Jährige über Nacht zur Vorgesetzten von 25 Mitarbeitenden aus 23 Nationen. «Ich erstellte Arbeitspläne, führte Führungs- und Beurteilungsgespräche. Manchmal war ich auch überfordert – etwa wenn es um Krankheitsfälle ging», gibt sie zu. Eher Mühe mit der 18-jährigen Teamleiterin hatten die in der Hierarchie Höhergestellten: «Auf meine Fragen erhielt ich öfters Antworten wie «das wirst du auch noch lernen, wenn du älter bist». Romina Frey liess sich nicht verunsichern und wurde nach zwölf Monaten im Kadernachwuchsprogramm feste Teamleiterin – ohne Götti! 2017 leitete sie während zehn Monaten gar das Frankierzentrum in Mülligen.

Fast papierlos unterwegs

Weil Learning by Doing absolut ihr Ding ist, startete Romina Frey im Oktober 2017 ihr zweites On-the-Job-Kadernachwuchsprogramm zur Produktionsleiterin in Härkingen – dieser Lehrgang setzt schon Führungserfahrung voraus. Derzeit beschäftigt sie sich auch hier mit Prozessen und bringt dem Team den Umweltgedanken näher. «Ich drucke höchstens fünf Blätter pro Woche aus. Meine Handyhülle ist kompostierbar und ich verwende keine Pappbecher.» Dass die Mehrheit ihrer U30-Disponenten noch skeptisch gegenüber dem papierlosen Büro sind, habe sie überrascht. Aber: «Ich habe mich schon immer für Dinge eingesetzt, die mir wichtig waren», sagt sie schmunzelnd. Jedoch achte sie heute viel mehr als früher darauf, das Gegenüber mit ihrer direkten Art nicht zu überrennen. Denn dass es ein Team zusammen und mit der Vorgesetzten gut habe, sei ihr wichtig.

Die Kadernachwuchsprogramme

Bei der Post mangelt es an jungen Führungspersonen. Deshalb sind verschiedene Nachwuchsprogramme zustanden gekommen. Während ein bis drei Jahren durchlaufen die Absolventen diverse Arbeitsstationen. Zielfunktionen sind Team- oder Produktionsleiter. Im Fokus stehen dabei das Fachwissen und dass der Kadernachwuchs (KNW) Verantwortung übernehmen kann. Freie Stellen sind fortlaufend in der Jobbörse der Post ausgeschrieben.