Ein Leben für den Tanz

Nadine Germann hat Ballett und Stepptanz gegen Rock’n’Roll-Kicks eingetauscht. Ihre Formation wurde schon sieben Mal Schweizermeister.

22.11.2016
Text: Claudia Iraoui; Fotos: Alessandra Leimer
  • Harte Arbeit und viel Leidenschaft: das Rezept der Angeli's Ladies Formation, um wieder Nummer eins zu werden.

    Harte Arbeit und viel Leidenschaft: das Rezept der Angeli's Ladies Formation, um wieder Nummer eins zu werden.

Auch sitzend wirkt Nadine Germann feingliedrig und beweglich, versprüht Energie. Die 19-Jährige absolviert in der Hauptpost Schaffhausen das dritte Lehrjahr zur Detailhandelsfachfrau. Ihre grosse Liebe gilt jedoch dem Tanz. Schon als Kind übte sie mit Leidenschaft Ballett und Stepptanz. «Mit etwa elf Jahren musste ich etwas anderes suchen, da unsere Stepp-Gruppe aufgelöst wurde. Ich nahm mir eine Auszeit, um nachzudenken», erinnert sich Nadine und streicht sich ihre Löwenmähne aus schwarzen Locken energisch aus dem von einer Brille eingerahmten Gesicht. Aber Stillstand ist nicht das Ding der jungen Frau. So meldete sie sich für eine Schnupperstunde in einer Rock’n’Roll-Formation an. Und es war Liebe auf den ersten Blick. «Nun mache ich diesen Sport seit acht Jahren. Ich merkte sofort, dass es das war, was ich gesucht hatte: Trainings in der Gruppe, körperliche Anstrengung und tanzen zu mitreissender Musik», schwärmt die Postmitarbeiterin.

Synchron und im Rhythmus

Im Formationstanz bilden maximal 16 Tänzerinnen und Tänzer ein Team, das gegen andere Teams antritt. Auf der Basis des dynamischen Rock’n’Roll-Sprungschritts werden die Choreografien zu aktueller Chartmusik mit modernen Formen des Jazz, Hip-Hop oder weiteren Tanzstilen ergänzt. «Perfekte synchron getanzte Figuren und ein äusserst exakter Rhythmus bilden die Grundlagen dieses Sports», erklärt Nadine. Ziel ist es, auf nationaler Ebene so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um sich für die Europa- und Weltmeisterschaften zu qualifizieren.

Seit der Schnupperstunde ist viel Zeit vergangen. Dank intensiven wöchentlichen Trainings ist Nadine mit dem Team der Angeli's Ladies Formation schon mehrmals Schweizermeisterin geworden. «Die Turniere sind sehr anstrengend.» Der Wecker klingelt am Morgen jeweils sehr früh, aber die Formationen sind praktisch als Letzte an der Reihe. Trotzdem müssen die Tänzerinnen stets strahlend lächeln, auch bei den schwierigsten Teilen einer Choreografie. «Nach einer dreiminütigen Vorführung bin ich immer ausser Atem!»

Gewinnen ist nicht alles

2014 konnten die Angeli‘s Ladies an den Schweizermeisterschaften zum ersten Mal seit sieben Jahren nicht zuoberst aufs Podest steigen. «Der Verlust des Titels», sagt Nadine kämpferisch, «sollte uns motivieren, uns noch mehr anzustrengen, um ihn nächstes Jahr wieder zu holen. Gewinnen ist für mich sehr wichtig, aber nicht alles. Wir wollen auch Spass haben!» Die Angeli's Ladies erzielen regelmässig gute Resultate auf internationalem Niveau: An den Europameisterschaften in Rimini wurden sie 14., an den Weltmeisterschaften in Winterthur 9. «Mit den osteuropäischen Teams können wir allerdings noch nicht mithalten», bedauert Nadine.

Nadine schliesst ihre Lehre bei der Post im Juli ab, aber sie weiss schon jetzt, dass sie nicht in die Fussstapfen ihres Vaters, eines Briefboten, treten wird. «Ich würde gern die Berufsmatur machen und danach Physiotherapeutin werden. Anderen zu helfen, macht mich glücklich, und die Arbeit mit dem menschlichen Körper interessiert mich.» Wir sind sicher, dass Nadine dieses Ziel dank ihrem angeborenen Ehrgeiz erreicht. Und zweifellos wird sie auch weiterhin tanzen.

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Persönlich

Nadine Germann ist 19 und lebt zusammen mit ihrer Familie in Merishausen (SH). Auch ihr Vater arbeitet bei der Post. In ihrer Freizeit geht sie neben den Rock’n’Roll-Trainings ins Fitnessstudio, spielt Klavier und unternimmt gerne etwas mit ihren Freunden. Ausserdem würde sie gerne Cello und Gitarre spielen lernen.