Die Geschichte von Majed

Die Post engagiert sich für die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt. Einer davon ist der Syrer Majed Kerdy.

26.04.2017
Text: Sandra Gonseth; Fotos: Annette Boutellier
  • Syrischer Flüchtling

    Majed Kerdy ist einer von sechs Flüchtlingen, die bei der Post eine Vorlehre machen.

  • Majed Kerdy mit Lernendem

    Dank seinen guten Deutschkenntnissen hat sich Majed Kerdy in Härkingen gut integriert.

  • Syrischer Flüchtling

    Die Flüchtlinge werden vor allem beim Ein- und Auslad sowie an der Rampe eingesetzt.

  • Syrischer Flüchtling mit Lernendem

    Teamwork: Majed Kerdy arbeitet gerne mit anderen Lernenden zusammen.

  • Syrischer Flüchtling

    Nach den ersten praktischen Erfahrungen bei der Post wird der 18-Jährige im August eine Kochlehre beginnen.

«Der Anfang in der Schweiz war nicht einfach», sagt der 18-jährige Majed Kerdy. Er steht an der Rampe im Paketzentrum Härkingen und hievt Paket für Paket auf das Rollband. Es ist laut hier, doch das scheint ihn nicht zu stören. Der Flüchtling aus Syrien absolviert eine Vorlehre im Paketzentrum Härkingen. «Ich sprach kein Deutsch und hatte keine Freunde», beschreibt er den schwierigen Start in ein neues Leben.

Fussballclub als Sprachschule

Majed Kerdy floh als 13-Jähriger mit seiner Mutter, der Schwester und einem Neffen vom kriegserschütterten Aleppo über die Türkei in die Schweiz. Nach einem Jahr in einem Auffanglager in Istanbul ging alles schnell: Dank einem positiven Familiennachzugsverfahren – seine zwei älteren Brüder lebten bereits in der Schweiz – landete die Familie plötzlich innerhalb von 24 Stunden in der Schweiz. Ein Kulturschock. Er schmunzelt noch heute, wenn er an seine erste Busfahrt denkt. «In Syrien gibt es keine Haltestellen, man klopft dem Busfahrer einfach auf die Schulter, wenn man aussteigen will.» Doch er wollte sich rasch integrieren und beherzigte den Ratschlag seines älteren Bruders, der als Archäologe in Basel tätig ist: «Suche dir einen Verein, dort lernst du die Sprache am schnellsten.» So fing der junge Syrer an, beim FC Grenchen Fussball zu spielen und lernte die ersten Brocken Deutsch.

Nur positive Erfahrungen

Die eigentliche Wende kam mit dem Besuch von Integrationskursen des Kantons Solothurn, die er während zweier Jahre besuchte: «Damit hat sich mein Leben positiv verändert.» Seine Augen leuchten, wenn er davon erzählt, wie er dort nicht nur das Sprachniveau B1 erlangte, sondern auch neue Freunde fand. Heute versteht er sogar Schweizer Dialekt. Er sei hilfsbereit, neugierig und lege eine gute Arbeitsqualität an den Tag, sagt sein Lehrlingsbetreuer Samuel Kropf. Die Lernenden werden hauptsächlich beim Ein- und Auslad der Pakete sowie bei der Rampe eingesetzt. «Wir haben nur positive Erfahrungen mit den vier Flüchtlingen gemacht, die wir im Rahmen einer Vorlehre beschäftigen.» Ein weiteres Plus: Oft verfügen die Asylsuchenden bereits über Arbeitserfahrung. Auch Majeds ältere Schwester Dima arbeitet im Paketzentrum und kann bald eine Lehre als Logistikerin EBA im benachbarten Briefzentrum beginnen.

Eigener Fussabdruck

Für Majed Kerdy selbst gibt es keine Möglichkeit für eine weiterführende Lehre bei der Post. «Wir haben leider nur eine sehr beschränkte Anzahl Plätze zur Verfügung», erklärt Samuel Kropf. Doch Majed hat bereits eine gute Alternative gefunden: Er wird in einem Solothurner Altersheim eine Kochlehre beginnen. «Die vielen positiven Erfahrungen bei der Post möchte ich nicht missen», meint er auf seine Integration in die Arbeitswelt angesprochen. Seine Geschichte wird ihn aber immer begleiten. Deshalb hat er mit ein paar Kollegen die Theatergruppe Futstep aufgezogen: «Wir sind eine gemischte Gruppe aus Flüchtlingen und Schweizern, die die Integration auf humorvolle Weise thematisieren und mit Vorurteilen aufräumen will.» Denn wenn er sich einen Bart wachsen lasse, gelte er gleich als Terrorist. Sein blonder Kumpel wirkt damit «stylish».

Vorlehre bei der Post

Die Vorlehre ist ein duales Brückenangebot für Jugendliche und junge Erwachsene, die aufgrund ihrer persönlichen oder schulischen Voraussetzungen mehr Zeit für den Einstieg in eine berufliche Grundbildung benötigen. Die Jugendlichen arbeiten dabei an drei Tagen pro Woche in einem Betrieb und lernen die Arbeitswelt kennen. An den restlichen Tagen besuchen sie die Berufsfachschule. Die Post beschäftigt erstmals Flüchtlinge in einer Vorlehre – vier im Paketzentrum Härkingen sowie zwei im Briefzentrum Härkingen.