Der Mann, der Ruhe brachte

Verwaltungsratspräsident Peter Hasler gibt sein Mandat am 26. April ab. Ein Rückblick auf seine sechs Jahre bei der Post.

19.04.2016
Text: Annick Chevillot; Fotos: François Wavre
  • Peter Hasler ist noch bis 26. April Verwaltungsratspräsident der Post.

    Peter Hasler ist noch bis 26. April Verwaltungsratspräsident der Post.

  • Peter Hasler ist noch bis 26. April Verwaltungsratspräsident der Post.

    Peter Hasler ist noch bis 26. April Verwaltungsratspräsident der Post.

  • Peter Hasler ist noch bis 26. April Verwaltungsratspräsident der Post.

    Peter Hasler ist noch bis 26. April Verwaltungsratspräsident der Post.

Peter Hasler tritt sehr gepflegt auf: dunkler Anzug, weisses Hemd, graublaue Krawatte, Brille mit Metallfassung. «Ich lege noch Wert auf diese Tradition», erklärt er. Wird sie denn in Frage gestellt? Ja, zum Beispiel das Tragen einer Krawatte am Arbeitsplatz. «Ich finde es wichtig, stets professionell und korrekt zu bleiben.» Der bald 70-Jährige schätzt es, wenn alles seine Ordnung hat, gut organisiert, strukturiert und eingerichtet ist.

Sein Büro wirkt spartanisch und ruhig, ganz im Gegensatz zu seinem lebhaften Blick und seiner warmherzigen und direkten Art. Sobald das Gespräch auf die Post kommt, ist er sichtlich begeistert. Seine Hände und Augen unterstreichen das Gesagte: «Was mir von meinen sechs Jahren an der Spitze des Verwaltungsrats in Erinnerung bleibt? Das Lachen, die Freude und die Fröhlichkeit, die fantastische Teamarbeit und das heitere Klima. Das Wort, das diese sechs Jahre am besten zusammenfasst, heisst jedoch Respekt.» Für Peter Hasler ist dies der wichtigste Punkt, und er nimmt sich Zeit zu erklären, weshalb. Der Respekt, das gegenseitige Vertrauen, seine Vorbildfunktion und die Freude an der Zusammenarbeit sind für ihn genauso wichtig wie die betrieblichen Ergebnisse der Post.

Diese sprechen für sich. Der Mensch jedoch braucht auch gute Beispiele, Vorbilder, führende Persönlichkeiten. Peter Hasler ist so eine: Er ist in der Lage, rund 62 000 Personen eine Richtung, eine Vision und Ziele vorzugeben. «Mein schönstes Resultat, das sind die Mitarbeitenden! Die Briefträger, die Fahrerinnen und Fahrer bei PostAuto, die Mitarbeitenden in den Verteilzentren und alle anderen. Sie sind und bleiben das eigentliche Kapital der Post. Das Unternehmen verfolgt eine langfristige Vision, es ist kein Start-up! Es muss nachhaltig arbeiten und sich für die Ewigkeit aufstellen, und das meine ich wirklich so. Und nur, wenn wir auf motivierte und engagierte Mitarbeitende zählen können, wird die Post langfristig erfolgreich sein.» Peter Hasler empfand das Arbeitsklima als positiv und schätzte vor allem die unzähligen Begegnungen, die er während seiner Amtszeit hatte: «Es war wunderbar, den Mitarbeitenden an allen Poststandorten Danke sagen zu können!» Auch hier geht es ihm um Respekt, seine Verantwortung und die Vorbildfunktion gegenüber allen, die sich Tag für Tag für den Erfolg der Post einsetzen.

Das gute Arbeitsklima steht in scharfem Kontrast dazu, was er bei seiner Wahl an die Spitze des Verwaltungsrats am 10. Januar 2010 wahrgenommen hatte: «Es war turbulent», erinnert er sich. «Aber als ich kam, kehrte Ruhe ein. Sofort!» Sein Geheimnis? Respekt, auch hier. «Wenn man seinem Gegenüber mit der gebotenen Achtung begegnet, ist die Reaktion immer positiv.»

Zwischen 2010 und 2016 kam es bei der Post zu zahlreichen Umstrukturierungen, die nicht immer einfach waren. Die Post wurde eine Aktiengesellschaft, die Digitalisierung beeinflusst sämtliche Unternehmensbereiche, E-Commerce hat ebenfalls Auswirkungen, die Mengen bei der Briefpost gehen stetig zurück, die Verhandlungen zum neuen GAV waren zäh, und sogar der Service public an sich wird bisweilen in Frage gestellt. «Herausforderungen gab es tatsächlich viele, aber ich hatte nie Angst zu handeln. Ich hatte das Glück, an diesen internen Umwälzungen beteiligt zu sein und ein paar davon anzustossen. Aber dies geschah immer besonnen und im Team.» Dinge zu bewegen und die Rädchen im Unternehmen bis ins kleinste Detail zu kennen, sind ebenfalls eine starke Motivation für einen Leader wie ihn.

Nächste Woche kann er endlich die Krawatte lockern und sein Büro jemand anderes überlassen. «Ich freue mich auf eine weniger überladene Agenda.»

Persönlich

Peter Hasler, geboren am 25. April 1946 in Neuhausen am Rheinfall

Wohnhaft in Grüt (Gossau) im Kanton Zürich

Verheiratet, zwei erwachsene Kinder, vier Enkel, ein Hund

Hobbys: Saxophon, Joggen, Velofahren im Sommer, Langlaufen im Winter

Hat seinen Militärdienst zuerst in Sitten bei der Artillerie geleistet, zuletzt als Auditor Div Ger 7, bei der Militärjustiz

Ist Mitglied der Zürcher FDP und Dr. jur. der Universität Zürich

Wurde 1974 zum Sekretär des Arbeitgeberverbands der Schweizer Maschinenindustrie ernannt, 1982 zu dessen Direktor

War von 1993 bis 2006 Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes

War Mitglied und auch Präsident von 15 Verwaltungsräten, unter anderem vom Universitätsspital Zürich, von der SUVA und der Schweizer Reisekasse REKA