Der Engel mit Reflektorjacke

Gérard Hellers Credo ist es, den Mitmenschen zu helfen. Seit fast 40 Jahren ist der Postbote Mitglied des Samaritervereins Colombier.

21.01.2014
Text: Claudia Iraoui; Fotos: Pablo Fernandez
  • Gérard Heller

    Mit Pupepe und Defibrillator zeigt Gérard Heller, wie man Leben rettet.

  • Gérard Heller

    «Wir Samariter sind das erste Glied in der Rettungskette.»

  • Gérard Heller

    Gérard Heller während des BLS-AED-Kurses in Colombier.

  • Gérard Heller
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    Bis es sitzt: Üben der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

  • Gérard Heller
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    Gérard Heller demonstriert, wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung korrekt ausgeführt wird.

Zwei Beatmungen, 30 Kompressionen, zwei Beatmungen, 30 Kompressionen: Bekleidet mit einer gelben Reflektorjacke führt Gérard Heller fachmännisch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch. Zum Glück ist dies kein Ernstfall: Der Postbote mit Jahrgang 1959 demonstriert die Reanimationstechnik in einem Kurs für lebensrettende Basismassnahmen und automatische externe Defibrillation (BLS-AED-Kurs) an einer Puppe. «Wir Samariter sind das erste Glied in der Rettungskette», erklärt er seinem aufmerksamen Publikum. «Wenn jemand einen Herzstillstand erleidet und ich nichts tue, endet dieser ziemlich sicher tödlich. Mache ich dagegen eine Herzmassage, so erhalte ich die Person am Leben, bis die Ambulanz eintrifft.» Und das kann gut 15 bis 20 Minuten dauern. Eine Ewigkeit, wenn ein Menschenleben an einem seidenen Faden hängt. Eine schnelle Reaktion, präzise Informationen und eine gute Portion Kaltblütigkeit können entscheidend sein. «Normalerweise passieren im Ernstfall weniger Fehler als bei einer Übung. Nach den ersten paar Schrecksekunden klärt sich der Geist, und der Körper bringt die Kraft auf, um die nicht unerhebliche Anstrengung einer Herzmassage zu meistern.»

Seit 40 Jahren Samariter

Schon als Kind träumte Gérard Heller davon, Rettungssanitäter zu werden und im Ambulanzwagen Menschenleben zu retten. Leider zerbrach dieser Traum, als er erfuhr, dass die Militärdiensttauglichkeit Voraussetzung für den Beruf des Rettungssanitäters war. Doch wenn man eine echte Berufung spürt, sollte man ihr unbedingt folgen. Und so entschloss sich Gérard Heller, Samariter zu werden. «Offiziell bin ich dem Samariterverein am 26. März 1976 beigetreten, doch tatsächlich war ich da schon seit zwei Jahren dabei», erinnert er sich. Sein Engagement war immer gross. 1992 wurde er Technischer Leiter des Samaritervereins Colombier-Bevaix (NE) und 2003 (am 13. September, wie er präzisiert) Instruktor. «Ich setze mich gern für andere ein. Es mag seltsam klingen, aber für mich ist das ein Mittel zum Stressausgleich.»

Jährlich 300 Stunden Freiwilligenarbeit

Der sympathische und bescheidene Neuenburger hat das Engagement für die Mitmenschen zu seinem Credo gemacht. Jedes Jahr opfert Gérard Heller bis zu 300 Stunden seiner Freizeit für Ausbildungen und Übungen im Samariterverein. So organisiert er unermüdlich Auffrischungskurse für Samariter, Nothilfekurse für angehende Motorfahrzeuglenker und Firmenkurse, die auf bestimmte Unfallgefahren ausgerichtet sind. Ausserdem ist er an Konzerten, Volksfesten und Sportveranstaltungen im Einsatz. Doch sein Engagement beschränkt sich nicht auf die Freizeit: Bei der Post ist er Sicherheitsverantwortlicher seines Zustellteams. «Unter anderem kümmere ich mich um Gesundheitskurse, fordere meine Kolleginnen und Kollegen zum Helmtragen auf und kontrolliere, dass die Anhänger nicht überladen werden.»

Unterwegs mit den Profis

Vor Kurzem ist Gérard Hellers Traum doch noch wahr geworden, wenigstens für ein paar Stunden: Er war in Lausanne während zwei Zwölf-Stunden-Schichten mit professionellen Rettungssanitätern im Ambulanzwagen unterwegs. Eine einzigartige und sehr lehrreiche Erfahrung! «Ich hatte die Aufgabe, den Sanitätern das medizinische Material zu reichen, und führte auch eine Herzmassage durch», erzählt Gérard Heller, der zu Recht stolz ist, dass ihm die Profis für seine Fähigkeiten Anerkennung zollten. Trotz seiner Leidenschaft und seiner Begeisterung blickt er leicht sorgenvoll in die Zukunft: «Leider ist es in den letzten Jahren zunehmend schwieriger geworden, Freiwillige zu finden, die sich bei uns engagieren wollen.»

www.samalittoral.ch