Das Glück kommt mit der Post

Einmal im Jahr verträgt Zusteller Daniel Tschabold die Post als Kaminfeger.

19.12.2017
Text: Simone Hubacher; Fotos: Monika Flückiger
  • Daniel Tschabold vor dessen Elternhaus in Villigen AG.

  • Daniel Tschabold und Orlando proben für die spezielle Zustelltour.

  • Die wunderschönen Glocken hat ein Freund Tschabolds auf dem Dachboden gefunden.

  • Die wunderschönen Glocken hat ein Freund Tschabolds auf dem Dachboden gefunden.

  • Posieren mit Wallach Orlando ist nicht einfach.

  • Posieren mit Wallach Orlando.

  • Sogar einen Kaminfeger-Hut hat Tschabolds Mutter für Orlando vor 20 Jahren genäht.

Auf unzähligen Glückwunschkarten fürs neue Jahr findet man ihn, den Kaminfeger. Denn vor vielen hundert Jahren hatte Glück, wer ihn zu Hause begrüssen durfte, weil ungereinigte Kamine in den damals noch strohgedeckten Häusern oft zu Bränden führten. Heute bringt Daniel Tschabold vielen Bewohnern in Hausen (AG) Glück, wenn er einmal im Jahr ins Gewand des Schornsteinfegers steigt. Aber er reinigt nicht Schornsteine, sondern überbringt die Post. Diesmal nicht an Silvester – das wäre ein Sonntag –, sondern am 13. Januar 2018. Auch die Dreizehn steht fürs Glück! Vorher wird sich Daniel Tschabold bei einem befreundeten Schornsteinfeger ein Original-Gewand ausleihen. Dieser Brauch hat in Hausen Tradition – er wird durch Tschabold selbst seit 20 Jahren gepflegt.

Fohlen mit 18

Unterwegs ist der Aargauer aber nie allein: Statt mit dem DXP-Postroller sind auf dieser besonderen Tour Ross Orlando und Wagen mit dabei. Hier schliesst sich der Kreis. Denn auf die Frage, was für ihn persönlich Glück bedeute, antwortet er spontan: «Die Pferde. Das Reiten. Es heisst ja auch: Das grösste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.» Aufs Pferd kam Daniel Tschabold während des Landdienstes. Statt ein Auto kaufte er sich mit 18 ein Fohlen, eben Orlando, der ihn seither durchs Leben begleitet. Die beiden sind ein eingespieltes Team. «Er ist etwas frech. Darum führt ihn auch keine Drittperson mehr aus», sagt Tschabold mit schelmischem Blick und breitem Schmunzeln, nimmt den Wallach am Halfter und führt ihn durchs Wohnquartier zu einem freien Feld, wo heute Fotos des Duos entstehen.

Orlando schüttelt Kopf und Mähne, stört sich an den ungewohnten Glocken und frisst lieber Gras mit dem Hintern zur Kamera. Hilfe in der Not bietet das Futter in Tschabolds Hosentasche. Orlandos Glocken habe er vor vielen Jahren von einem Bekannten gekriegt. Dieser habe sie verstaubt auf dem Dachboden gefunden. Die Glocken seien mehrere Hundert Jahre alt und hätten schon viele Pferde geziert, weiss Daniel Tschabold.

Zopf-Hufeisen für die Kinder

Die Idee, die Post mit Ross und Wagen auszutragen, hatten übrigens die Kunden selbst. Sie sind es auch, die ihn erwarten. Mit Karotten- und Apfelstücken für Orlando. «Und ich nehme neben der Post im Wagen auch rund 50 Zopf-Hufeisen für die Kinder mit», sagt er und wirkt für einen kurzen Moment nachdenklich. Er sei dankbar für die schönen Augenblicke, speziell die leuchtenden Kinderaugen und das Lächeln der älteren Menschen. «Einer meiner speziellsten Momente als Kaminfeger war das Treffen mit einer alten Dame, die Orlando und mich unbedingt noch einmal sehen wollte. Danach wirkte sie gelöst und verstarb wenige Tage später.» Orlando nickt und dreht sich um. Genug für heute. Es war ja nur die Hauptprobe. Orlando macht sich schnellen Trittes auf zurück in seinen Stall. Er weiss, dass er dort die Glocken loswird. Und dass noch mehr Futter auf ihn wartet.

Persönlich

Daniel Tschabold (42)

Seit 1994 bei der Post

Ist seit diesem Jahr Zusteller in Döttingen

Wohnt in Villigen AG

Bestreitet mit seinem zweiten Pferd, Zeus (17), Springturniere

Ist im Dekoteam der Fasnacht Brugg