«Ich bin 12 Jahre alt und sammle Briefmärkli»

Während andere Zwölfjährige Playstation spielen oder online sind, sammelt Neel Maurer in seiner Freizeit am liebsten Briefmarken. Zusammen mit dem Illustrator der Briefmarke «50 Jahre bemannte Mondlandung» haben wir mit dem jungen Briefmarkensammler einen Nachmittag verbracht.

07.05.2019
Text: Sandra Gurtner; Fotos: Lena Schläppi
  • Auf was Neel beim Briefmarkensammeln achten muss und welche seiner Marken besonders wertvoll sind, verrät ihm Benel Kallen Leiter Produktmanagement Briefmarken und Philatelie.

    Auf was Neel beim Briefmarkensammeln achten muss und welche seiner Marken besonders wertvoll sind, verrät ihm Benel Kallen, Leiter Produktmanagement Briefmarken und Philatelie.

  • Neel Maurer ist mit 12 Jahren einer der jüngsten Briefmarkensammler der Schweiz.

    Neel Maurer ist mit 12 Jahren einer der jüngsten Briefmarkensammler der Schweiz.

  • Jwan Reber von Animus-Grafik zeigt Neel, wie er die Briefmarke «50 Jahre bemannte Mondlandung» illustriert hat.

    Jwan Reber von Animus-Grafik zeigt Neel, wie er die Briefmarke «50 Jahre bemannte Mondlandung» illustriert hat.

  • Neel ist auf der Suche nach einer Pfadi-Briefmarke aus dem Jahr 2007. In der Zwischenzeit hat er mit Jwan Reber seine persönliche WebStamp-Interpretation entworfen.

    Neel ist auf der Suche nach einer Pfadi-Briefmarke aus dem Jahr 2007. In der Zwischenzeit hat er mit Jwan Reber seine persönliche WebStamp-Interpretation entworfen.

Das Briefmarkensammeln ist in der Schweiz immer noch ein beliebtes Hobby, aber auch eines, das mit Nachwuchsproblemen kämpft. Umso erstaunlicher, wenn ein Zwölfjähriger beschliesst, mit dem Sammeln anzufangen. Fragt man ihn nach seinen Motiven, antwortet Neel Maurer ganz selbstverständlich: «Mir gefallen die Marken einfach. Besonders fasziniert mich die sorgfältige Gestaltung eines so kleinen Dings.» Eine Faszination, die ihn zu einem der jüngsten Briefmarkensammler der Schweiz macht.

Briefmarkenkunde ist kein Kinderkram

Mit einem selbstgebastelten Sammelbriefkasten, den er im Wartezimmer der Tierarztpraxis seines Vaters aufgehängt hat, konnte Neel seine Sammlung in kurzer Zeit aufbauen: «Mein Briefkasten platzt aus allen Nähten. Viele überlassen mir sogar ganze Sammelalben.» Diese gut 2000 Briefmarken muss er jetzt erst einmal sichten und ordnen, wofür er sich im Selbststudium viel Wissen aneignet. Benel Kallen, Leiter Produktmanagement Briefmarken und Philatelie, unterstützt ihn während unserem Besuch dabei und verrät ihm, welche seiner Briefmarken er in den kommenden Jahren in Bezug auf Wertsteigerung besonders im Auge behalten sollte. Laut Neel dürfen sich jüngere Sammler generell über viel Hilfe aus der Philatelie-Gemeinschaft freuen: «An Sammlertreffen bin ich mit Abstand immer der Jüngste und erhalte Marken oft zu einem Sympathiepreis. Die älteren Philatelisten finden es toll, was ich mache.»

Kleine Kunst nah und fern

Briefmarken schaffen spezielle Erlebnisse, die die Sinne ansprechen, gesellschaftsrelevant sind und optische Highlights bieten. Ihr Entstehungsprozess ist dabei oft genauso spannend wie das Ergebnis selbst. Jwan Reber musste das Sujet «50 Jahre bemannte Mondlandung» z. B. aus bildrechtlichen Gründen neu interpretieren. Bei unserem Besuch zeigt er Neel, wie er seine Bleistiftskizze am Computer digital überarbeitet hat. Gut möglich, dass Neel bei so viel Frühförderung eines Tages die Schweiz mit seinem eigenen Briefmarkensujet beglücken wird.

Schweizer Jugend-Philatelie

Laut dem Verband Schweizer Philatelisten-Vereine gibt es in der Schweiz aktuell ca. 4000 registrierte Philatelisten. Betrachtet man das rege Treiben an Auktionen und Sammlerbörsen dürfte die Zahl aber um ein Vielfaches höher liegen. Der Anteil an Personen unter 50 Jahren ist jedoch klein. Der VSPhV engagiert sich deshalb in der Nachwuchsförderung, z. B. mit Unterlagen für Lehrpersonen oder an der nationalen Briefmarkenausstellung Philatelica’19 vom 28. November bis 1. Dezember 2019 in Bulle.