In Sommerlaune bergwärts

In den Sommermonaten ist auf der PostAuto-Strecke im Kiental besonders viel los. Im Kiental kraxeln die Postautos die steilste Strecke Europas hoch. Der langjährige Fahrer erzählt.

21.08.2018
Text: Claudia Langenegger; Fotos: Annette Boutellier
  • Markus Rumpf auf seiner Tour durchs Kiental

    Markus Rumpf auf seiner Tour durchs Kiental.

  • Markus Rumpf auf seiner Tour auf die Griesalp und wieder zurück

    Markus Rumpf auf seiner Tour durchs Kiental.

  • Markus Rumpf fährt die steilste Postauto-Strecke Europas hoch

    Markus Rumpf fährt die steilste Postauto-Strecke Europas hoch.

  • Das «Kletter-Poschi» - gezeichnet von Markus Rumpf

«Ich liebe den Sommer und die Ferienzeit, da komme ich auf Hochtouren. An sonnigen Wochenenden sind unsere Postautos oft proppenvoll. Zu den Stosszeiten am Morgen sind die Leute meist sehr hektisch und haben Angst, keinen Platz mehr zu kriegen. Da komme ich zum Zug: Ich liebe es, etwas Ruhe reinzubringen. Mit etwas Witz klappt das immer gut. Und ich habe zudem bergeweise Sprüche auf Lager!

Oft müssen wir von Reichenbach aus durchs Kiental mit vier statt nur mit einem Poschi los. Aber nur die zwei kleinen Fahrzeuge schaffen es die enge und steile Schlucht auf die Griesalp hoch. Für die beiden anderen ist am Ende des Tals Endstation. Für die Passagiere heisst es umladen.

Wenn jemand ernsthaft reklamiert, das sei ja unmöglich, dass man stehen müsse, dann antworte ich: ‹Ihr hättet gestern kommen sollen, da war das Poschi halbleer!›

An schönen Wandertagen gibt es immer Leute, die mich bemitleiden, weil ich arbeiten muss. Da sage ich: ‹Ich arbeite lieber, denn ich muss nicht anstehen und warten und habe einen sicheren Sitzplatz!› Das sorgt stets für Schmunzeln.

Ich muss oft auch Auskunft über Routen und Wetter geben. Einmal habe ich am Morgen ins Blaue hinaus gefunden: ‹Um viertel vor drei regnets!› Es brach tätsächlich punktgenau dann ein Gewitter los: Wir fuhren gerade von der Griesalp ab. Einer der Gäste staunte, wie talentiert ich als Wetterschmöcker sei!

Manchmal muss man mit den Witzen auch aufpassen. Als eine Passagierin, die keinen Sitzplatz hatte, vor der Abfahrt ins Tal fragte, wies denn ums Bremsen stehe, sagte mein Kollege: ‹Wir sind nicht fürs Bremsen da, sondern fürs Fahren.› Diese Frau hatte aber ernsthaft Angst. Wir haben uns dann natürlich um sie gekümmert und sie beruhigt.

Überraschungen gibt es immer wieder, wir mussten auch schon express ein Poschi bestellen, weil der Ansturm so gross war. Wenn die Gäste schön mithelfen, klappt das ganze ‹Ein- und Umladen› jeweils ganz gut.»

Steckbrief

Markus Rumpf (52) fährt auf seinen Touren regelmässig die engen und steilen Kurven zur Griesalp im Kiental hoch. Der Sommer ist oft streng, denn die Passagiere kommen dann in Scharen ins lauschige Tal im Berner Oberland. Gerade diese Tage mag der Fahrer aus Reichenbach BE aber besonders gern: Dann ist nämlich richtig viel los.