«Wir stempelten täglich 4000 Postkarten»

Emil Büchi war mit Leib und Seele Poststellenleiter in Frenkendorf. Der bald 80-Jährige erzählt noch heute mit Begeisterung von seiner Postlaufbahn.

20.09.2016
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Emil Büchi
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Sie haben kurz nach dem zweiten Weltkrieg Ihre Lehre bei der Poststelle Neuhausen begonnen. Was war Ihre erste Aufgabe?

Viele Deutsche machten nach langen Jahren der Entbehrung erste Ausflüge in die Schweiz und besuchten die Rheinfälle. Die 4000 Postkarten, die sie täglich in ihr Heimatland schickten, mussten wir alle von Hand stempeln.

In Ihren Lehr- und Wanderjahren bei der Post fuhren Sie auch Bahnpost. Welche Erinnerungen sind Ihnen geblieben?

Auf der Fahrt von Schaffhausen nach Zürich machten wir einen ersten Halt mit Kaffeepause in einer Gaststätte. Doch plötzlich fuhr der Güterzug mit dem Bahnpostwagen einfach davon. Uns blieb nichts anderes übrig, als mit dem Taxi dem Zug nachzufahren und wieder aufzuspringen.

Nach vier Jahren als Lehrlingsinstruktor waren Sie 25 Jahre Poststellenleiter in Frenkendorf. Was war das für eine Zeit?

Ich habe nur positive Erinnerungen an diese Zeit. Die Post war immer wie ein Hobby für mich, und die Leute nannten mich «Emil von der Post». Allerdings hatte ich auch drei Überfälle zu verkraften. Diese Ereignisse konnte ich mit langen Wanderungen verarbeiten.

Sie sind Wanderleiter beim Verein Wanderwege beider Basel. Wie viele Stunden pro Woche sind Sie unterwegs?

Ich leite bis zu zehn Wanderungen à vier bis fünf Stunden pro Jahr. Früher waren es aber bis zu 50. Für mich bedeutet das Erholung pur. Ich liebe es, durch Wälder zu wandern. Man kommt zufrieden und erholt nach Hause und kann prima schlafen. Vor allem die Region um Schaffhausen kenne ich mittlerweile wie meine Hosentasche.

Weshalb kamen Sie zur Post?

Da ich und meine drei Geschwister den Vater früh verloren hatten, wurden wir schnell selbständig. Ich kam als 16-Jähriger für zwei Jahre zu meiner Tante nach Wabern. Dadurch konnte ich im Humboldtianum in Bern die Verkehrsschule besuchen: der Start für meine Pöstlerkarriere!