«Wir landeten im Maisfeld»

Christian Trummer, Briefträger in Kirchberg (BE), hat als 16-Jähriger bei der Post seine Lehre begonnen – 45 Jahre später ist er immer noch dabei.

28.04.2015
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Christian Trummer

Ihr unvergesslichstes Erlebnis?

Kürzlich ist mir ein Junge nachgerannt und ich habe ihn gefragt: Willst du auch mal zur Post, wenn du gross bist? Nein, ich will arbeiten, hat er geantwortet. Da musste ich doch sehr schmunzeln. Der Junge hat sich wahrscheinlich gedacht, einfach so auf einem Mofa rumzukurven sei doch keine richtige Arbeit.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Arbeitstag?

Natürlich, ich war blutjung, als ich meine Lehre als Briefträger in Spiez begonnen hatte. Doch weil ich schon seit der vierten Klasse als Milchhändler aushalf, war das gar keine so grosse Umstellung. Ich musste mit meinem Chef einen vollen Anhänger zu Fuss den Hang zum See hinunter transportieren. Darin befanden sich die Briefpost, die Grobware und 40 Pakete. Gar nicht so einfach ohne Bremsen.

Was hat sich am meisten verändert?

Früher wurde viel Wert auf eine äusserst exakte Arbeitsweise gelegt. Heute muss alles schnell gehen. Als ich in Ostermundigen tätig war, gab es noch keinen Bus ins Aussenquartier Rüti. Wir mussten alles mit dem Velo dorthin schleppen. Deshalb gönnten wir uns auch mal ein Bier und landeten nicht selten auf der Rückfahrt im Maisfeld, weil wir die Kurve nicht mehr gekriegt hatten.

Wurden Sie oft von einem Hund gebissen?

Im Durchschnitt alle sieben Jahre. Und man muss nicht meinen, wenn sich ein Hund streicheln lässt, sei man automatisch sein Freund.

Und jetzt gibt es den wohlverdienten Ruhestand?

Ich freue mich darauf, obwohl ich noch ein paar Jährchen weitermachen will. Ich habe mit meiner Lebenspartnerin ein kleines Haus im Tessin gekauft, wo wir so oft wie möglich mit der Harley hinfahren wollen.