«Vieles war überschaubarer und persönlicher»

Hans Ruch kam in Zeiten grosser Arbeitslosigkeit zur Post und blieb ihr bis zur Pensionierung 1983 treu.

Ausgabe 2/2018
Interview: Lea Freiburghaus; Fotos: François Wavre
Hans Ruch

1939 begann Hans Ruch seine Karriere bei der Post – just in dem Jahr, als das Unternehmen zu seiner gelben Farbe kam.

Gratulation! Sie konnten Anfang März Ihren 100. Geburtstag feiern. Wie fühlen Sie sich?

Ich bin zufrieden und dankbar. Ich freue mich, dass ich diesen Tag erleben durfte!

Wie sind Sie zur Post gekommen?

Nach einer Lehre als Buchbinder in Basel fand ich in Zeiten grosser Arbeitslosigkeit keine Stelle. Durch einen Onkel, der bei der Post arbeitete, wurde mein Interesse geweckt und ich meldete mich bei der Direktion. 1939 fing ich als ständiger uniformierter Aushelfer in Basel an. Drei Jahre später wurde ich zum Gehilfen ernannt und arbeitete im Briefversand Basel und an vielen anderen Orten. Ich habe also ganz unten angefangen!

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag?

Ich fasste meine Uniform und wurde eingeführt. Ich musste mein Zimmer in Basel immer wieder kündigen, da ich mindestens neun Mal in den Aktivdienst eingezogen wurde, wo ich als Feldpöstler beim Generalstab Dienst hatte.

Welche Funktionen haben Sie bei der Post ausgeübt?

Nach meiner Heirat 1945 mit Anna Weber, Postangestellte aus Bellach, wurde ich zum Posthalter gewählt und konnte so die Posthaltertradition weiterführen, die seit 1864 in der Familie meiner Frau lag. Traditionsgemäss war die Post bei der Familie eingemietet – ein kleines Zimmer genügte damals.

Sie waren fast 40 Jahre Posthalter von Bellach. Ihr unvergesslichstes Erlebnis in all den Jahren?

Bellach und der Postverkehr haben sich rasant entwickelt. In Erinnerung geblieben sind somit nicht einzelne Erlebnisse, sondern die stetige Entwicklung, mit der ich mich als Posthalter befassen musste. Los ging es – wie von der Direktion bei Vertragsabschluss gefordert – mit dem Bau eines Hauses, in dem die Post künftig untergebracht sein sollte. Ab 4. Dezember 1950 waren ein Briefträger, meine Frau und ich fortan dort tätig. Mit der Zeit wurden immer mehr Briefträger, Schaltergehilfinnen und Aushilfen nötig. 20 Jahre später waren auch diese Räumlichkeiten zu klein. Zusammen mit der Gemeinde Bellach errichtete die Post 1973 das neue Gebäude neben der alten Post. Dort arbeitete ich bis zu meiner Pensionierung im Jahr 1983.

Wie haben sich die Aufgaben des Schalterpersonals über die Jahre verändert?

Am Anfang war vieles überschaubarer und persönlicher. Alles wurde von Hand geschrieben: Einzahlungen, Pakete, Pläne, Rapporte, Abschlüsse. Gegen Ende meiner Dienstzeit hatte ich keinen Schalterdienst mehr, sondern beschäftigte mich ausschliesslich mit Administration.

Was verbindet Sie heute noch mit der Post?

Ich habe regelmässigen Kontakt mit ehemaligen Angestellten. Sie besuchen mich im Altersheim. Dies bedeutet mir viel. Wir waren ein gutes Team!