«Rufen Sie für Ihren Mann an?»

Marianne Wenger war 1986 die erste Postautofahrerin im Kanton Bern. Anfang August ist sie in den Ruhestand getreten.

25.08.2015
Text: Simone Hubacher; Fotos: François Wavre

Wie wurden Sie 1986 erste Postautofahrerin im Kanton Bern?

Ich hatte mich aus grossem Interesse an Motoren – zwischen 18 und 30 fuhr ich Töff – auf diese Stelle in der Region Thun beworben. Zuerst fragte mein Gegenüber am Telefon, ob ich eigentlich für meinen Mann anrufe. Doch schliesslich bekam ich die Stelle, trotz 22 männlicher Mitbewerber.

Was waren unvergessliche Erlebnisse in all Ihren Berufsjahren?

Da gab es einige. Ziemlich zu Beginn machte ein Mann beim Einsteigen kehrt – mit der Begründung, er liesse sich nicht von einer Frau chauffieren. Später wurde er trotzdem zu meinem Stammgast. Einmal verirrte sich eine Biene im Postauto, da fragte mich ein Kind, ob diese auch ein Ticket lösen müsse. Und ein anderes Mal fragte mich eine Frau, ob sie in Gerzensee das Schiff nehmen könne. In diesem Naturschutzgebiet verkehren gar keine Schiffe, nicht mal Gummiboote.

Welches war Ihre Lieblingsstrecke?

Über zehn Jahre bin ich von Belp über den Belpberg nach Gerzensee, Kirchdorf und retour via Münsingen gefahren. Diese schöne, wenig befahrene Strecke ist mir sehr ans Herz gewachsen, und ich habe dort im Winter immer gerne als Erste mit dem Postauto Spuren im Schnee gezogen.

Wie sehen Ihre Pläne nach der Pensionierung aus?

Als Aushilfe sitze ich nach wie vor ab und zu am Steuer des Postautos – so schnell kann ich nicht loslassen. Und ich habe mehr Zeit für mein Pferd Oman und meine Hobbys E-Biken, Bahn- und Busfahren.