«Noch heute träume ich, dass ich keine Fehler finde. Ein Albtraum für einen Revisor!»

Hans Peter Plüss (80) stand als Revisor der Post während 30 Jahren in der ganzen Schweiz im Einsatz. Auch im Ruhestand verfolgt er das Postgeschehen mit grossem Interesse.

01.05.2018
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
Hans Peter Plüss

Welchen Stellenwert nimmt die Post heute in Ihrem Leben ein?

Einen grossen (lacht). Meine Frau sagt, ich sei immer noch ein 120-Prozent-Pöstler. Ich verfolge mit Interesse, in welche Richtung sich die Post weiterentwickelt. Zu meiner Zeit gab es noch über 4000 Poststellen, jetzt nicht einmal mehr die Hälfte. Die Kunden tätigen keine klassischen Briefgeschäfte und Zahlungen mehr. Ich bin wohl noch einer der wenigen, der mit dem gelben «Postbüechli» einzahlen geht.

Sie waren zuletzt Revisor im Finanzinspektorat. Was sagen Sie zu den jüngsten Vorkommnissen bei der Post?

Ich habe die Debatte natürlich mitverfolgt. Es wirft kein gutes Licht auf das Unternehmen. Mich hat vor allem aufgeregt, wie die Medien das PostAuto-Thema tagelang ausgeschlachtet haben. Ich habe zu meiner Zeit auch einzelne Betrugsfälle aufgedeckt, das ging mir dann schon auch nah.

Weshalb wurden Sie Pöstler?

Mein Vater arbeitete bei der SBB, mein Götti bei der Telefondirektion Olten. Da mein Vater selten daheim war, mein Götti aber schon, habe ich mir als Kind gedacht, dass ein Job bei der Post viel bequemer ist. In meinen Ferien bei ihm sah ich meine Ansicht bestätigt, und die PTT war für mich eine beschlossene Sache.

Nach der Lehre verschlug es Sie nach Nyon. Wie kam es dazu?

Als 20-Jähriger wollte ich in die grosse weite Welt hinaus. Genf schien mir damals das Richtige. Alles war schon geritzt. Im letzten Moment teilte man mir aber mit, dass ich nach Nyon gehen müsse. Ich habe massiv dagegen protestiert. Genützt hat es nichts. Nach zwei Wochen wollte ich nicht mehr fort, musste aber zurück in den Kreis Basel. Ich setzte alles in Bewegung, um wieder nach Nyon zurückzukehren, was mir dann auch für die nächsten zehn Jahre gelang.

Was werden Sie nie vergessen?

Als ich als Posthalter-Ablöser tätig war, hatte ein junger Briefträger den Büroschlüssel verlegt. Ich habe ihm gesagt, er solle sich eine Matratze holen und über Nacht im Büro Wache halten, damit nicht eingebrochen wird. Am nächsten Tag liessen wir dann das Schloss auswechseln.

Wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Ich bin sehr gesellig und vielseitig interessiert. Gerne gehe ich mit Kollegen jassen. Da ich nicht mehr so gut zu Fuss bin, lese ich viel, am liebsten Geschichtsbücher. Und noch heute träume ich manchmal, dass ich als Revisor bei der Post im Einsatz stehe und keine Fehler finde. Ein Albtraum für einen Revisor!