«Man ging zur Bahn oder zur Post»

Der 75-jährige Beat Kühne hat eine klassische Postlaufbahn durchlaufen. Er war unter anderem Posthalter in Rutschwil-Dägerlen und Pfungen (ZH).

14.03.2017
Interview: Sandra Gonseth; Fotos: François Wavre
  • Beat Kühne
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Wie kamen Sie zur Post?

Ganz einfach: In meinem Heimatort Rieden (SG) ging man entweder zur Bahn oder zur Post. Da aus unserem Dorf bereits 29 Personen bei der Bahn Fuss fassten, entschied ich mich für die Post.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Arbeitstag?

Als Bauernsohn musste ich zu einem Einführungskurs in die Sihlpost Zürich. Das war ein kultureller Schock. Am liebsten wäre ich wieder umgekehrt. Deshalb war ich heilfroh, dass ich meine Lehrjahre auf der Hauptpost Winterthur absolvieren konnte.

Was hat sich am meisten verändert?

Früher gab es im Betrieb eine regelrechte Zweiklassengesellschaft. Die diplomierten Beamten schauten auf die Postgehilfen herunter. Und ein Gehilfe hatte es schwer, aufzusteigen. Das ist jetzt zum Glück anders. Heute wiederum sehe ich grosse Probleme bei den teilzeitarbeitenden Briefträgern. Wer soll mit einem 60-Prozent-Pensum eine Familie ernähren, geschweige denn später von einer solchen Rente leben können?

Welches Erlebnis wird Ihnen immer in Erinnerung bleiben?

Im Militär war ich bei der Feldpost eingeteilt und musste als Postordonnanz die Postsendungen mit dem Pferd auf den Fronalpstock zur Einheit transportieren. Das war schon speziell. Doch als Bauernsohn war ich ja den Umgang mit Tieren gewohnt.

Was verbindet Sie heute noch mit der Post?

Ich bin froh, dass jeden Monat die Rente kommt (lacht). Ich war immer politisch engagiert und verfolge, in welche Richtung sich die Post weiterentwickelt. Heute verbringe ich meine Zeit mit meiner Familie, schreibe Gedichte und bin Chorleiter im Altersheim. Sie sollten einmal die strahlenden Gesichter bei den Proben sehen!