«Ich wollte immer Briefträger werden»

Johann Gnägi war zeitlebens Briefträger. Untreu wurde er der Post bloss einmal, als er für zwei Jahre zur Schweizergarde wechselte.

22.11.2016
Interview: Lea Freiburghaus; Fotos: François Wavre
Johann Gnägi

Sie kamen 1960 im Alter von 19 Jahren zur Post. Weshalb?

Ich fand die Arbeit als Briefträger wunderschön. Den Reiz meines Berufs machten für mich der Kontakt mit den Kunden und die Arbeit in Gottes freier Natur aus. Ich gehe noch heute täglich nach draussen und fahre auf meinem E-Bike eine kleine Tour. Es ist mir wichtig, körperlich fit zu bleiben.

Welche Funktionen übten Sie bei der Post aus?

Ich war immer in der Zustellung tätig. Zuerst als Gehilfenanwärter, im Bahnpostamt oder als Ablöser in der Stadt Zürich. Von 1967 bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2004 arbeitete ich als Briefträger im Postamt Neumünster in 8032 Zürich.

Nach fünf Jahren bei der Post wechselten Sie für zwei Jahre zur Päpstlichen Schweizergarde in den Vatikan. Wie kam es dazu?

Ich hatte in der Schule einmal einen Vortrag zur Päpstlichen Schweizergarde gehört und gedacht, dass das ein guter Dienst für die Kirche wäre. Also trat ich 1965 – im Jahr der letzten Konzilssession – meinen Dienst unter Papst Paul VI. an. Es war sehr streng als Hellebardier: Die Ausrüstung wog knapp 20 Kilogramm, und unsere Einsätze an der Seite des Papstes dauerten bis zu fünf Stunden.

Zurück aus dem Vatikan nahmen Sie den Dienst bei der Post wieder auf. Wollten Sie beruflich nie etwas anderes machen?

Nein, Briefträger war schon immer mein Traumberuf, seit ich als kleiner Junge bei meinem Onkel – einem Briefträger in Biel – in den Ferien weilte.

Fast 40 Jahre arbeiteten Sie danach als Briefträger im Postamt Neumünster. Welche Veränderungen haben Sie in all den Jahren am meisten geprägt?

Früher gingen wir dreimal am Tag auf Tour. Die Post trugen wir in einem Rucksack, und wir hatten Depots in zahlreichen Geschäften der Stadt. Einschneidend war für mich der Wechsel, als wir dann nur noch einmal am Tag zustellten.