«Ich war sagenhaft gerne Pöstler»

Peter Walser war über 40 Jahre für die Post tätig, zuletzt als Paketbote. Heute geht der 75-Jährige gerne am Greifensee fischen oder kocht für seine Enkel.

19.12.2017
Interview: Lea Freiburghaus; Fotos: François Wavre
  • Peter Walser
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Wie sind Sie zur Post gekommen?

Es war immer mein Wunsch, Pöstler zu werden. Seit ich als Bub im Winter einmal die Post mit dem Schlitten zum Nachbarn bringen durfte. Nach der Schule machte ich eine Lehre als Käser. Aber Lohnkäsen bringt nichts. Also arbeitete ich in einer Druckerei an der Maschine und druckte Anzeigen und Couverts. Mit 20 Jahren – nachdem ich die Rekrutenschule hinter mir hatte – konnte ich dann endlich zur Post. Ich habe es nie bereut, denn ich war sagenhaft gerne Pöstler.

Welche Funktionen haben Sie ausgeübt?

Nach dem Einführungskurs arbeitete ich bei der Briefausgabe, beim Bahnpostamt sowie als Briefträger und Paketbote. Ich wollte immer gerne meine eigene Tour haben. In Winterthur Töss hat es schliesslich geklappt – ich wurde als Paketbote gewählt. Meine Tour umfasste rund 4500 Haushalte. Ich kannte jeden und jede, redete mit ihnen und trank auch mal einen Kaffee oder ein Glas Wasser bei ihnen.

Was war Ihr unvergesslichstes Erlebnis in all den Jahren bei der Post?

Auf einer Tour in St. Gallen habe ich einmal zwei ältere Frauen am Stock vor einem durchgebrannten Pferd mit Kutsche gerettet. Es kam geradewegs auf sie zu galoppiert. Also stellte ich mein Auto ab, rannte los, sprang auf die Kutsche und zog am Leitseil, das der Kutscher – ein 70-jähriger Milchmann – auf dem Bock angebunden hatte. Und siehe da, das Pferd hielt augenblicklich an. Angst hatte ich keine! Ich bin ein Bauernbub, und wir hatten zu Hause auch ein Ross.

Wie oft wurden Sie von einem Hund gebissen?

Zweimal in knapp 43 Jahren. Einmal vom Hund eines Arztes, der blöderweise gerade rauskam, als ich die Post einwarf. Da hatte der Hund das Gefühl, er müsse seinen Herrn verteidigen und biss zu. Ich habe dann ein bisschen Schnaps draufgetan, und gut wars.