«Ich möchte die Erfahrung nicht missen»

René Graf arbeitet seit 45 Jahren bei der Post, langweilig wurde es ihm nie.

26.04.2017
Interview: Lea Freiburghaus; Fotos: François Wavre
  • René Graf
  • René Graf

Sie kamen im Mai 1972 zur Post. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag?

Ja, ich erinnere mich noch gut. Weil der 1. Mai in Zürich ein Feiertag ist, starteten wir unseren Einführungskurs mit einem Tag Verspätung.

Welche Funktionen übten Sie in all den Jahren aus?

Nach meiner Lehre als Betriebspraktikant war ich Briefträger, Paketzusteller, Expressbote und Mitarbeiter im Briefversand, zuletzt als Teilbereichsleiter. Als ich Probleme mit den Hüften bekam, wechselte ich in den Materialdienst, zuerst in der Sihlpost und seit 2006 im Briefzentrum Zürich-Mülligen im BZI.

Wie hat sich die Post verändert? Welche Veränderung hat Sie am meisten geprägt?

Aufgrund des Wettbewerbs muss heute alles viel schneller gehen. Das verstehe ich gut, aber ich finde es auch ein bisschen schade. Die grösste Veränderung für mich war, als man plötzlich PC-Kenntnisse brauchte für den Job. Früher haben mich PCs nicht interessiert, heute tüftle ich gerne damit herum.

Welches Erlebnis werden Sie nie vergessen?

Das Lob einer Chefin, weil es zu der Zeit eine Seltenheit war. Später als Teilbereichsleiter habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, gute Arbeit zu würdigen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf alles, was ich in den 45 Jahren machen konnte und durfte.

Würden Sie wieder zur Post gehen?

Ich weiss nicht, ob ich heute wieder zur Post gehen würde. Den Entscheid von damals bereue ich aber keineswegs. Ich möchte die Erfahrung nicht missen.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Mein grösstes Hobby ist Kochen. Für mich ist das nicht Arbeit, sondern eine Freude. Da wir eine kleine Küche haben, sprechen sich meine Frau und ich immer ab, wer kocht. So gibt es keinen Streit (lacht). Und wenn ich dann pensioniert bin, kann ich mir gut vorstellen, mal länger in unserem Wohnwagen im Tessin zu bleiben.